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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 22. Juli 2014

Kommissarin Vassiliou: stärkere Förderung des Kulturerbes durch die Europäische Union

In einem neuen Bericht der Europäischen Kommission wird Kulturerbe-Organisationen empfohlen, die Möglichkeiten der Förderpolitik und Förderprogramme der Europäischen Union zu nutzen, die dem Sektor bei der Bewältigung der Herausforderungen helfen sollen. In dem Strategiepapier mit dem Titel Für ein integriertes Konzept für das kulturelle Erbe Europas wird festgestellt, dass der Kulturerbe-Sektor am „Scheideweg“ steht angesichts schwindender öffentlicher Mittel, rückläufiger Besucherzahlen bei traditionellen Kulturveranstaltungen und der Diversifizierung des potenziellen Publikums durch Verstädterung, Globalisierung und technologischen Wandel. Es werden aber auch die Möglichkeiten von Mitgliedstaaten und Interessenträgern für eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit hervorgehoben, mit der der Beitrag des Kulturerbes zu nachhaltigem Wachstum und Arbeitsplätzen gesteigert werden könnte.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, erklärte: „Europa muss den inhärenten, den wirtschaftlichen und den gesellschaftlichen Wert des Kulturerbes maximieren. Es sollte das Zentrum von durch das Kulturerbe inspirierten Innovationen sein, die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und weltweit für unser Know-how auf diesem Gebiet werben. Wir müssen uns EU-weit um besucherfreundlichere Kulturerbe-Stätten und Museen bemühen, darum, mit neuer Technik und Technologie Besucher anzuziehen und vor allem junge Menschen zu erreichen. Kurz gesagt, wir müssen Geschichte lebendig machen. Es freut mich, dass das Kulturerbe in den nächsten sieben Jahren von der Europäischen Union stärker gefördert wird.“

In dem Bericht wird eine engere Zusammenarbeit auf EU-Ebene gefordert, ein intensiverer Austausch von Ideen und guter Praxis, die in Kulturerbe-Politik und -Management der Mitgliedstaaten einfließen können. Gewürdigt werden außerdem der Ansatz der Umweltverträglichkeitsrichtlinie der EU, die vorschreibt, dass die Auswirkungen eines Projekts auf das Kulturerbe berücksichtigt werden müssen, und die Gruppenfreistellungsverordnung, die staatliche Beihilfen im Kulturerbe-Sektor erlaubt. Es wird ein ähnlicher Ansatz für eine breitere Förderung des Kulturerbes bei der Politikgestaltung auf EU-, nationaler und regionaler Ebene befürwortet.

Die EU hat bereits im Zeitraum 2007-2013 beträchtliche Mittel für das kulturelle Erbe bereitgestellt, darunter 3,2 Mrd. EUR aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Fördermittel erhielten unter anderem die Denkmalschutz-Großprojekte am Parthenon und in Pompeji. Darüber hinaus wurden aus den EU-Programmen 1,2 Mrd. EUR für das ländliche Erbe und rund 100 Mio. EUR für Kulturerbe-Forschung bereitgestellt. Im Zeitraum 2014-2020 kann sogar mit noch höheren EU-Investitionen in diesem Bereich gerechnet werden, beispielsweise im Rahmen der europäischen Struktur- und Investitionsfonds (mit einem Gesamtetat von 351 Mrd. EUR für die Regionalpolitik), durch Horizont 2020 (80 Mrd. EUR für Forschung) und Kreatives Europa (1,5 Mrd. EUR für Kultur- und Kreativwirtschaft).

Außerdem bieten viele mit dem Kulturerbe verknüpfte Bereiche wie Regionalentwicklung und lokale Entwicklungsstrategien, Bildung, Mittelstandsförderung und Tourismus beträchtliche Möglichkeiten, was Fördermittel und Politikgestaltung angeht. Die Tourismusbranche der EU beispielsweise hat eine jährliche Wirtschaftsleistung von 415 Mrd. EUR und steht für 15 Millionen Arbeitsplätze, von denen viele direkt oder indirekt mit dem Kulturerbe verknüpft sind. Rund 27 % der für eine Eurobarometer-Erhebung zum Tourismus (Mai 2011) befragten Reisenden in der EU nannten das kulturelle Erbe als einen der Hauptgründe für die Wahl ihres Reiseziels.

Hintergrund

Im Mai dieses Jahres forderten die EU-Kulturminister die Kommission auf, „die Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Kulturerbes in der EU fortzuführen und zur Entwicklung einer Strategie für das Vorgehen im Bereich des Kulturerbes beizutragen“.

Mit der heute angenommenen Mitteilung kommt die Kommission dieser Aufforderung nach. Sie soll Mitgliedstaaten und anderen Interessenträgern helfen, die umfangreichen Unterstützungsmöglichkeiten, die die EU-Instrumente bieten, bestmöglich zu nutzen, ein stärker integriertes Konzept auf nationaler und europäischer Ebene zu entwickeln und Europa schließlich zu einem „Labor“ für Kulturerbe-basierte Innovationen zu machen.

Die EU-Förderung für das kulturelle Erbe stützt sich auf Artikel 3 Absatz 3 des Vertrags über die Europäische Union. Dort heißt es, dass die Union für den Schutz und die Entwicklung des kulturellen Erbes Europas sorgt. Ferner bestimmt Artikel 167 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, dass die Union einen „Beitrag zur Entfaltung der Kulturen der Mitgliedstaaten“ leistet, „unter Wahrung ihrer nationalen und regionalen Vielfalt sowie gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes“.

Die Kommission hat ihrer Mitteilung einen „Mapping report“ beigefügt, der ausführlichere Informationen über EU-Politik und EU-Förderung für den Kulturerbe-Sektor enthält.

Weitere Informationen

Mitteilung – Für ein integriertes Konzept für das kulturelle Erbe Europas

Mapping report – heritage in EU policies

Androulla Vassilious Website

Website Kreatives Europa

Androulla Vassiliou auf Twitter @VassiliouEU

Kontakt: Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)


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