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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 10. Juni 2014

Umwelt: Kommission eröffnet neue Plattform zur Beilegung sozialer Konflikte um Großraubtiere

Europäischer Braunbär, Wolf, Vielfraß, Luchs – in 21 Mitgliedstaaten der EU lebt mittlerweile mindestens eine dieser Arten in freier Wildbahn. Nach einer langen Phase, in der sich der Bestand dieser Arten fortlaufend verringert hatte, nimmt ihre Zahl nun wieder zu, aber die Koexistenz mit den Menschen ist mitunter problematisch. In dem Bemühen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die zuweilen mit der Wiederausbreitung der Wildtiere einhergehen, hat die Europäische Kommission nun eine Plattform eingerichtet, auf der Landwirte und Naturschützer, Jäger, Landbesitzer und Wissenschaftler bewährte Verfahren und ihre Ideen darüber austauschen können, wie Menschen und Großraubtiere innerhalb des gleichen Raums am besten miteinander auskommen können.

Die EU-Plattform zum Zusammenleben von Menschen und Großraubtieren wird den konstruktiven Dialog zwischen den wichtigsten Interessengruppen auf europäischer Ebene fördern. Anlässlich der Vorstellung der neuen Plattform erklärte EU-Umweltkommissar Janez Potočnik: „Wir müssen unsere natürlichen Mitbewohner mit Respekt behandeln – wir müssen aber auch auf die Bedenken derjenigen eingehen, deren Leben durch die große Nähe zu diesen Tieren tatsächlich beeinträchtigt wird. Ich möchte die Organisationen, die bei der Einrichtung dieser wichtigen Plattform zusammengearbeitet haben, herzlich zu diesem bedeutenden Fortschritt bei den Bemühungen zur Lösung des Problems der friedlichen Koexistenz beglückwünschen.“

In der Europäischen Union sind fünf Großraubtierarten heimisch, deren Bestand und Verbreitung durch den Einfluss des Menschen dramatisch zurückgegangen ist. Dank eines verstärkten Schutzes und einer zunehmenden Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die zentrale Rolle dieser Arten in gesunden Ökosystemen wurde ihr Bestand jedoch mittlerweile stabilisiert. Zum Teil ist er sogar wieder angewachsen und sie haben sich in Gebieten wiederangesiedelt, in denen sie seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten nicht mehr vorkamen.

Diese Bestandserholung, die manche als einen großen Naturschutzerfolg sehen, stößt jedoch bei anderen auf Widerstand. Das Thema beschäftigt ganz unterschiedliche Interessensgruppen – von Jägern, Forstwirten, Viehhaltern und Rentierzüchtern, Landbesitzern und ländlichen Gemeinschaften bis hin zu Naturschutzorganisationen und der breiten Öffentlichkeit. Diese Gruppen sind von den Großraubtieren auf unterschiedliche Weise betroffen und betrachten sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln – was mitunter eine Konfliktquelle darstellt. Die Plattform wird den Wissensaustausch erleichtern und Mittel und Wege fördern, diese Konflikte möglichst gering zu halten und wo immer möglich, von allen akzeptierte Lösungen zu finden.

Die heute eröffnete Plattform schließt an verschiedene Bemühungen an, die unterschiedlichen Standpunkte der verschiedenen Interessensgruppen besser zu verstehen – die Ergebnisse dieser Initiativen wurden in Workshops diskutiert und in Schlussfolgerungen und einem Bericht festgehalten.

Nächste Schritte

Die erste Arbeitssitzung der Plattform wird heute, am 10. Juni, unmittelbar nach dem offiziellen Start der Plattform stattfinden. Auf der Sitzung sollen die Aufgabenstellung und ein Arbeitsplan angenommen werden. Die Plattform wird ein jährliches Treffen abhalten und ferner Workshops zu ausgewählten Themen organisieren. Unterstützt wird sie durch ein webbasiertes Ressourcenzentrum, das als wichtigstes Instrument zur Erfüllung verschiedener Aufgaben dient: Verbreitung von Informationen über die Tätigkeiten der Plattform, Zusammenstellung bewährter Verfahren in einzelnen Informationsblättern oder einem Handbuch, Zugangsportal zu den Seiten der Mitgliedsorganisationen und Bereitstellung von Materialien für die Medien wie Presse-Kits für Journalisten.

Hintergrund

Obwohl das Gesamtbild der biologischen Vielfalt in der EU bei weitem nicht rosig ist – bis zu 25 Prozent der Arten sind heute vom Aussterben bedroht, größtenteils weil ihre Lebensräume zerstört werden – ist die Situation mancher Artengruppen in einigen Regionen relativ gut. Großraubtiere (der Braunbär Ursus arctos, der eurasische Luchs Lynx lynx, der Wolf Canis lupus und der Vielfraß Gulo gulo) gehören zu den Arten, deren Bestand sich in vielen Teilen ihrer früheren Verbreitungsgebiete in Europa mittlerweile insgesamt stabilisiert hat bzw. sogar weiter zunimmt, was oft ein Ergebnis natürlicher Prozesse ist. Der Pardelluchs Lynx pardinus ist hingegen weiterhin ernsthaft vom Aussterben bedroht.

Zwei Richtlinien, die Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie, bilden zusammen den Eckpfeiler der Naturschutzpolitik der EU, das Natura-2000-Netz geschützter Gebiete, ein strenges System des Artenschutzes. Durch die Habitat-Richtlinie werden mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten und mehr als 200 „Lebensraumtypen“ wie besondere Arten von Wäldern, Wiesen und Feuchtgebieten geschützt, die von europäischer Bedeutung sind.

Die folgenden acht Interessenverbände sind Unterzeichner der Vereinbarung über die Plattform: der Internationale Jagdrat zur Erhaltung des Wildes (CIC), Europäische Landwirte und ihre Genossenschaften in der Europäischen Union (COPA-COGECA), European Landowners’ Organization (ELO), der Dachverband EUROPARC, Federation of Associations for Hunting and Conservation of the EU (FACE), der Gemeinsame Vertreter der finnischen und schwedischen Rentierzüchter, das European Union Representative Office der Weltnaturschutzunion (IUCN) und das European Policy Office des World Wide Fund for Nature (WWF).

Weitere Informationen:

Bildmaterial kann unter folgender Adresse heruntergeladen werden:

http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/carnivores/media.htm

Website der GD Umwelt zu den Großraubtieren: http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/carnivores/index_en.htm

http://ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm

Streaming der feierlichen Unterzeichnung und der Panel-Diskussion im Internet https://new.livestream.com/corlive1/events/2977474/embed) (siehe auch http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/carnivores/index_en.htm).

Kontakt:

Für die Presse:

Joe Hennon (+32 229-53593)

Andreja Skerl (+32 229-51445)

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail an Europe Direct wenden.


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