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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 19. Juni 2014

Patientensicherheit: gute Fortschritte, weiterer Verbesserungsbedarf

Die Kommission hat heute ein Paket zur Patientensicherheit vorgelegt, aus dem hervorgeht, wie Kommission und Mitgliedstaaten den Herausforderungen auf diesem Gebiet begegnen, welche Fortschritte seit 2012 erzielt worden sind und welche Hindernisse noch überwunden werden müssen, wenn die Sicherheit der Patienten so verbessert werden soll, wie es die Empfehlung des Rates aus dem Jahr 2009 vorsieht. Es sind zwar erhebliche Fortschritte erzielt worden bei der Gestaltung der nationalen Programme für die Patientensicherheit und bei der Einführung von Systemen, über die Patienten Zwischenfälle melden können, bei der Verwirklichung der Handlungskompetenz der Patienten und vor allem bei der Aus- und Weiterbildung der Angehörigen der Gesundheitsberufe bleibt jedoch noch viel zu tun. Die heute veröffentlichten Dokumente werden in den aktuellen Reflexionsprozess über künftige Maßnahmen auf EU-Ebene zur Patientensicherheit und Pflegequalität einfließen.

Tonio Borg, der EU-Kommissar für Gesundheit, erklärte: „Wenn unsere Bürgerinnen und Bürger ins Krankenhaus kommen, erwarten sie eine sichere Gesundheitsversorgung. Die gute Nachricht ist, dass die meisten Mitgliedstaaten inzwischen Programme für die Patientensicherheit haben. Die schlechte Nachricht ist, dass es trotz dieser Fortschritte nach wie vor zu Zwischenfällen in der Gesundheitsversorgung kommt und Patientensicherheit selten Teil der Ausbildung in den Gesundheitsberufen ist. Wir müssen daher unsere Anstrengungen für mehr Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger in der Gesundheitsversorgung fortsetzen“.

Das Paket besteht aus drei Dokumenten:

1 Bericht über die Umsetzung der Empfehlung des Rates von 2009 zur Sicherheit der Patienten

2009 wurde in einer Empfehlung des Rates zur Sicherheit der Patienten und zur Prävention therapieassoziierter Infektionen (Infektionen mit sogenannten „Krankenhauskeimen“) eine Gesamtstrategie auf EU-Ebene mit vier Aktionsbereichen vorgelegt: 1) Strategien und Programme zur Patientensicherheit, 2) Stärkung der Handlungskompetenzen der Patienten, 3) Berichterstattung über Zwischenfälle und entsprechende Lernsysteme und 4) Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte im Gesundheitswesen.

Nach dem Bericht von 2012 über die Umsetzung der Empfehlung, in dem Fortschritte der Mitgliedstaaten festgestellt und Bereiche aufgezeigt wurden, in denen noch mehr getan werden musste, meldet der heutige Bericht weitere Fortschritte in den letzten zwei Jahren, insbesondere in folgenden Bereichen:

  1. Entwicklung von Strategien und Programmen zur Patientensicherheit: 26 Länder haben mittlerweile Strategien oder Programme für die Patientensicherheit oder werden in Kürze darüber verfügen. In 20 Ländern sind Standards für die Patientensicherheit inzwischen verbindlich vorgeschrieben (2012 waren es 11), in 19 Ländern werden Leitlinien zur Patientensicherheit verwendet.

  2. Berichterstattungs- und Lernsysteme für Zwischenfälle: Solche Systeme gibt es jetzt in 27 Ländern (gegenüber 15 im Jahr 2012), größtenteils auf nationaler Ebene (21) und auf Ebene der Gesundheitsdienstleister (13). Die Patienten melden es jetzt eher, wenn sie während der Behandlung geschädigt wurden – 46 % meldeten 2013 solche Zwischenfälle, während es im Jahr 2009 nur 28 % waren.

  3. Stärkung der Handlungskompetenz der Patienten In 18 Ländern (gegenüber nur 5 im Jahr 2012) werden Patienten über Patientensicherheitsstandards, Sicherheitsmaßnahmen zur Verringerung oder Vermeidung von Fehlern, das Recht auf Aufklärung vor der Einwilligung in eine Behandlung, Beschwerdeverfahren und Rechtsbehelfe informiert.

Zur Wirkung der Empfehlung gaben 21 der 28 berichterstattenden Länder an, sie habe das Bewusstsein für die Thematik auf politischer Ebene geschärft, 20 erklärten, sie habe zu einer stärkeren Sensibilisierung in Gesundheitseinrichtungen geführt, und 16 gaben an, sie habe konkrete Maßnahmen ausgelöst.

