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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Winterprognose 2016: neuen Herausforderungen standhalten

Brüssel, 4. Februar 2016

Die wirtschaftliche Erholung geht in Europa in das vierte Jahr, und das moderate, überwiegend vom Konsum getragene Wachstum setzt sich fort.

© European Union 2016

Gleichzeitig sind weite Teile der Weltwirtschaft mit großen Herausforderungen konfrontiert, was die Risiken für das Wachstum in Europa erhöht.

Die Winterprognose der Kommission weist im Vergleich zum Herbst insgesamt auf wenige Veränderungen bei den Wachstumsaussichten hin; es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko, dass das Wachstum hinter den Vorhersagen zurückbleibt, was in erster Linie externen Faktoren geschuldet ist. Im Euro-Währungsgebiet wird das Wachstum voraussichtlich von 1,6 % im Vorjahr auf 1,7 % im laufenden Jahr steigen und sich im Jahr 2017 weiter auf 1,9 % erhöhen. Das Wirtschaftswachstum in der EU bleibt der Prognose zufolge unverändert bei 1,9 % in diesem Jahr und 2,0 % im nächsten Jahr.

Bestimmte Wachstumsfaktoren dürften sich stärker und langfristiger auswirken als zunächst angenommen. Dazu zählen die niedrigen Ölpreise, günstige Finanzierungsbedingungen und der niedrige Wechselkurs des Euro. Gleichzeitig zeichnen sich gewisse Risiken für die Wirtschaft und neue Herausforderungen immer deutlicher ab: die Verlangsamung des Wachstums in China und anderen Schwellenländern, der schwache Welthandel sowie geopolitische und strategiebezogene Unsicherheiten.

Valdis Dombrovskis, für den Euro und den sozialen Dialog zuständiger Vizepräsident der Kommission, erklärte: „Die Erholung in Europa setzt sich fort und das Wachstum entspricht weitgehend unserer Herbstprognose. Wir müssen allerdings aufmerksam bleibenDas verhaltene Wachstum in Europa sieht sich durch das verlangsamte Wachstum in Schwellenmärkten wie China, den schwachen Welthandel und die geopolitischen Spannungen in Europas Nachbarländern zunehmendem Gegenwind ausgesetzt. Gerade jetzt müssen wir strukturelle Reformen fortsetzen, die unseren Volkswirtschaften zu Wachstum verhelfen können, damit sie diesen Schocks standhalten und in Zukunft bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für unsere Bevölkerung bestehen.“

Der für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll zuständige Kommissar Pierre Moscovici sagte hierzu: „Die europäische Wirtschaft behauptet sich diesen Winter dank des billigen Öls, des Euro-Wechselkurses und niedriger Zinsen erfolgreich gegen neue Herausforderungen. Dennoch birgt das schwächere globale Umfeld Gefahren, weshalb wir doppelt wachsam sein müssen. Es bleibt noch einiges zu tun. Wir müssen die Investitionen stärken, unsere Wettbewerbsfähigkeit auf intelligente Weise steigern und endlich die Sanierung unserer öffentlichen Finanzen abschließen.“

Der Aufschwung ist in allen Mitgliedstaaten angekommen

Alle EU-Mitgliedstaaten konnten 2015 eine gesteigerte oder stabile Wirtschaftsleistung verzeichnen. Bis 2017 dürfte die Wirtschaft in allen Mitgliedstaaten zu Wachstum zurückkehren. Allerdings werden die BIP-Wachstumsraten aufgrund struktureller Merkmale und unterschiedlicher Konjunkturzyklen weiterhin erheblich voneinander abweichen.

Der private Verbrauch dürfte auch dieses und nächstes Jahr der wichtigste Motor für das Wirtschaftswachstum bleiben, unterstützt durch Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und steigende real verfügbare Einkommen. Auch die Investitionen sollten langsam von der steigenden Nachfrage, höheren Gewinnspannen, günstigen Finanzierungsbedingungen und der Abnahme des Drucks zum Verschuldungsabbau profitieren.

Weiter verbesserte Bedingungen am Arbeitsmarkt

Das moderate Beschäftigungswachstum dürfte anhalten, und die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich weiter sinken, wenn auch langsamer als im vergangenen Jahr. Der Rückgang dürfte in den Mitgliedstaaten, in denen Arbeitsmarktreformen durchgeführt wurden, besonders ausgeprägt sein. Die Arbeitslosenquote im Euro-Währungsgebiet wird voraussichtlich von 11 % im Jahr 2015 auf 10,5 % 2016 und 10,2 % 2017 sinken. In der gesamten EU dürfte die Arbeitslosenquote von 9,5 % 2015 auf 9,0 % in diesem Jahr und 8,7 % im nächsten Jahr zurückgehen.

