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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt europäische Herausforderung: Europäische Kommission weist auf noch bestehende Ungleichheiten hin

Brüssel, 05 März 2015

Im Vorfeld des Internationalen Frauentags (8. März) bekräftigt die Europäische Kommission ihre Entschlossenheit, Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern in der EU zu bekämpfen. Nach der neuen, heute veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage ist eine große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger (76 %) der Ansicht, dass die Bekämpfung von Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu den Prioritäten der EU zählen sollte. Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist den neuesten Daten von Eurostat zufolge ein weiteres Jahr auf demselben Stand geblieben: Frauen verdienen in der Stunde 16,4 % weniger als Männer. Aus dem ebenfalls heute veröffentlichten jährlichen Bericht der Kommission über die Gleichstellung von Frauen und Männern geht hervor, es trotz einiger Fortschritte nach wie vor Lücken in der Gleichstellung gibt.

„Europa kann es sich nicht leisten, das Potenzial von 50 Prozent seiner Bevölkerung nicht auszuschöpfen. Auch wenn die Chancengleichheit für Frauen und Männer mehr denn je Realität wird, bleibt noch viel zu tun. Verdient ein Mann in Europa einen Euro, so erhält eine Frau nach wie vor nur 84 Cent. Zudem sind Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert, und das gilt sowohl für die Wirtschaft als auch die Politik. Das Schlimmste jedoch ist, dass ein Drittel aller Frauen schon Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt wurde. Dies kann nicht hingenommen werden. Ich bin fest entschlossen, diese Herausforderungen anzugehen und greifbare Ergebnisse zu erzielen“, sagte Vĕra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung. In der Amtsbezeichnung der Kommissarin wird die Gleichstellung der Geschlechter erstmals explizit als Aufgabenbereich genannt – mit diesem Novum setzt die Kommission ein Zeichen für ihr Engagement in Genderfragen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage:

  • Etwa neun von zehn Europäerinnen und Europäern (91 %) sind der Ansicht, dass die Beseitigung der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen notwendig ist, um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Ein fast ebenso großer Teil der EU-Bevölkerung (89 %) ist der Ansicht, dass die Gleichstellung Frauen zu mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit verhelfen wird.
  • Gewalt gegen Frauen (insbesondere sexuelle Gewalt) und das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen – in diesen beiden Bereichen sind nach Auffassung von 59 % bzw. 53 % der Europäerinnen und Europäer Maßnahmen der EU am dringlichsten.

Der Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern (2014) zeigt, dass die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in den letzten Jahrzehnten zwar rückläufig war, Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten insgesamt aber zugenommen haben. Wichtige Fragen müssen noch gelöst werden:

  • Der Stundenlohn von Frauen ist im Durchschnitt 16,4 % niedriger als der von Männern. In der Tschechischen Republik, in Österreich, Estland und Deutschland beläuft sich das Lohngefälle auf über 20 %. Der Abbau des geschlechtsspezifischen Lohn- und Rentengefälles kam viel zu langsam voran. Das Rentengefälle beträgt nun 39 %. Frauen arbeiten nach wie vor häufiger in weniger gut bezahlten Branchen.
  • Die Prävalenz der Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor erschreckend hoch. Ein Drittel der Frauen in der EU berichtet, dass sie schon Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt wurden. Weitere Zahlen enthält die von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte veröffentlichte EU‑weite Erhebung zu Gewalt gegen Frauen.
  • Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Beschäftigung und der Teilhabe an Entscheidungsprozessen haben sich in den letzten Jahren verringert, aber immer noch sind weniger als ein Viertel der Führungspositionen in Unternehmen durch Frauen besetzt, obwohl diese fast die Hälfte der Beschäftigten (46 %) ausmachen. Ferner ist die Gleichstellung der Geschlechter in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich weit vorangekommen und hat nicht alle Gruppen erreicht. Die politischen Maßnahmen zur Gewährleistung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben reichen nicht aus, um die Hindernisse für die Beschäftigung von Frauen aus dem Weg zu räumen und somit Potenzial für wirtschaftliches Wachstum freizusetzen.
  • Obwohl mehr Frauen einen Hochschulabschluss erlangen dürften (über 60 % der neuen Hochschulabsolventen sind Frauen), sind sie in MINT-Fächern[1] und den entsprechenden Berufen, in der Forschung und in Führungspositionen auf allen Ebenen des Bildungssystems einschließlich der Hochschulbildung deutlich unterrepräsentiert.