Das Fazit des Berichts lautet jedoch, dass es weiterer Anstrengungen auf EU-Ebene bedarf, um die Patientensicherheit und die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern. Es werden eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, darunter die Erarbeitung von Leitlinien für die Information der Patienten und für Patientensicherheitsstandards sowie eine gemeinsame Definition des Begriffs der „Qualität der Gesundheitsversorgung“.

Dem Bericht zufolge muss mehr zur Verhütung therapieassoziierter Infektionen getan werden. Vor allem gilt es, auf Infektionseindämmung spezialisiertes Personal und Isolationskapazität in Gesundheitseinrichtungen zu gewährleisten.

2 Eurobarometer-Umfrage zur Patientensicherheit und zur Qualität der medizinischen Versorgung
Die im November-Dezember 2013 in allen 28 EU-Ländern durchgeführte Umfrage zeigt Folgendes:

  1. Etwas über die Hälfte (53 %) der EU-Bürger hält es für wahrscheinlich, dass Patienten bei einer Krankenhausbehandlung in ihrem Land Schaden erleiden könnten. Dieser Prozentsatz schwankt jedoch sehr stark von Land zu Land – zwischen 82 % in Zypern und 21 % in Österreich.

  2. Wie 2009, als zum letzten Mal eine solche Umfrage durchgeführt wurde, gab nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten (27 %) an, dass sie oder ein Angehöriger einen Zwischenfall bei einer Behandlung erlebt haben. Menschen im Norden und Westen der EU machten diese Aussage häufiger als Bürger aus anderen Regionen.

  3. 46 % der Personen, die einen Zwischenfall erlebt haben, meldeten diesen; 2009 waren es nur 28 %. Das weist auf eine deutliche Steigerung der Handlungskompetenz der Patienten hin. In einzelnen Ländern war der Anstieg noch ausgeprägter, z. B. in Frankreich (+61 %), Spanien (+40 %) und Luxemburg (+32 %).

  4. Allerdings ist in 37 % der gemeldeten Fälle „nichts geschehen“. Immerhin erhielt jeder fünfte Betroffene eine Entschuldigung des Arztes oder Pflegemitarbeiters, und 17 % erhielten von der Gesundheitseinrichtung eine Erklärung für den Fehler.

3 Ergebnisse der öffentlichen Konsultation
Die zwischen Dezember 2013 und Februar 2014 vorgenommene Konsultation hat gezeigt, dass die Zivilgesellschaft (mehr als 90 %) die Patientensicherheit immer noch als wichtiges Thema für die EU betrachtet. Die Ergebnisse zeigten eine überwältigende Unterstützung für Maßnahmen in allen Bereichen, in denen die Kommission Verbesserungsbedarf festgestellt hatte. Nach Meinung der Teilnehmer sind die wirksamsten Maßnahmen die Einbindung der Angehörigen der Gesundheitsberufe, verbindliche nationale Vorschriften, die Einbeziehung von Patientenorganisationen und die Zusammenarbeit in der EU auf dem Gebiet der Patientensicherheit. Darüber hinaus wurde in der Mehrzahl der Stellungnahmen (72 %) die Auffassung vertreten, eine Ausweitung der EU-Maßnahmen von der Patientensicherheit auf weitergehende Fragen der Pflegequalität brächte erhebliche Vorteile. Patientensicherheit wird als Ergebnis einer hochwertigen medizinischen Versorgung betrachtet, die sicher und wirksam sein und den Bedürfnissen der Patienten Rechnung tragen und ihre Würde achten muss.

Hintergrund

Schätzungen zufolge kommt es bei 8 bis 12 % der in Krankenhäuser eingewiesenen Patienten in der EU während der Behandlung zu Zwischenfällen, und zwar durch therapieassoziierte Infektionen (ca. 25 % der Zwischenfälle), Medikationsfehler, chirurgische Fehler, Fehlfunktionen medizinischer Geräte, Fehldiagnosen oder die fehlende Berücksichtigung von Testergebnissen. Schätzungsweise 4,1 Millionen Patienten infizieren sich jedes Jahr in der EU mit Krankenhauskeimen, und mindestens 37 000 sterben daran.

Alle Dokumente sowie weitere Informationen zum Thema Patientensicherheit in der EU finden Sie hier: http://ec.europa.eu/health/patient_safety/policy/index_de.htm

Website von Kommissar Borg:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/borg/index_en.htm

Twitter: @ EU_Health

Kontakt:

Fréderic Vincent (+ 32 229-87166)

Aikaterini Apostola (+32 229-87624)


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