Stärkere Unterstützung durch den haushaltspolitischen Kurs, weiterer Rückgang der Defizite

Das gesamtstaatliche Defizit im Euro-Währungsgebiet dürfte dank der erhöhten Wirtschaftstätigkeit und, in geringerem Maße, der niedrigeren Zinsausgaben weiter zurückgehen.

Im Euro-Währungsgebiet dürfte das gesamtstaatliche Defizit im Jahr 2015 auf 2,2 % des BIP (EU 2,5 %) zurückgegangen sein und sollte in diesem Jahr weiter auf 1,9 % des BIP (EU 2,2 %) und 2017 auf 1,6 % des BIP (EU 1,8 %) sinken. Der haushaltspolitische Kurs des Euro-Währungsgebiets dürfte sich dieses Jahr etwas positiver auf den Wirtschaftsaufschwung auswirken. In der EU als Ganzes wird er voraussichtlich weitgehend neutral bleiben. Die Schuldenquote des Euro-Währungsgebiets wird der Prognose zufolge von ihrem Höchststand von 94,5 % im Jahr 2014 (EU 88,6 %) auf 91,3 % im Jahr 2017 (EU 85,7 %) sinken.

Vorübergehender Druck auf die Inflation aufgrund des weiteren Rückgangs der Ölpreise

Die jährliche Inflation im Euro-Währungsgebiet lag gegen Ende 2015 nur geringfügig über Null, was vor allem auf den weiteren Rückgang der Ölpreise zurückzuführen ist. Der Verbraucherpreisanstieg dürfte auch in der ersten Jahreshälfte sehr gering ausfallen und in der zweiten Jahreshälfte langsam anziehen, wenn sich die Auswirkungen des drastischen Ölpreisverfalls abschwächen. Für das Gesamtjahr 2016 wird im Euro-Währungsgebiet eine jährliche Inflationsrate von nur 0,5 % vorhergesagt, was teilweise auch im niedrigen Lohnanstieg begründet liegt. Die Inflation dürfte sich allmählich erholen und 2017 1,5 % erreichen, da höhere Löhne, eine gesteigerte Binnennachfrage und ein leichter Anstieg der Ölpreise den Preisdruck erhöhen werden.

Beständige Exportleistung trotz gedämpftem Weltwirtschaftswachstum

Angesichts der Verschlechterung der weltweiten Wirtschaftslage wird die Erholung der Weltwirtschaft (ohne EU) voraussichtlich langsamer voranschreiten als im Herbst erwartet. Tatsächlich wurde für das Weltwirtschaftswachstum im Jahr 2015 der schwächste Wert seit 2009 verzeichnet. Das Exportwachstum im Euro-Währungsgebiet sollte sich im Laufe des Jahres 2016 nach dem Dämpfer in der zweiten Jahreshälfte 2015 beschleunigen. Dies ist den anhaltenden Auswirkungen der jüngsten Abwertung des Euro, den niedrigeren Lohnstückkosten und einem allmählichen Anstieg der Auslandsnachfrage geschuldet.

Erhöhtes Risiko für die Wirtschaftsaussichten

Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben äußerst ungewiss und die Risiken nehmen insgesamt zu. Zu diesen zählen ein langsameres Wachstum in Schwellenmärkten, eine ungeordneten Anpassung in China und mögliche weitere Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten, die die Finanzmärkte beeinträchtigen oder Schwellenländern gefährden und die Wirtschaftsaussichten trüben könnten. Ein weiterer Rückgang der Ölpreise könnte sich zudem negativ auf Erdöl exportierende Staaten auswirken und die Nachfrage nach Exporten aus der EU senken. Ebenso könnten sich Risiken innerhalb der EU auf Vertrauen und Investitionen auswirken. Andererseits könnte die Kombination aktuell günstiger Faktoren zu stärken Impulsen führen als erwartet, insbesondere, wenn sich die Investitionen erholen.

 Hintergrund

Im Rahmen dieser Prognose wurden alle einschlägigen verfügbaren Daten und Faktoren berücksichtigt, einschließlich Annahmen in Bezug auf staatliche Maßnahmen (Stand: 22. Januar 2016). Berücksichtigt wurden lediglich glaubwürdig angekündigte politische Maßnahmen, die angemessen detailliert spezifiziert wurden. Den Projektionen liegt die Annahme einer unveränderten Politik zugrunde. Diese Prognose basiert auch auf verschiedenen externen Annahmen in Bezug auf Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise. Die verwendeten Zahlen spiegeln die zum Zeitpunkt der Prognose von Derivatemärkten abgeleiteten Markterwartungen wider.

Die Kommission wird ihre Wirtschaftsprognose im Mai 2016 aktualisieren.

Näheres dazu unter:

Winterprognose - Website und #ecforecast (nur auf Englisch verfügbar)

EU-Wirtschaftsprognosen – Website

GD ECFIN auf Twitter: @ecfin

Vizepräsident Dombrovskis auf Twitter: @VDombrovskis

Kommissar Moscovici auf Twitter: @Pierremoscovici

 

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Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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