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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Mehr Wissen über die Oberflächengewässer der Erde: Neue interaktive Anwendung als Wegweiser für europäische und internationale Politik

Brüssel, 12. Dezember 2016

Die Europäische Kommission hat an der Entwicklung einer neuen interaktiven Anwendung mitgewirkt, die aus 3 Millionen Satellitenaufnahmen aus den letzten 32 Jahren besteht.

Der Global Surface Water Explorer ist eine allgemein zugängliche neue Online-Anwendung mit interaktiven Karten, durch die europäische und internationale Strategien, etwa zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Wasserwirtschaft, verbessert werden sollen.

Auf den von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission und Google Earth Engine entwickelten Karten können Veränderungen der Oberflächengewässer der Erde in den letzten 32 Jahren abgelesen werden. Die Karten zeigen, dass die Oberflächenwasserressourcen in einigen Regionen Asiens erheblich zurückgegangen sind, obwohl sie weltweit insgesamt zugenommen haben.

Aus den Karten geht auch hervor, dass viele dieser Veränderungen mit menschlichen Tätigkeiten wie der Errichtung von Staudämmen, Flussbettverlagerungen und einer unregulierten Wassernutzung in Zusammenhang stehen. Andere Veränderungen sind durch Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren oder das beschleunigte Schmelzen von Schnee und Gletschern durch gestiegene Temperaturen und stärkere Niederschläge bedingt.

Anlässlich der heutigen offiziellen Inbetriebnahme der Anwendung erklärte Tibor Navracsics, Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle: „Diese neue Anwendung ist eine Goldgrube. Satelliten generieren sekündlich riesige Datenmengen. Allerdings stellt die Umwandlung von Daten in Wissen seit jeher eine Herausforderung dar. Durch diese Initiative von der Gemeinsamen Forschungsstelle und Google Earth Engine können Satellitendaten für eine nutzerfreundliche Anwendung eingesetzt werden, die nicht nur für Bürgerinnen und Bürger zugänglich ist, sondern auch politischen Entscheidungsträger in der gesamten EU und weltweit dabei hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.“

Die in den Karten enthaltenen Informationen werden politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, bessere Maßnahmen zur Verhinderung und Eindämmung von Überschwemmungen, Wasserknappheit und Dürren, die in einigen Teilen der EU immer häufiger auftreten, zu entwickeln und zu überwachen. Sie können darüber hinaus auch Teil des Beitrags der EU zu multilateralen Umweltabkommen wie dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen sein oder zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung beitragen.

Die heutige Ankündigung stellt einen großen Schritt auf dem Weg zur Erreichung des Ziels der Kommission dar, die internationale Meeresforschung und die entsprechende Datenbasis zu stärken. Dieses Ziel wurde im November letzten Jahres in einer gemeinsamen Mitteilung zur internationalen Meerespolitik vorgestellt. Die Kommission wird 2018 die Entwicklung eines öffentlich zugänglichen weltweiten Meeresdaten-Netzwerkes vorschlagen, bei dem die vorhandenen soliden EU-Netzwerke als Grundlage dienen werden.

Oberflächengewässer weltweit immer ungleicher verteilt

Auf den Karten lässt sich eine Zunahme von Oberflächengewässern in ganz Europa verzeichnen, die auf die Errichtung von Staudämmen und Veränderungen in der Bewirtschaftung und Speicherung dieses Wassers zurückgeht. Allerdings sind die Vorkommen in einigen Teilen Asiens erheblich zurückgegangen. Über 70 % der Nettoverluste sind in nur fünf Ländern, nämlich Kasachstan, Usbekistan, Iran, Afghanistan und Irak zu verzeichnen.

Nettozunahmen und -verluste nach EU-Mitgliedstaaten

Abbildung

Weltweit sind fast 90 000 km² – eine Fläche von der Größe Portugals – ganz verschwunden und über 72 000 km² sind nicht mehr ganzjährig, sondern nur für einige Monate im Jahr vorhanden. Diese Verluste sind im Hinblick auf die Sicherheit der Wasserversorgung und die grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung besorgniserregend. Bedingt sind sie durch Faktoren wie unregulierte Wassernutzung, Dürren und die Errichtung von Staudämmen, die die Fließgeschwindigkeit und -richtung von Flüssen verändern.

Regionale Unterschiede machen sich auch in Australien bemerkbar, wo die Milleniumsdürre (zwischen 2001 und 2009) die Ausdehnung der ständigen Wasserfläche beträchtlich beeinflusst hat. Auch in den USA haben Dürren und ein gleichzeitig anhaltend hoher Wasserverbrauch in Arizona, Kalifornien, Idaho, Nevada, Oregon und Utah zu einem Verlust von 33 % des Oberflächenwassers geführt.

Absolute (in km2) und prozentuale Verluste und Zunahmen nach Kontinenten zwischen den frühen 1980er-Jahren und 2015

 

Absoluter Verlust

Absolute Zunahme

Absolute Veränderung

Prozentualer Verlust

Prozentuale Zunahme

Prozentuale Nettoveränderung

Weltweit

161 178,06

213 248,34

52 070,28

5,9

7,8

1,9

Afrika

7 342,72

13 995,38

6 652,66

3,1

5,9

2,8

Asien

66 155,78

71 521,75

5 365,97

21,3

23

1,7

Europa

19 319,66

38 694,94

19 375,28

3,3

6,6

3,3

Nordamerika

35 420,02

52 810,07

17 390,05

2,7

4

1,3

Ozeanien

3 635,31

3 406,18

-229,13

17,7

16,6

-1,1

Südamerika

29 304,57

32 820,02

3 515,45

12,3

13,7

1,4

EU

2 403,94

5 575,47

3 171,53

2,5

5,7

3,2

 Hintergrund

Die Karten wurden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des wissenschaftlichen Dienstes der Europäischen Kommission, der Gemeinsamen Forschungsstelle, und den für das Projekt „Earth Engine“ verantwortlichen Google-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern erstellt. Auf der Grundlage von über drei Millionen Satellitenaufnahmen, die zwischen 1984 und 2015 aufgenommen wurden (1823 Terabyte Daten), generierte das Team auf 10 000 parallel laufenden Computern die Karten.

Die einzelnen Bilder wurden zu einer Reihe von Weltkarten mit einer Auflösung von bis zu 30 Metern zusammengefügt, in denen die Nutzer in der Zeit zurückscrollen können, um weltweit die Veränderungen bei Lage und Vorkommen von Oberflächengewässern für einzelne Regionen oder für ein bestimmtes Gebiet nachzuvollziehen. Die Karten sind für alle Nutzer kostenlos über die Google Earth Engine-Plattform zugänglich.

Dieses Projekt stellt auch einen Beitrag zum Copernicus Global Land Service dar, dem weltweiten Landüberwachungsdienst des Copernicus-Programms, das einen kostenlosen und freien Zugang zum gesamten Datensatz bietet. Die Copernicus-Satelliten Sentinel-1 und Sentinel-2 werden zudem zusätzliche Radar- und optische Satellitenbilder aufnehmen, durch die die Detailtreue und Genauigkeit der in dem Global Surface Water Explorer enthaltenen Informationen zukünftig weiter verbessert werden können.

Am 7. Dezember wurden die interaktiven Karten erstmals in einem Artikel in der Wissenschaftszeitschrift Nature vorgestellt.

Weitere Informationen

Informationsblatt zum Global Surface Water Explorer

Global Surface Water Explorer

Google Earth Engine-Plattform

IP/16/4305

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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