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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Kommission nimmt Kapitalmarktunion in Angriff

Brüssel, 28 Januar 2015

Die Europäische Kommission hat heute mit einem ersten Sondierungsgespräch im Kollegium der Kommissare den Startschuss für ihr Projekt einer Kapitalmarktunion für alle 28 EU-Mitgliedstaaten gegeben. Die Kapitalmarktunion ist eines der zentralen Projekte dieser Kommission, die sich die Förderung von Wachstum und Beschäftigung auf die Fahne geschrieben hat. Unternehmen soll EU-weit ein besserer Zugang zu unterschiedlichen Finanzierungsquellen geboten werden; Investoren und Sparer erhalten zusätzliche Möglichkeiten, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Durch Beseitigung der Hindernisse für grenzüberschreitende Investitionen soll ein Kapital-Binnenmarkt für alle 28 Mitgliedstaaten entstehen; damit würden die Finanzierungskosten innerhalb der EU verringert. Gut funktionierende Kapitalmärkte erleichtern zudem die Mobilisierung privater Finanzmittel im Rahmen der Investitionsoffensive für Europa.

Bei den äußerst positiven Sondierungsgesprächen im Kollegium wurde das Projekt unterstützt. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf den zentralen Herausforderungen und Prioritäten der Integration der Kapitalmärkte. Das Kollegium beschloss, im nächsten Monat ein Grünbuch vorzulegen, um alle interessierten Kreise zur weiteren Vorgehensweise und zu konkreten Bereichen für potenzielle Maßnahmen zu konsultieren.

„Eine Kapitalmarktunion wird die Finanzierungsmöglichkeiten der Wirtschaft stärker diversifizieren und die Kosten der Kapitalaufnahme für die Unternehmen senken. Sie wird den europäischen Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen und die Investitionsoffensive für Europa, die eine unserer größten Prioritäten ist, untermauern und erweitern“, so Vizepräsident Jyrki Katainen, zuständig für Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit

„Im Interesse von Wachstum und Beschäftigung muss der Investitionsfluss in Europa in Gang gebracht werden. Dies ist eine unserer größten Herausforderungen. Ein echter Kapitalbinnenmarkt in allen 28 Mitgliedstaaten würde einen wichtigen Beitrag zu diesem Ziel leisten, da er Sparer und Anleger mit expandierenden großen und kleinen Unternehmen in Kontakt bringen würde. Gleichzeitig würden mehr Finanzierungsquellen erschlossen und der wichtige Beitrag, den die Banken für unsere Wirtschaft leisten, ergänzt. Deshalb müssen wir zunächst herausfinden, welche Hindernisse dem Kapitalfluss im Wege stehen, und diese dann Schritt für Schritt beseitigen. Genau das ist der Zweck des Grünbuchs, das wir in wenigen Wochen veröffentlichen werden,“ erklärte Jonathan Hill, EU-Kommissar für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion.  

In weiten Teilen Europas sind vor allem KMU bei der Deckung ihres Finanzierungsbedarfs nach wie vor stark von den Banken abhängig. Ein zentrales Ziel der Kapitalmarktunion besteht deshalb darin, mehr Finanzierungsquellen zu erschließen und diese stärker zu diversifizieren, damit Unternehmen sowohl über die Kapitalmärkte als auch die Banken leichter Zugang zu Krediten haben; auch Möglichkeiten für grenzüberschreitende Finanzierungen müssen in diesem Zusammenhang stärker gefördert werden.

Die Kommission wünscht eine breit angelegte Konsultation, die alle gesellschaftlichen Gruppen anspricht, und ersucht deshalb um Beiträge von Europäischem Parlament, nationalen Parlamenten, den Mitgliedstaaten, Bürgern, KMU, Nichtregierungsorganisationen und dem Finanzsektor.

Auf der Grundlage der eingegangen Rückmeldungen wird die Kommission im dritten Quartal 2015 einen Aktionsplan für die Kapitalmarktunion vorstellen. 

Hintergrund:

In seinen Politischen Leitlinien, die dem Europäischen Parlament am 15. Juli 2014 vorgelegt wurden, äußerte sich Präsident Juncker zu diesem Thema wie folgt: „Mit der Zeit, so glaube ich, sollten wir die neuen europäischen Bankenregeln durch eine Kapitalmarktunion vervollständigen. Um die Finanzierung unserer Wirtschaft zu verbessern, sollten wir die Entwicklung und Integration der Kapitalmärkte weiter vorantreiben. Dies würde die Kapitalbeschaffung insbesondere für KMU verbilligen und unsere sehr hohe Abhängigkeit von der Bankenfinanzierung verringern helfen. Dadurch würde Europa auch als Investitionsstandort attraktiver.“

Die heutigen Sondierungsgespräche führten zu dem Schluss, dass eine Kapitalmarktunion von grundlegender Bedeutung für mehr Arbeitsplätze, die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die Schaffung eines dynamischen, diversifizierten und widerstandsfähigen Markts für die Zukunft ist. Die Banken spielen bei der Finanzierung der europäischen Unternehmen eine wichtige Rolle und werden dies auch weiterhin tun. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die europäischen Aktien-, Equity- und Wagniskapitalmärkte noch über ein erhebliches Entwicklungspotenzial verfügen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den KMU, die unter der Krise und der Fragmentierung der Märkte am stärksten gelitten haben. Das Kollegium war sich auch darin einig, dass es sich bei der Kapitalmarktunion um ein klassisches Binnenmarktprojekt von den 28 für die 28 Mitgliedstaaten handelt.

Das Grünbuch sollte dem Kollegium zufolge auf den kurzfristigen Prioritäten der Investitionsoffensive für Europa – wie die Wiederbelebung der Märkte für hochwertige Verbriefungen und die Vereinfachung der Prospektrichtlinie – aufbauen und Meinungen zur Art und Weise der Umsetzung dieser Prioritäten einholen. Darüber hinaus sollte im Grünbuch gefragt werden, wie die schwer auszuräumenden Hindernisse, die über reine Fragen der Finanzmärkte hinausgehen und einem wirklich integrierten Kapitalmarkt im Wege stehen, mittelfristig angegangen werden sollten, um über die Konsultation aller interessierten Kreise für eine klare strategische Ausrichtung zu sorgen.

Weitere Informationen:

Investitionsoffensive fürEuropa

http://ec.europa.eu/finance/index_de.htm

IP/15/3800

Kontakt für die Öffentlichkeit:

Europe Direct – telefonisch unter 00 800 67 89 10 11 oder per E-Mail

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