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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Prüfung der geplanten Teilübernahme der Industrieverpackungssparte von Walki durch Mondi ein

Brüssel, 2. September 2015

Die Kommission hat Bedenken, dass die Übernahme von zwei Walki-Verpackungswerken durch Mondi für Abnehmer von Verpackungsmaterialien, die zum Beispiel für den Transport und den Schutz von frischen Lebensmitteln oder Papier verwendet werden, eine geringere Auswahl und höhere Preise zur Folge haben.

Die Europäische Kommission hat ein eingehendes Prüfverfahren eingeleitet, um festzustellen, ob die von Mondi geplante Übernahme von zwei Industrieverpackungswerken, die derzeit im Eigentum von Walki stehen, mit der EU-Fusionskontrollverordnung im Einklang steht. Mondi ist ein vertikal integrierter Verpackungs- und Papierhersteller. Das Unternehmen betreibt eine Reihe von Werken in ganz Europa, die Extrusionsbeschichtungsprodukte herstellen, welche zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen, Dämmmaterial und Umschläge verwendet werden. Auch die Werke, die Mondi von Walki übernehmen möchte, stellen Extrusionsbeschichtungsprodukte her. Die Kommission hat Bedenken, dass der Wegfall eines wichtigen Wettbewerbers dazu führen könnte, dass die Abnehmer von Verpackungsmaterialien, die auch als Dampfsperre dienen und zum Beispiel in der Papierindustrie oder in Behältnissen für frische Lebensmittel verwendet werden, eine geringere Auswahl haben und letztlich höhere Preise entrichten müssen. Nun muss die Kommission innerhalb von 90 Arbeitstagen, d. h. bis zum 18. Januar 2016, eine eingehende Prüfung durchführen, um festzustellen, ob sich ihre Bedenken bestätigen. Das Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte: „Durch den geplanten Zusammenschluss könnte auf den Märkten für verschiedene Verpackungsmaterialien ein wichtiger Wettbewerber verlorengehen. Die Materialien kommen in Gegenständen des täglichen Gebrauchs wie Lebensmittelverpackungen zum Einsatz. Ich habe Bedenken, dass der Zusammenschluss für die Abnehmer dieser Unternehmen eine geringere Auswahl und höhere Preise zur Folge haben könnte und dass diese Preissteigerungen letztlich an den Verbraucher weitergegeben werden könnten."

Bei der Extrusionsbeschichtung wird geschmolzenes Harz auf ein Trägermaterial, z. B. Papier, aufgetragen. So entsteht eine starke und feuchtigkeitsbeständige Folie mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, z. B. Papierverpackungen, Umschläge, Lebensmittelverpackungen und Tüten, Verpackungen von Holzprodukten und Dämmmaterial für das Baugewerbe.

Mondi und Walki sind im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) die beiden führenden Anbieter von verschiedenen Extrusionsbeschichtungsprodukten, insbesondere von Verpackungsmaterial für die Papierindustrie und Schachtelbeschichtungen. Zurzeit liefern sich die beiden Unternehmen auf diesen Märkten einen scharfen Wettbewerb.

Eine erste Untersuchung der Kommission hat ergeben, dass durch die geplante Übernahme der Walki-Werke ein erheblicher Wettbewerbsdruck auf Mondi entfallen könnte. Die verbleibenden Wettbewerber hätten eine wesentlich geringere Produktionskapazität als das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen und könnten möglicherweise weder ein so umfangreiches Produktangebot noch so enge Verbindungen zu wichtigen Kunden vorweisen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Kommission Bedenken, dass diese Wettbewerber nicht in der Lage sein könnten, einen ausreichenden Wettbewerbsdruck auf das Verhalten des neu aufgestellten Unternehmens auszuüben. Dies könnte zu einer geringeren Auswahl für die Abnehmer und unter Umständen zum Anstieg der Preise für die betreffenden Erzeugnisse führen.

Die Kommission wird die Auswirkungen dieser Übernahme auf den Wettbewerb nun einer eingehenden Prüfung unterziehen, um festzustellen, ob sich ihre anfänglichen Bedenken bestätigen.

Der Zusammenschluss wurde am 29. Juli 2015 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet.


Unternehmen und Produkte

Mondi ist ein vertikal integrierter Verpackungs- und Papierhersteller mit Sitz im Vereinigten Königreich. Seine Hauptgeschäftstätigkeit ist die Herstellung von Verpackungspapier, Spezialprodukten (u. a. Verpackungen aus Wellpappe, Industriesäcke und flexible Verpackungen) sowie ungestrichenem Feinpapier. In vier Werken in Belgien, Österreich, Schweden bzw. der Tschechischen Republik stellt Mondi auch extrusionsbeschichtete Materialien her.

Gegenstand der Übernahme ist die Veräußerung von zwei Extrusionsbeschichtungswerken von Walki in Pietarsaari (Finnland) bzw. Breslau/Wrocław (Polen). Die beiden Werke erzeugen unter anderem Verpackungsmaterial für die Papierindustrie und Schachtelbeschichtungen.


Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Derzeit laufen fünf weitere eingehende Prüfverfahren:

  • geplante Übernahme des britischen Paketzustellers TNT Express durch FedEx(vorläufige Frist für den Beschluss: 13. Januar 2016)

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.7566 veröffentlicht.

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Kontakt für die Medien:

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail


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