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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Zusammenschluss der Containerlinienreedereien Hapag Lloyd und UASC unter Bedingungen

Brüssel, 23. November 2016

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme der United Arab Shipping Company („UASC“) durch das deutsche Unternehmen Hapag Lloyd nach der EU Fusionskontrollverordnung unter Bedingungen freigegeben. Beide Unternehmen sind in der Containerlinienschifffahrt tätig.

Die Freigabe ist an die Bedingung geknüpft, dass sich UASC aus einem Konsortium auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika zurückzieht, auf denen das zusammengeschlossene Unternehmen nur einem unzureichenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt wäre.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Die europäischen Unternehmen sind bei ihren transatlantischen Lieferungen auf Containerliniendienste angewiesen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Märkte offenbleiben. Die von Hapag‑Lloyd angebotenen Verpflichtungen gewährleisten, dass die Übernahme nicht zu Preiserhöhungen auf den Routen zwischen Nordeuropa und Nordamerika führen.

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Durch die Übernahme schließen sich zwei Wettbewerber in der Containerlinienschifffahrt zur fünftgrößten Containerlinienreederei der Welt zusammen. Wie mehrere andere Reedereien auch bieten UASC und Hapag‑Lloyd ihre Leistungen auf Handelsrouten hauptsächlich über Kooperationsvereinbarungen mit gleichartigen Unternehmen (sogenannte „Konsortien“ oder „Allianzen“) an. Die Mitglieder eines Konsortiums oder einer Allianz legen gemeinsam wichtige Wettbewerbsparameter wie Kapazitäten, Fahrpläne und angelaufene Häfen fest. Die Kommission hat die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb auf den Märkten für Containerliniendienste auf dreizehn Handelsrouten zwischen Europa und Amerika, dem Nahen Osten, dem indischen Subkontinent, dem Fernen Osten, Australien, Neuseeland und Westafrika sowie zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeerraum geprüft.

Die Kommission hat festgestellt, dass durch die Übernahme in der ursprünglich angemeldeten Form auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika Verbindungen zwischen den Konsortien und Allianzen, denen Hapag‑Lloyd angehört, und dem NEU1-Konsortium (früher Pendulum-Konsortium), dem UASC angehört, entstehen würden. Infolgedessen könnte das zusammengeschlossene Unternehmen über die Konsortien und Allianzen, denen es angehören würde, zum Nachteil der Kunden und letztlich auch der Verbraucher Einfluss auf die Kapazitäten und Preise auf einem sehr großen Teil dieser Märkte nehmen. Die Kommission hatte Bedenken, dass das zusammengeschlossene Unternehmen auf diesen Routen nur einem unzureichenden Wettbewerbsdruck durch konkurrierende Unternehmen ausgesetzt wäre.

Durch den Zusammenschluss würden in begrenztem Umfang auch vertikale Verbindungen zwischen den Tätigkeiten der Unternehmen in der Containerlinienschifffahrt und in folgenden Dienstleistungsbereichen entstehen, in denen Hapag‑Lloyd oder seine Mehrheitsaktionäre tätig sind: i) Containerterminals, ii) Inlandstransport, iii) Spedition und iv) Hafenschleppdienste. In diesen Bereichen hat die Kommission jedoch keine wettbewerbsrechtlichen Probleme festgestellt, insbesondere weil auf diesen Märkten mehrere andere Anbieter tätig sind.

Die angebotenen Verpflichtungen

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, hat Hapag-Lloyd angeboten, die Beteiligung von UASC am NEU1-Konsortium zu beenden. Dadurch wird die zusätzliche Verbindung zwischen den Konsortien von Hapag‑Lloyd und UASC, die durch die Übernahme auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika entstanden wäre, vollständig beseitigt. Die Position des zusammengeschlossenen Unternehmens auf diesen Routen wird daher der heutigen Position von Hapag‑Lloyd vergleichbar sein.

UASC wird zwar während der Kündigungsfrist weiter als Teil des NEU1-Konsortiums agieren, um einen geordneten Austritt zu gewährleisten, ein Überwachungstreuhänder wird jedoch sicherstellen, dass in diesem Zeitraum keine wettbewerbswidrigen Informationen zwischen dem NEU1-Konsortium und dem zusammengeschlossenen Unternehmen ausgetauscht werden.

Die Kommission ist daher zu dem Ergebnis gelangt, dass der geplante Zusammenschluss in der durch die vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen geänderten Form keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Die Genehmigung des Zusammenschlusses erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungszusagen in vollem Umfang eingehalten werden.

Der Zusammenschluss wurde am 3. Oktober 2016 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Produkte

UASC ist eine im Nahen Osten ansässige weltweit tätige Reederei. Mit einer Flotte von rund 55 Containerschiffen bietet UASC weltweit Containerfrachtdienste an. Auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika gehört UASC gemeinsam mit der Compagnie Maritime d'Affrètement – Compagnie Générale Maritime (CMA CGM) und der Hamburg Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft (Hamburg Süd) dem NEU1-Konsortium (früher Pendulum-Konsortium) an.

Hapag-Lloyd bietet mit einer Flotte von rund 170 Containerschiffen weltweit Containerfrachtdienste unter der Marke Hapag‑Lloyd an. Auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika bildet Hapag‑Lloyd gemeinsam mit Nippon Yusen Kaisha („NYK“), Orient Overseas Container Line („OOCL“), American President Lines / Neptune Orient Lines („APL/NOL“), Hyundai Merchant Marine („HMM“) und Mitsui OSK Lines („MOL“) die G6-Allianz sowie gemeinsam mit OOCL das SLCS-Konsortium und gemeinsam mit OOCL und Mediterranean Shipping Company („MSC“) das SLCS-MSC-Konsortium. 2017 wollen Hapag‑Lloyd und UASC der THE-Allianz beitreten, die ebenfalls auf den Handelsrouten zwischen Nordeuropa und Nordamerika tätig sein wird.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der Generaldirektion Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.8120 veröffentlicht.

IP/16/3942

Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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