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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 25. Juni 2014

Kommission sieht Handlungsbedarf: laut einer Umfrage meinen mehr als 80 % der Lehrkräfte in der EU, ihre Arbeit werde nicht ausreichend gewürdigt

Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte in der Europäischen Union arbeitet an Schulen, in denen ein Mangel an qualifiziertem Personal besteht, und beinahe die Hälfte der Schulleiter meldet einen Mangel an Lehrkräften für Schüler mit besonderen Bedürfnissen. Zwar sind fast 90 % der Lehrkräfte in der EU mit ihrem Beruf zufrieden, doch 81 % haben das Gefühl, dass der Lehrerberuf in der Gesellschaft nicht gewürdigt wird. Obwohl die Lehrkräfte sich für ihren Beruf gut gerüstet fühlen, gibt es nicht überall Unterstützung beim Einstieg in die Berufslaufbahn. So die Internationale Studie über Lehren und Lernen (TALIS), die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt wurde. Diese Umfrage dazu, wie Lehrkräfte ihre Laufbahnbedingungen wahrnehmen, stützt sich auf Antworten von 55 000 Lehrkräften der Sekundarstufe 1 und Schulleitern in der EU. Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse der TALIS-Studie und ihre Bedeutung für die EU-Politik im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung in einem Bericht ausgewertet, der ebenfalls heute veröffentlicht wird.

TALIS gibt die Meinungen von Lehrkräften der Sekundarstufe 1 in 19 EU-Ländern und Regionen (BE nl, BG, ES, CZ, CY, DK, EE, FI, FR, HR, IT, LV, NL, PL, PT, RO, SE, SK, UK-ENG) sowie 15 weiteren Ländern (USA, Australien, Brasilien, Chile, Serbien, Singapur, Island, Israel, Japan, Malaysia, Südkorea, Mexiko, Norwegen, Abu Dhabi und Kanada (Alberta)) wieder.

„Einige der Aussagen aus der TALIS-Studie haben besorgniserregende Bedeutung für die Zukunft des Lehrerberufs. Wenn die Mitgliedstaaten keine Maßnahmen ergreifen, um die besten Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten, werden die Fortschritte bei der Verbesserung der Qualität der Bildung in Europa untergraben. Die Kommission ist bereit, den Mitgliedstaaten dabei zu helfen, Strategien und Maßnahmen zu entwerfen, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen,“ sagte Androulla Vassiliou, die EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend.

TALIS-Ergebnisse in der EU und Empfehlungen der Europäischen Kommission:

36 % der Lehrkräfte in der EU arbeiten an Schulen, in denen laut Schulleitern ein Mangel an qualifizierten und/oder leistungsfähigen Lehrern besteht (hauptsächlich in NL, RO, EE, UK-ENG, wobei FR, NL, HR, ES, EE einen Mangel an Lehrkräften für Schüler mit besonderen Bedürfnissen melden). Empfehlung der Kommission: Die Mitgliedstaaten sollten langfristige Strategien einführen, um die besten Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten. Eine Stärkung der Lehrerausbildung, die Suche nach flexiblen Wegen für den Berufseinstieg (auch in der Laufbahnmitte) sowie Möglichkeiten für Weiterbildung und Laufbahnentwicklung auf der Grundlage transparenter Kriterien könnten zu diesen Maßnahmen gehören.

Lehrkräfte fühlen sich eher auf ihren Beruf vorbereitet, wenn ihre formale Ausbildung eine Kombination aus Fachinhalten, Pädagogik und Didaktik umfasst, mit Unterrichtspraktika für die Fächer, die sie unterrichten. Empfehlung: Die Lehrerausbildung sollte alle diese Bereiche abdecken, um Lehrkräfte besser auf ihren Beruf vorzubereiten. Was ihre berufliche Entwicklung angeht, sollte stärkeres Gewicht auf die Verwendung von IKT im Unterricht und die nötigen Fähigkeiten für die Unterrichtung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen gelegt werden.

Fast 40 % der Schulleiter berichten, dass an ihrer Schule keine formelle Einweisung oder Unterstützungsprogramme für den Berufseinstieg angeboten werden. Solche Programme sind besonders selten in PT, PL und ES. Empfehlung: Die Mitgliedstaaten sollten sicherstellen, dass der Lehrergrundausbildung systematische Unterstützung beim Berufseinstieg folgt. Die EU-Bildungsminister kamen jüngst überein, die Lehrerausbildung zu stärken und Kompetenzrahmen zu entwickeln, die ausdrücklich die Fähigkeiten und Qualifikationen nennen, welche Lehrkräfte in den verschiedenen Stadien ihrer Laufbahn benötigen.

