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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 15. Juli 2014

Fusionskontrolle: Kommission gibt grünes Licht für Übernahme von Rautaruukki durch Konkurrenten SSAB unter Auflagen

Die Europäische Kommission hat nach der EU-Fusionskontrollverordnung die geplante Übernahme von Rautaruukki („Ruukki“, Finnland) durch seinen Konkurrenten SSAB aus Schweden genehmigt. Beide Unternehmen produzieren und vertreiben Kohlenstoffstahl- und Stahlbauprodukte. Die Genehmigung ist an die Bedingung geknüpft, dass fünf Unternehmen in Finnland, Schweden und Norwegen veräußert werden. Die Kommission hatte Bedenken, dass der Zusammenschluss in der ursprünglich angemeldeten Form zu einer erheblichen Beschränkung des Wettbewerbs auf den Märkten für bestimmte Kohlenstoffstahlprodukte in den nordischen Ländern sowie für rostfreien Stahl und profilierte Stahlkonstruktionsbleche in Finnland führen würde. Durch die Veräußerungen konnten die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission ausgeräumt werden.

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia, erklärte dazu: "Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse werden von Kraftfahrzeugen bis hin zu Baumaterialien verwendet und sind für viele europäische Unternehmen von ausschlaggebender Bedeutung. Mit dem heutigen Beschluss gibt die Kommission grünes Licht für die Schaffung eines europäischen und sogar weltweit führenden Unternehmens auf dem Gebiet von Kohlenstoffstahl und stellt gleichzeitig sicher, dass Kunden in den nordischen Ländern nicht benachteiligt werden."

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass die kontinentaleuropäischen Stahlerzeuger trotz großer Überkapazitäten eine geringe Marktpräsenz in den nordischen Ländern bei der Lieferung von warmgewalzten, kaltgewalzten und organisch oder anorganisch überzogenen Flacherzeugnissen aus Kohlenstoffstahl haben. Auch wird ihre Expansion insbesondere in Bezug auf den Zugang zu den Vertriebstrecken und effizienten lokalen Vertriebsketten sowie hinsichtlich der Transportkosten behindert. Darüber hinaus sind Ruukki und SSAB starke, vertikal integrierte Unternehmen, die derzeit in engem Wettbewerb stehen. Die Kommission hatte daher Bedenken, dass die Übernahme in der ursprünglich angemeldeten Form dem Unternehmen nach dem Zusammenschluss eine Preiserhöhung in den nordischen Ländern ermöglicht hätte, da der Wettbewerb in Form von Importen aus Kontinentaleuropa unzureichend war.

Die Kommission stellte ferner fest, dass SSAB und Ruukki gegenwärtig klare Marktführer in ihren jeweiligen Heimatländern für den Vertrieb von Flacherzeugnissen aus Kohlenstoffstahl sind und direkt oder indirekt den Großteil des Vertriebs in Norwegen kontrollieren. Was zudem den Vertrieb von rostfreiem Stahl in Finnland betrifft, würde das neue Unternehmen drei Mal größer als der einzige verbleibende Wettbewerber, die BE Gruppe, werden.

Profilierte Stahlkonstruktionsbleche sind galvanisierte, mit Farbe überzogene und profilierte Stahlbleche, die in den nordischen Ländern insbesondere für Dächer verwendet werden. In Finnland ergab die Untersuchung der Kommission, dass das Vorhaben in der ursprünglich angemeldeten Form zur Gründung eines Unternehmens geführt hätte, das drei Mal größer als der einzige verbleibende Wettbewerber, Weckman, gewesen wäre.

Die Kommission war daher besorgt darüber, dass die übrigen Wettbewerber nicht in der Lage gewesen wären, ausreichenden Wettbewerbsdruck auf das zusammengeschlossene Unternehmen im Hinblick auf Preiserhöhungen auszuüben.

Um diese Bedenken auszuräumen, verpflichtete sich SSAB, folgende Geschäftsbereiche zu veräußern:

i) ein Stahl-Service-Center („SSC“) in Schweden, zusammen mit einer Reihe von Konsignationslagern und Verkaufsverträgen ab Fabrik („ex-mill sales contracts“) in Schweden;

ii) ein Stahl-Service-Center („SSC“) in Finnland, zusammen mit einer Reihe von Konsignationslagern und Verkaufsverträgen ab Fabrik („ex-mill sales contracts“) in Finnland;

iii) den Anteil von SSAB in Höhe von 50 % (mittels des Anteils der Tochtergesellschaft von SSAB, Tibnor) an zwei norwegischen Gemeinschaftsunternehmen, die als Stahl-Service-Center tätig waren (Norsk Stål und Norsk Stål Tynnplater);

iv) die SSAB-Vertriebstochter Tibnor Oy in Finnland und

v) das SSAB-Bauwirtschaftsunternehmen, Plannja Oy, in Finnland.

SSAB verpflichtete sich auch, dafür zu sorgen, dass andere Hersteller von Flacherzeugnissen aus Kohlenstoffstahl einen Anteil an den Unternehmen i) bis iii) nach deren Verkauf halten werden. Diese Unternehmen werden deshalb in der Lage sein, zusätzlich zum Wettbewerb mit dem aus dem Zusammenschluss hervorgehenden Unternehmen als Vertreiber für einen anderen auf dem Markt tätigen Erzeuger zu agieren und eine direkte Präsenz in den nordischen Ländern zu entwickeln.

Die Kommission ist somit zu dem Schluss gelangt, dass das Rechtsgeschäft in der durch die Verpflichtungszusagen geänderten Form keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken mehr aufwirft. Die Genehmigung der Kommission erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungszusagen uneingeschränkt eingehalten werden.

Der Zusammenschluss wurde am 22. Mai 2014 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Produkte

SSAB ist ein schwedischer Stahlproduzent mit rund 8 700 Beschäftigten, der auf dem Gebiet der Herstellung und des Vertriebs von (hauptsächlich Kohlenstoff-) Stahl und der Lieferung von Stahlerzeugnissen für das Baugewerbe tätig ist.

Ruukki ist ein finnischer Stahlproduzent mit rund 8 700 Beschäftigten, der auf dem Gebiet der Herstellung und des Vertriebs von (hauptsächlich Kohlenstoff-) Stahl und der Lieferung von Stahlerzeugnissen für das Baugewerbe tätig ist.

Beide Unternehmen sind weltweite Anbieter von Spezialkohlenstoffstahl, wie zum Beispiel hochfestem und alterungsbeständigem Stahl. Im Jahr 2013 produzierte die EU-Stahlindustrie 166 Mio. Tonnen Rohstahl.

Fusions-Kontrollvorschriften und -Verfahren

Die Kommission hat die Pflicht, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung) und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Weitere Informationen sind auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.7155 abrufbar.

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 229-74513, Twitter: @ECspokesAntoine )

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 2 295-19 25)


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