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Europäische Kommission - Pressemitteilung

EU-Forschungsanstrengungen an vorderster Front im Kampf gegen Ebola

Brüssel, 16 Januar 2015

Die EU hat seit dem Beginn der derzeitigen Ebola-Krise entschiedene Maßnahmen getroffen und wird heute ihre neuesten Aktionen im Forschungsbereich bekannt geben. Die Forschungsförderung ist zusammen mit humanitärer Hilfe, der Bereitstellung von Expertenwissen, internationaler Koordinierung und längerfristiger Entwicklungshilfe Teil der Reaktion der EU auf die Krise.

Die Europäische Kommission wird heute acht Projekte zur Erforschung von Ebola ankündigen, die mit insgesamt 215 Mio. EUR unterstützt werden. Bei diesen Projekten werden spezielle Impfstoffe und Tests zur Schnelldiagnose entwickelt, die für die Überwindung der aktuellen Ebola-Krise von entscheidender Bedeutung sind. Gleichzeitig läuft in Guinea gerade ein weiteres Projekt, bei dem die Ebola-Krise beobachtet werden soll, um die Vorsorge, die Planung und die Wirksamkeit künftiger Maßnahmen beim Ausbruch ähnlicher Pandemien zu verbessern.

Die acht Projekte zur Entwicklung von Impfstoffen und Diagnoseverfahren werden innerhalb des Programms Ebola+ im Rahmen der Initiative „Innovative Arzneimittel“ (IMI) durchgeführt und von der Europäischen Kommission und der Europäischen Arzneimittelindustrie gemeinsam finanziert. Aus dem EU-Forschungsförderungsprogramm „Horizont 2000“ werden 114 Mio. EUR bereitgestellt, die restlichen 101 Mio. EUR stellen die an den Projekten beteiligten Arzneimittelunternehmen zur Verfügung[1]. Die Ankündigung erfolgt kurz vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos, wo die Ebola-Krise voraussichtlich ganz oben auf der Tagesordnung stehen wird.

Hierzu erklärte Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation: „Es gibt gegenwärtig noch keinen Impfstoff und noch kein Medikament gegen Ebola; deshalb müssen wir unsere Anstrengungen in der Ebola-Forschung unbedingt verstärken. Mit diesen Finanzhilfen aus dem Programm „Horizont 2020“ und von unseren Partnern aus der Wirtschaft kann die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs und eines Schnelldiagnoseverfahrens beschleunigt werden, damit der vorbildliche Einsatz der medizinischen Fachkräfte vor Ort unterstützt werden kann. Dies sind die Instrumente, die wir brauchen, um den Ebola-Virus endgültig zu besiegen.“

Bei den Projekten, an denen Partner aus der ganzen Welt (größtenteils aus Europa, Afrika und Nordamerika) mitwirken, werden folgende Aspekte angegangen (nähere Einzelheiten im Anhang). Die Themen zählen zu den wichtigsten Schwerpunkten, die die Weltgesundheitsorganisation in Bezug auf die derzeitige Ebola-Krise ermittelt hat:

  • Entwicklung von Ebola-Impfstoffen (drei Projekte) 

Zurzeit gibt es keine zugelassenen Impfstoffe gegen Ebola. Drei Projekte werden zur Entwicklung solcher Impfstoffe beitragen, indem die Sicherheit und Wirksamkeit verschiedener Impfstoffkandidaten untersucht wird.

  • Ausbau der Herstellung von Impfstoffen (ein Projekt)

Ebola-Impfstoffe können nur in Anlagen mit höherer Biosicherheitsstufe hergestellt werden. Mit diesem Projekt wird eine Plattform eingerichtet, mit der unter Einhaltung strenger Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen kurzfristig ausreichende Impfstoffmengen hergestellt werden können.

  • Einhaltung der Impfschemata (ein Projekt)

Damit eine Impfung im Falle des Ausbruchs einer Seuche tatsächlich etwas bewirkt, muss eine hohe Impfdichte erreicht werden. Außerdem könnten zur Erzielung eines dauerhaften Schutzes zwei Impfgänge erforderlich sein. Ziel des Projekts ist es, die Bevölkerung für die Impfkampagnen zu sensibilisieren und dafür zu sorgen, dass die Patienten bei Impfungen mit zwei Impfgängen die Impfschemata einhalten.

  • Tests zur Schnelldiagnose (drei Projekte)

Es gibt zurzeit keinen schnellen, zuverlässigen Test, um festzustellen, ob jemand an Ebola erkrankt ist. Mit drei Projekten sollen rasche Diagnosetests ermöglicht werden, die in weniger als 15 Minuten zuverlässige Ergebnisse liefern.