15 % der Lehrkräfte geben an, dass sie im vergangenen Jahr an keiner beruflichen Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen haben; etwa 50 % der Lehrkräfte hospitieren nie in anderen Klassen; fast 20 % nehmen nie an Veranstaltungen zum kollaborativen Lernen teil. Empfehlung: Die Mitgliedstaaten sollten stärkeres Gewicht auf wirksame berufliche Entwicklung und kollaboratives Lernen legen, da Lehrkräfte dabei ermutigt werden, innovative Lehr- und Lernmethoden (z.B. Unterricht in Kleingruppen, IKT-Einsatz) anzuwenden, und dies auch die Arbeitszufriedenheit der Lehrkräfte verbessert. Eine Vielfalt an Lernmethoden bereitet die Schüler besser auf weiterführende Studien und den Arbeitsmarkt vor, wie die politischen Initiativen der Europäischen Kommission zum Thema Neue Denkansätze für die Bildung und Die Bildung öffnen zeigen.

TALIS-Kurzinformation

Die TALIS-Ergebnisse werden offiziell am 25. Juni in Tokio anlässlich des 17. OECD/Japan-Seminars und eines informellen Treffens der Bildungsminister bekannt gegeben. Jan Truszczynski, der Generaldirektor für Bildung und Kultur wird die Strategieanalyse der Kommission vorstellen. Ein zusätzliches technisches Briefing für Interessenträger aus dem Bereich allgemeine und berufliche Bildung (das den Medien offensteht) über die TALIS-Ergebnisse und die Empfehlungen der Kommission wird am 25. Juni um 14.30 Uhr in Brüssel im Madou-Auditorium (Place Madou 1) stattfinden. Michael Davidson, der Leiter des TALIS-Teams der OECD und Jan Pakulski, Leiter des Referates Statistik, Studien und Erhebungen für allgemeine und berufliche Bildung in der Kommission, werden die Berichte vorstellen.

Hintergrund

Internationale Studie über Lehren und Lernen (TALIS)

Dies ist die zweite von der OECD veröffentlichte TALIS-Studie. (Die erste erschien 2009). Diese Erhebung ist die Hauptquelle der Informationen von Lehrkräften und Schulleitern über Unterricht, Laufbahnbedingungen und schulische Umfelder. Sie stützt sich auf einen Fragebogen, der an Lehrkräfte und Schulleiter geschickt wurde. Es gingen Antworten von mehr als 55 000 Lehrkräften der Sekundarstufe I aus 3300 Schulen in der EU ein. Diese repräsentieren schätzungsweise eine Lehrerschaft von fast 1,5 Millionen in allen 19 teilnehmenden EU-Ländern. Nimmt man die 15 anderen Länder, die an der Erhebung teilnahmen, hinzu, antworteten fast 110 000 Lehrkräfte auf den Fragebogen. Diese repräsentieren schätzungsweise eine Lehrerschaft von fast 4 Millionen.

Erasmus+

Die Europäische Kommission arbeitet zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten daran, die wirksamsten Strategien zu ermitteln und zu verbreiten sowie Unterstützung und Beratung anzubieten. Erasmus+, das neue EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport (2014-2020) bietet Stipendien für den Lehreraustausch an, um die berufliche Entwicklung von Lehrkräften zu verbessern, und unterstützt Partnerschaften zwischen Schulen, Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, die innovative Unterrichtsansätze entwickeln. Durch das Netz E-Twinning für Schulen können Lehrkräfte europaweit mit ihren Kollegen Ideen austauschen.

Weitere Informationen

Council Conclusions on Effective Teacher Education (2014)

Council conclusions on Effective Leadership in Education (2013)

Mitteilung der Europäischen Kommission (2013), Die Bildung öffnen: Innovatives Lehren und Lernen für alle mithilfe neuer Technologien und frei zugänglicher Lehr- und Lernmaterialien

Mitteilung der Europäischen Kommission (2012), Neue Denkansätze für die Bildung: bessere sozioökonomische Ergebnisse durch Investitionen in Qualifikationen

Arbeitspapier der Kommissionsdienststellen (2012): Supporting the Teaching Profession for Better Learning Outcomes

OECD, TALIS 2013 Results

Internetseite der EU-Kommissarin Androulla Vassiliou

Internetseiten der Kommission: Education and Training

Androulla Vassiliou auf Twitter @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 2 295 92 58); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 2 295 96 67)


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