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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: EU-Kommission genehmigt Übernahme von St Jude Medical durch Abbott Laboratories unter Bedingungen

Brüssel, 23. November 2016

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von St Jude Medical durch Abbott Laboratories nach der EU-Fusionskontrollverordnung freigegeben. Beide Unternehmen sind in den USA ansässig und in der Entwicklung und Vermarktung von Medizinprodukten tätig. Die Freigabe ist an die Bedingung geknüpft, dass Abbott zwei medizinische Geräte zur Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen veräußert.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu: „Im Interesse der Patienten und generell der Gesundheitsversorgung müssen wir nicht nur darauf achten, dass der Preiswettbewerb erhalten bleibt, Ärzte und Kliniken genügend Auswahl haben und vielversprechende innovative Produkte von den fusionierenden Unternehmen nicht aufgegeben werden. Ich begrüße, dass wir eine Lösung gefunden haben, die die Fusion ermöglicht und gleichzeitig den Wettbewerb wahrt.“ 

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Die Untersuchung der Kommission galt vor allem zwei Märkten für medizinische Geräte zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf denen Abbott und St Jude miteinander Konkurrieren, nämlich den Märkten für Gefäßverschlussgeräte und für Geräte, die in elektrophysiologischen Verfahren verwendet werden, insbesondere transseptale Gefäßdilatatoren.

  • Gefäßverschlussgeräte werden zum Verschließen von Öffnungen in Arterien verwendet, über die Gefäßchirurgen sich Zugang zum Herz oder zum Blutkreislauf verschaffen. Zur Verschließung von Gefäßen gibt es mehrere Methoden, u. a. manuelle Kompression, chirurgische Naht, Verschluss mittels Hilfsintrumenten oder mittels Gefäßverschlussgeräten. Die Marktuntersuchung hat ergeben, dass es bei bestimmten Eingriffen keine Alternative zu Gefäßverschlussgeräten gibt, und dass die Zusammenführung der einschlägigen Produktpalette von Abbott und St Jude zu Preiserhöhungen führen könnte, da die verbleibenden Anbieter auf dem Markt keinen ausreichenden Wettbewerbsdruck würden ausüben können.
  • Elektrophysiologie-Produkte werden zur Diagnose und Behandlung von Herz-Rhythmus-Auffälligkeiten verwendet. Werden diese Abnormalitäten mit einem möglichst wenig invasiven Eingriff behandelt (der sogenannten Katheterablation), kommen transseptale Gefäßdilatatoren bei der Einsetzung und Entfernung von Kathetern zum Einsatz. Vor dem Zusammenschluss war St Jude in dem Markt der Gefäßdilatatoren führend, aber Abbott hatte mit Vado ein Produkt entwickelt, dass das Potenzial hat, zu einem starken Wettbewerber zu werden und die Marktstellung von St Jude herauszufordern. Die Kommission befürchtet, dass Abbott nach der Übernahme auf die Markteinführung von Vado verzichten und damit Ärzten und Patienten eine zusätzliche Auswahlmöglichkeit vorenthalten könnte.

Verpflichtungsangebote

Um die Wettbewerbsbedenken der Kommission auszuräumen, hat Abbott angeboten,

  • das gesamte Gefäßverschlussgerätegeschäft von St Jude einschließlich des Produktionsstandorts in Puerto Rico zu veräußern,
  • und das gesamte Vado-Portfolio einschließlich der Beteiligung an Kalila Medical, dem Unternehmen, das Vado entwickelt hat, zu veräußern. Kalila Medical war von Abbott Anfang 2016 übernommen, aber anschließend nicht ins Unternehmen eingegliedert worden.

Durch die Verpflichtungsangebote werden die Überschneidungen zwischen Abbott und St Jude auf den beiden Märkten, auf denen der Zusammenschluss in den Augen der Kommission wettbewerbsrechtlich bedenklich war, vollständig beseitigt. Daher stellte die Kommission fest, dass der geplante Zusammenschluss in der durch die Verpflichtungen geänderten Form nicht länger Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Die Genehmigung ist an die Auflage gebunden, dass die Verpflichtungen in vollem Umfang eingehalten werden.

Da beide Unternehmen weltweit tätig sind, hat die Kommission eng mit anderen Wettbewerbsbehörden und insbesondere der Federal Trade Commission der USA zusammengearbeitet.

Unternehmen und Produkte

Das US-Unternehmen St Jude ist in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung medizinischer Geräte für Herz-Kreislauf-Erkrankungen tätig, u. a. für die Bereiche Herzrhythmusmanagement, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, Herz-Kreislauf-System und Neuromodulation.

Das US-Unternehmen Abbott ist in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Medizinprodukten einschließlich medizinischer Geräte tätig. Das Unternehmen vertreibt u. a. vaskuläre Produkte, optische Produkte, Diabetes-Mittel, Diagnoseprodukte und Arzneimittel.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Das Vorhaben war am 3. Oktober 2016 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet worden.

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet. Diese Frist verlängert sich auf 35 Arbeitstage, wenn die beteiligten Unternehmen, wie im vorliegenden Fall, Abhilfemaßnahmen anbieten.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.8060 veröffentlicht.

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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