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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Entwicklungen in Beschäftigung und Gesellschaft: Jahresbericht zeigt Hauptgründe für Krisenfestigkeit

Brüssel, 15 Januar 2015

Länder, die hochwertige Arbeitsplätze und einen wirksamen Sozialschutz bieten und in das Humankapital investieren, haben sich in der Wirtschaftskrise als resistenter erwiesen. Das geht aus dem Bericht über die Entwicklungen in Beschäftigung und Gesellschaft in Europa 2014 hervor, der sich mit den Auswirkungen der Rezession befasst. Hervorgehoben wird zudem die Notwendigkeit von Investitionen, um Arbeitskräften die benötigten Qualifikationen zu vermitteln und diese auf dem aktuellen Stand zu halten und so die Produktivität zu stützen. Eine weitere große Herausforderung ist die Wiederherstellung der Konvergenz zwischen den Mitgliedstaaten.

In dem Bericht wurde untersucht, welche Lehren aus der Rezession zu ziehen sind: Länder mit einem offenen, weniger stark segmentierten Arbeitsmarkt und höheren Investitionen in das lebenslange Lernen hatten weniger unter den Auswirkungen der Krise zu leiden als andere. In diesen Ländern kommen die Leistungen bei Arbeitslosigkeit in der Regel einem Großteil der Arbeitslosen zugute, sie sind zudem mit Aktivierungsmaßnahmen verbunden und reagieren auf den Wirtschaftszyklus.

Marianne Thyssen, EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität, erklärte: „Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist unserer dringendste Aufgabe. Die Nachwirkungen der Krise machen diese Herausforderung nur noch größer. Laut dem Bericht sind strukturelle Reformen ebenso notwendig wie Maßnahmen zur Stützung des Konsums und der Nachfrage. Wir brauchen mehr Investitionen in die Menschen, um die Europäerinnen und Europäer noch besser auszubilden und für den Arbeitsmarkt zu aktivieren. Die von der Juncker-Kommission vorgeschlagene Investitionsoffensive wird hierzu einen echten, bedeutenden Beitrag leisten.“

Laut dem Bericht gehen immer mehr Mitgliedstaaten zu einem Sozialinvestitionsmodell über, das das Potenzial der Menschen während ihres gesamten Lebens fördert und eine höhere Erwerbsquote anstrebt. Frühere Reformen zur Aktivierung von Frauen und älteren Arbeitskräften haben bereits dazu beigetragen, dass die Erwerbsbeteiligungsquoten in Europa stabil blieben. Dies zeigt, dass die Arbeitsmarktreformen und die Modernisierung der Sozialschutzsysteme fortgesetzt werden müssen.

Bessere Qualifikationen für bessere Arbeitsplätze

Angesichts der alternden und gleichzeitig schrumpfenden Bevölkerung in der EU sind Investitionen in das Humankapital unverzichtbar, um die Produktivität zu stärken und ein arbeitsplatzintensives und inklusives Wachstum in der Zukunft zu gewährleisten. Im Bericht wird unterstrichen, dass wirksame Investitionen in das Humankapital nicht nur die Vermittlung der notwendigen Qualifikationen in Schule und Ausbildung einschließen, sondern auch einen angemessenen Rahmen umfassen, damit die Menschen diese Qualifikationen während ihres gesamten Erwerbslebens bewahren, ausbauen und nutzen können. In diesem Sinne sind angemessene Strategien erforderlich, um zu verhindern, dass durch die fehlende oder unvollständige Nutzung des Beschäftigungspotenzials der Menschen Humankapital verschwendet wird.

Ein besseres Angebot an qualifizierten Arbeitskräften erfordert andererseits ein entsprechendes Angebot hochwertiger Arbeitsplätze, die eine größere Produktivität zum Ergebnis haben. Der Bericht beleuchtet die Chancen und Herausforderungen der Zukunft und stellt fest, dass die derzeitigen Veränderungen – technischer Fortschritt, Globalisierung, demografische Entwicklung und eine immer grünere Wirtschaft – Gelegenheit zur Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze bieten sollten; dieser Wandel kann jedoch auch dazu führen, dass bestimmte Qualifikationen und Berufe nicht länger gebraucht werden und dass die Lohnschere immer weiter auseinandergeht. Es bedarf daher proaktiver Maßnahmen zur Förderung des lebenslangen Lernens und zur besseren Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche sowie des sozialen Dialogs, um Innovationen zu antizipieren und umzusetzen.

Wiederherstellung der Konvergenz

Schließlich wird in dem Bericht hervorgehoben, dass die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und sozialen Konvergenz eine weitere wichtige Aufgabe nach den Jahren der Krise darstellt, die insbesondere die EU-15-Mitgliedstaaten im Süden und in den Randlagen der Union betrifft. Die unterschiedlichen Auswirkungen der Krise waren nicht nur auf das Ausmaß des Schocks zurückzuführen, sondern auch auf strukturelle Ungleichgewichte, die bereits vor der Krise in den am stärksten betroffenen Ländern existierten, wie beispielsweise eine niedrige Produktivität, mangelnde Investitionen in das Humankapital, ein schwacher Bankensektor, Immobilienblasen oder Schwachstellen in den Sozialsystemen. Der Bericht ist ein Beitrag zu der derzeit geführten Debatte über die bestmöglichen Wege zur Wiederherstellung der Konvergenz, zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion und zur Stärkung ihrer sozialen Dimension.

Bericht über Entwicklungen in Beschäftigung und Gesellschaft in Europa 2014

Dies ist die vierte Ausgabe des Jahresberichts über Entwicklungen in Beschäftigung und Gesellschaft in Europa. Darin berichtet die Kommission über die jüngsten beschäftigungs- und sozialpolitischen Trends, zeigt die künftigen Herausforderungen auf und sucht nach möglichen Antworten der Politik. Mit dem Bericht erfüllt die Kommission ihre Verpflichtung gemäß dem Vertrag, über die soziale Lage in der EU Bericht zu erstatten.

Die Kommissionsdienststellen liefern damit eine fundierte Analyse ab, die auf den jüngsten verfügbaren Daten und Publikationen fußt; die wichtigsten Schlussfolgerungen fließen ein in die Kommissionsinitiativen in den Bereichen Wirtschaft und Soziales.

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