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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 23. Juni 2014

Studienförderung laut Bericht wichtigstes Instrument zur Kompensation von Studiengebühren an Hochschulen

Wenn es ein System der Studienförderung gibt, wirken sich steigende Studiengebühren nicht generell negativ auf die Einschreibungsquote an Hochschulen aus, auch nicht unter Studierenden mit schwächerem sozio-ökonomischem Hintergrund, es sei denn, die Unterschiede sind außergewöhnlich hoch. Wie aus einer heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten internationalen Studie hervorgeht, kann eine Erhöhung der Studiengebühren jedoch dazu führen, dass sich weniger ältere Studierende einschreiben. Der Bericht betont, dass negative Auswirkungen von Studiengebühren und Gebührenerhöhungen auf die Einschreibungsquote an Hochschulen vor allem durch Stipendien und/oder Studiendarlehen kompensiert werden können; dies gilt insbesondere für wirtschaftlich schlechter gestellte Studierende.

In der von der Kommission finanzierten und von unabhängigen Forschern durchgeführten Studie wurde untersucht, wie sich in den letzten 15 Jahren Änderungen der Studiengebühren in neun Ländern mit verschiedenen Finanzierungsmodellen (Deutschland, Vereinigtes Königreich - England, Finnland, Kanada, Österreich, Polen, Portugal, Ungarn und Südkorea) ausgewirkt haben.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, erklärte: „Studiengebühren sind für einen Großteil der Studierenden in Europa eine Realität – und ein kontroverses Thema. Die nun vorliegende Studie stellt einige gängige Annahmen in Frage und liefert wertvollen Input für die laufende EU-weite Debatte darüber, wie die Hochschulbildung finanziert werden sollte, damit Hochschulen die bestmögliche Bildungsqualität für eine zunehmende Zahl Studierender und zugleich einen gerechten Bildungszugang garantieren können.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:

In Bezug auf die Studierenden war festzustellen, dass steigende Gebühren nicht grundsätzlich erkennbare negative Auswirkungen haben, was die Einschreibungsquote an Hochschulen insgesamt oder die Einschreibungsquote Studierender mit einem schwächeren sozio-ökonomischen Hintergrund anbelangt. Dies zeigte sich in Deutschland und Österreich (beide Länder haben Studiengebühren eingeführt und später wieder abgeschafft), in Portugal, in England nach Gebührenerhöhungen in den Jahren 1998 und 2006 sowie in Kanada und Südkorea, wo die Gebühren im Lauf der Zeit in mäßigem Umfang erhöht wurden.

Eine Erhöhung der Studiengebühren kann sich allerdings durchaus negativ auf das Einschreibungsverhalten älterer Studierender auswirken. Dies war die Erfahrung nach der jüngsten Studiengebührenerhöhung in England, wenngleich die längerfristigen Folgen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden können.

Die Studienförderung – in Form von Stipendien und/oder Darlehen – ist das wichtigste Instrument, um negative Auswirkungen von Studiengebühren oder Gebührenerhöhungen auf die Einschreibungsquote an Hochschulen zu kompensieren; dies gilt insbesondere für wirtschaftlich schlechter gestellte Studierende. Dort, wo Studiengebühren eine wesentliche Rolle bei der Finanzierung der Hochschulbildung spielen (vor allem in England, Kanada und Südkorea, das die höchsten Gebühren erhebt), federn Systeme der Studienförderung die Auswirkungen für die Studierenden ab, und zwar durch Stipendien, Steuervorteile und/oder Darlehen mit günstigen Rückzahlungskonditionen.

Die Regierungen müssen bei der Anpassung ihrer Studiengebührenpolitik auf die richtige Balance zwischen Studiengebühren und Studienförderung achten.

In Bezug auf die Hochschuleinrichtungen war festzustellen, dass diesen durch die Einführung von Studiengebühren normalerweise insgesamt mehr Finanzmittel zur Verfügung stehen. Die auf diese Weise zusätzlich eingenommenen Mittel werden jedoch nicht immer in Maßnahmen investiert, die den Studierenden im Studium unmittelbar zugutekommen (zum Beispiel die Bewilligung zusätzlicher Dozentenstellen).

Studiengebühren scheinen nicht zu bewirken, dass sich öffentliche Hochschulen besser auf veränderte Anforderungen einstellen (etwa durch die Entwicklung neuer Programmformen); zahlreiche andere Faktoren – wie Tradition, Prestige und Zulassungsvorschriften – beeinflussen, welchen Spielraum solche Einrichtungen haben und wie sie ihn nutzen.

Hintergrund

Die Studie („Do changes in cost-sharing have an impact on the behaviour of students and higher education institutions?“) wurde im Auftrag der Europäischen Kommission vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover und von Higher Education Strategy Associates (HESA) in Toronto, Kanada, durchgeführt. Untersucht wurden die Auswirkungen von Änderungen in der Studiengebührenpolitik auf Studienbewerber, Studierende und Hochschulen, wobei quantitative Daten und qualitative Nachweise als Grundlage dienten. In jedem Fall prüfte das Forschungsteam anhand der verfügbaren Nachweise gängige Theorien über die Auswirkungen von Studiengebühren.

Die Studienergebnisse werden in einem zentralen Bericht präsentiert, mit Zusammenfassungen in deutscher, englischer und französischer Sprache sowie neun ausführlichen nationalen Berichten, die zahlreiche Aspekte der Kostenteilung in den jeweiligen Hochschulsystemen behandeln.

Die Studie ist Teil des Follow-ups zur Agenda des im September 2011 von der Kommission angenommenen modernisation of Europe's higher education systems. Sie befürwortet keine spezielle Form der Finanzierung oder Kostenteilung in der Hochschulbildung. In Europa gibt es eine Vielzahl von Finanzierungssystemen; jeder Mitgliedstaat entscheidet selbst, welches System sich für seine Zwecke am besten eignet.

Weitere Informationen

Bericht

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung

Website von Androulla Vassiliou

Androulla Vassiliou auf Twitter: @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)


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