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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Untersuchung zur geplanten Übernahme des Turbomaschinenherstellers Dresser-Rand durch Siemens ein

Brüssel, 13 Februar 2015

Die Europäische Kommission hat ein eingehendes Prüfverfahren eingeleitet, um festzustellen, ob die geplante Übernahme des US-amerikanischen Turbomaschinenherstellers Dresser-Rand durch den deutschen Siemens-Konzern mit der EU-Fusionskontrollverordnung im Einklang steht. Beide Unternehmen produzieren Turboverdichter und Motoren, mit denen diese Verdichter angetrieben werden („Antriebe“). Wird ein Turboverdichter mit einem Antrieb kombiniert, spricht man von einem Turboverdichterstrang. In Bezug auf Turboverdichterstränge, die mit aero-derivativen Gasturbinen angetrieben werden, befürchtet die Kommission, dass das Vorhaben den Wettbewerb sowohl bei beiden Komponenten (Turboverdichter und Antriebe) als auch bei Turboverdichtersträngen verringern könnte. Die von der Kommission durchgeführte vorläufige Prüfung ergab ferner, dass auch in Bezug auf den Markt für kleine Dampfturbinen mit einer Leistung von weniger als 5 MW wettbewerbsrechtliche Bedenken bestehen könnten. Das Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, d. h. bis zum 30. Juni 2015, einen Beschluss erlassen.

Sowohl Siemens als auch Dresser-Rand produzieren Turboverdichter und Antriebe wie zum Beispiel aero-derivative Gasturbinen, Industriegasturbinen, Dampfturbinen und Elektromotoren. Die Abnehmer dieser Maschinen sind hauptsächlich in der Öl- und Gasvertriebskette (im Upstream-Bereich Exploration und Förderung, im Midstream-Bereich Transport, Erdgasverflüssigung und Gasspeicheranwendungen und im Downstream-Bereich Raffinierungsverfahren) sowie im Vertrieb von Öl- und Gasprodukten tätig.

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Eine erste Marktuntersuchung der Kommission ergab wettbewerbsrechtliche Bedenken in Bezug auf die Märkte für aero-derivative Gasturbinen, Turboverdichter und mit aero-derivativen Gasturbinen angetriebene Turboverdichterstränge für mehrere Öl- und Gasanwendungen. Insbesondere stellte sich heraus, dass die wichtigsten Anbieter dieser Produkte Siemens/Rolls-Royce, General Electric und Dresser-Rand sind. Durch den Zusammenschluss würde sich somit die Zahl der wichtigsten Wettbewerber auf allen betroffenen Märkten von 3 auf 2 verringern. Dies könnte zu einer geringeren Produktvielfalt und letztlich zu höheren Preisen führen.

Zudem ergab die Untersuchung, dass auf dem Markt für kleine Dampfturbinen mit einer Leistung von weniger als 5 MW die Wettbewerber der an dem Zusammenschluss beteiligten Unternehmen nur über eine geringe Präsenz verfügen und keinen nennenswerten Wettbewerbsdruck auf die beteiligten Unternehmen ausüben. Dies könnte zu einer geringeren Produktvielfalt und letztlich zu höheren Preisen führen.

Aufgrund dieser Bedenken wird die Kommission die geplante Übernahme nun einer eingehenden Prüfung unterziehen.

Der Zusammenschluss wurde am 9. Januar 2015 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Produkte

Siemens ist eine deutsche Aktiengesellschaft mit Sitz in München. Siemens bietet eine breite Palette von Waren und Dienstleistungen in verschiedenen Geschäftsfeldern an.

Zum Produktportfolio von Siemens gehören Gas- und Dampfturbinen, Generatoren und Verdichter. Darüber hinaus stellt Siemens auch Elektromotoren her.

Dresser-Rand ist eine US-amerikanische Aktiengesellschaft mit Sitz in Houston (Texas). Dresser-Rand beliefert vor allem Kunden im Öl- und Gassektor, insbesondere für Tätigkeiten im Upstream-Bereich Exploration und Förderung, im Midstream-Bereich Transport, Erdgasverflüssigung und Gasspeicheranwendungen und im Downstream-Bereich Raffinierungsverfahren sowie im Vertrieb von Öl- und Gasnebenprodukten.

Die Produktpalette von Dresser-Rand umfasst Radial- und Kolbenverdichter, kleine Gas- und Dampfturbinen, Gasentspannungsturbinen, Gas- und Dieselmotoren sowie die entsprechenden Steuerungssysteme.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Pflicht, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (siehe Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem Verfahren zum vorliegenden Zusammenschluss laufen derzeit sechs weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II):

  • Geplanter Erwerb einer Kontrollbeteiligung an De Vijver Media durch Liberty Global; Frist für den Beschluss der Kommission: 5. März 2015 (siehe IP/14/1029)
  • Geplante Übernahme von Jazztel durch Orange auf dem spanischen Telekommunikationsmarkt; Frist für den Beschluss der Kommission: 30. April 2015 (siehe IP/14/2367)
  • Geplantes Joint Venture von zwei der weltweit führenden Kaffeeröster, des niederländischen Unternehmens Douwe Egberts Master Blenders 1753 B.V. und des US-amerikanischen Unternehmens Mondelēz International Inc.; Frist für den Beschluss der Kommission: 13. Mai 2015 (siehe IP/14/2682)
  • Geplante Übernahme von Biomet durch Zimmer; Frist für den Beschluss der Kommission: 26. Mai 2015 (siehe IP/14/1091)
  • Geplantes Joint Venture der drei Organisationen zur kollektiven Rechtewahrnehmung (Verwertungsgesellschaften) PRSfM, STIM und GEMA für die Lizenzvergabe für Online-Musikwerke; Frist für den Beschluss der Kommission: 26. Juni 2015 (siehe IP/15/3300)
  • Geplante Übernahme des griechischen Gasleitungsnetz-Betreibers DESFA durch die staatliche aserbaidschanische Mineralölgesellschaft SOCAR (siehe IP/14/1442)

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.7429 veröffentlicht.

IP/15/4429

Kontakt für die Medien

Kontakt für die Öffentlichkeit:


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