Außerdem wurde im Rahmen des Projekts Miracle (Mobile Laborkapazität zur raschen Feststellung chemischer, biologischer oder nuklearer Bedrohungen innerhalb und außerhalb der EU) ein „biologisches Szenario“ entwickelt, mit der die derzeitige Ebola-Krise, ihre rasche Ausbreitung in Westafrika und ihre Eindämmung in realistischer Weise simuliert werden. Dieses Szenario wird derzeit in einem Feldlabor in unmittelbarer Nachbarschaft eines Ebola-Behandlungszentrums am Stadtrand von Nzere Kore (Guinea), an der Grenze von Liberia, der Elfenbeinküste und Sierra Leone unter praxisnahen Bedingungen erprobt. Das Labor wird Schnelldiagnosen von Ebola-Erkrankungen vornehmen und außerdem die klinische Forschung zu einem der vielversprechendsten Arzneimittel für die Behandlung von Ebola-Patienten unterstützen. Die Ergebnisse dieser Arbeiten werden auch dazu beitragen zu analysieren, wo Schwachstellen liegen, wie sich technische und logistische Verbesserungen erzielen lassen und welche Technologien die mobilen Labors noch benötigen.

Zur Unterstützung der Bemühungen der EU bei der Bekämpfung von Ebola in ländlichen Gemeinschaften Guineas wird das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) unter Leitung der Kommission in den kommenden Tagen vier Teams mit französischsprachigen Epidemiologen entsenden, um die Überwachung und Reaktion vor Ort zu unterstützen.

Hintergrund

Die Europäische Kommission hat aus dem Programm Horizont 2020, dem Rahmenprogramm der EU für Forschung und Innovation, schon 24,4 Mio. EUR bereitgestellt, um fünf Projekte – von groß angelegten klinischen Versuchen bis zur Erprobung vorhandener und neuer Ebola-Arzneimittel – zu finanzieren (IP/14/1194).

Außerdem hat die Kommission im Rahmen der Initiative „Innovative Arzneimittel“ (IMI) mit Partnern aus der Wirtschaft zusammengearbeitet, um im November 2014 das Programm Ebola+ auf den Weg zu bringen (IP/14/1462), das die Erforschung von Ebola und damit zusammenhängenden Krankheiten wie z. B. dem hämorrhagischen Marburg-Fieber zum Ziel hat. Die acht heute bekanntgegebenen Projekte wurden aus Vorschlägen ausgewählt, die bei der ersten Aufforderung zur Vorschlagseinreichung für dieses Programm eingegangen sind.

Mit der Initiative „Innovative Arzneimittel“ (IMI), einer Partnerschaft zwischen der EU und der europäischen Arzneimittelindustrie, die durch den Europäischen Pharma-Verband (EFPIA) vertreten wird, soll die Entwicklung von Arzneimitteln beschleunigt werden. IMI wurde 2007 gestartet und verfügte in der ersten Phase bis 2013 über eine Mittelausstattung von 2 Mrd. EUR. Die Mittelausstattung der zweiten Phase IMI2 (2014‑2024) beläuft sich auf 3,3 Mrd. EUR. Die Hälfte davon wird von der EU und die andere Hälfte von Großunternehmen (zumeist aus dem Pharmasektor) bereitgestellt. Diese erhalten keine EU-Fördermittel, tragen aber durch Sachleistungen, etwa durch die Abstellung von Forschern oder die Bereitstellung von Forschungsanlagen bzw. –mitteln, zu den Projekten bei.

Außerdem unterstützt die EU im Rahmen der Partnerschaft der Europäischen Länder und der Entwicklungsländer zur Durchführung klinischer Studien (EDCTP2) die Bekämpfung von Infektionskrankheiten einschließlich Ebola in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Die Partnerschaft wird in den nächsten zehn Jahren mit etwa 2 Mrd. EUR finanziert, wovon 700 Mio. EUR aus dem Programm „Horizont 2020“ (IP/14/2273) bereitgestellt werden.

Die Mittelausstattung des Projekts „Miracle“ in Höhe von 1,4 Mio. EUR wird aus dem Programm für Sicherheitsforschung der Europäischen Kommission kofinanziert. Koordiniert wird das Projekt (Laufzeit: 1. Dezember 2013 bis 1. Dezember 2015) von der Université Catholique de Louvain.

Weitere Informationen:

Anhang: Liste der ausgewählten IMI-Projekte

EU-Forschung zu Ebola

EU-Maßnahmen zu Ebola: Website und Factsheet (MEMO/14/2464)

Horizont 2020

Initiative "Innovative Arzneimittel"

Projekt "Miracle"


[1] Die Finanzhilfevereinbarungen einiger im Rahmen der ersten Aufforderung zur Vorschlagseinreichung eingegangener Vorschläge zum Programm Ebola+ werden zurzeit noch fertiggestellt. Die endgültigen Informationen über alle ausgewählten Projekte und die Einzelheiten zur Finanzierung werden veröffentlicht, sobald die Finanzhilfevereinbarungen unterzeichnet sind.

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