Die EU hat Maßnahmen ergriffen, um die Gleichstellung der Geschlechter im vergangenen Jahr voranzubringen. Insbesondere hat die EU im Jahr 2014

  • länderspezifische Empfehlungen abgegeben und Kofinanzierungsmöglichkeiten mit den europäischen Struktur- und Investitionsfonds genutzt, um die Beschäftigung von Frauen, Investitionen in frühkindliche Bildung und Betreuung, erschwingliche Langzeitpflege und den Abbau steuerlicher Negativanreiz für die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern. (Siehe Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern 2014, Kapitel 1).
  • spezifische Maßnahmen wie Regierungskampagnen gegen geschlechtsspezifische Gewalt und partizipative Projekte von Nichtregierungsorganisationen unterstützt. (Siehe Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern 2014, Kapitel 4).
  • Im Laufe der letzten Jahre hat die EU zum Schutz der Rechte von Gewaltopfern Rechtsvorschriften erlassen und praktische Maßnahmen ergriffen (siehe MEMO/15/4465 und IP/15/3045), um Frauen und Mädchen vor geschlechtsbezogener Gewalt zu schützen.

Die weiteren Schritte

Die Kommission wird sich weiterhin gemeinsam mit Mitgliedstaaten, NRO und Interessenvertretern dafür einsetzen, dass die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen weiter vorankommt, die in der Vergangenheit erzielten Fortschritte ausgebaut und konsolidiert werden und die neuen Herausforderungen im nächsten Berichtszeitraum bewältigt werden. Der Schwerpunkt dieser Bemühungen wird auf der „Schließung der Lücken“ liegen, um das Gefälle zwischen den Geschlechtern bei der Bezahlung, der Beschäftigung, den Renten und ihrer Teilhabe an Entscheidungsprozessen zu beseitigen und geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.

Der lettische Ratsvorsitz wird Schlussfolgerungen des Rates zum „Rentengefälle zwischen Frauen und Männern“ vorlegen, die in politische Maßnahmen zur Beseitigung dieses Gefälles einfließen werden. Legislativvorschläge wie für die Richtlinie über Frauen in Führungspositionen müssen nun im Rat von den Ministern der Mitgliedstaaten und durch das Europäische Parlament verabschiedet werden, damit sie in Kraft treten können. Ferner werden die Mitgliedstaaten Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz beim Entgelt bekanntgeben. Dies folgt der Empfehlung zur Stärkung des Grundsatzes des gleichen Entgelts durch Transparenz, mit der die Kommission den Mitgliedstaaten zum ersten Mal ein Instrumentarium von Maßnahmen zur Bewältigung dieses Problems an die Hand gibt.

Weitere Informationen

Querverweis mit Eurostat: http://ec.europa.eu/eurostat

Factsheet – Eurobarometer-Umfrage zur Gleichstellung der Geschlechter: http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/eb_special_439_420_en.htm#428

Bericht über die Gleichstellung von Frauen und Männern 2014: http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/document/index_en.htm#h2-2

MEMO/15/4563

Gleichstellung der Geschlechter: http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/

Europäische Kommission – das geschlechtsspezifische Lohngefälle

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-pay-gap/index_de.htm

Website von Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung: http://ec.europa.eu/commission/2014-2019/jourova_en

Kommissarin Jourová auf Twitter: @VeraJourova

EU-Justiz auf Twitter: @EU_Justice

Anhang

Abbildung 1: Die Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern und das geschlechtsspezifische Lohn- und Rentengefälle in der EU

Abbildung 2: Anteil der Frauen in Regierungen, nationalen Parlamenten und Leitungsorganen der größten börsennotierten Unternehmen in der EU

Figure 3: Representation of women and men on the boards of large listed companies in the EU, October 2014

[1]Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwissenschaften und Mathematik. Darunter fallen die Studienbereiche „Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik“ und „Ingenieurwissenschaften, Fertigungs- und Bautechnik“.

IP/15/4552

Kontakt für die Öffentlichkeit:


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