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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 5. Juni 2014

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Cemex West durch Holcim in der Baustoffbranche

Nach eingehender Prüfung (siehe IP/13/986) hat die Europäische Kommission die geplante Übernahme von Cemex West durch seinen Schweizer Konkurrenten Holcim nach der EU‑Fusionskontrollverordnung freigegeben. Cemex und Holcim sind weltweit tätige Anbieter von Zement und anderen Baustoffen. Cemex West umfasst die Cemex-Sparten Grauzement, Transportbeton, Zuschlagstoffe und zementartige Baustoffe in Westdeutschland sowie eine kleinere Anzahl von Anlagen und Standorten in Frankreich und den Niederlanden. Die Kommission gelangte zu dem Schluss, dass die Übernahme keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufwirft, da das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen auf allen relevanten Märkten weiterhin einem ausreichenden Wettbewerb mit konkurrierenden Unternehmen ausgesetzt ist.

Am 22. Oktober 2013 leitete die Kommission eine eingehende Prüfung ein, weil Bedenken bestanden, dass die geplante Transaktion zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Wettbewerbs führen könnte, wenn Cemex West als tatsächlicher oder potenzieller Wettbewerber in Teilen Deutschlands und in Belgien aus dem Markt ausschiede. Auch befürchtete die Kommission, dass der Zusammenschluss es den Herstellern von Grauzement ermöglichen oder erleichtern könnte, ihr Marktverhalten zu koordinieren, indem möglicherweise Anreize für Mitbewerber beseitigt werden, in Regionen zu expandieren, in denen Holcim stark vertreten ist, wie etwa in Belgien und in Norddeutschland.

Zudem hatte die Kommission Sorge hinsichtlich der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb im Markt für granulierten Hüttensand („GBS“), einen zementartigen Baustoff. Hüttensand ist ein Nebenprodukt der Stahlproduktion, das anstelle von Klinker bei der Herstellung von Zement und in seiner Grundform als Ersatz für Zement bei der Betonherstellung eingesetzt wird. Die Kommission hatte Bedenken, dass das aus einem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen in der die Lage sein könnte, die Preise für Hüttensand zu erhöhen, da kein ausreichender Wettbewerbsdruck mehr von den auf dem Markt verbleibenden Anbietern ausginge.

Die von der Kommission durchgeführte eingehende Prüfung hat jedoch ergeben, dass auch das neu aufgestellte Unternehmen auf den verschiedenen geografischen Märkten, die in Deutschland, in Belgien und im Nordosten Frankreichs um die Grauzementproduktionsstätten der beteiligten Unternehmen herum entstanden sind, mit einer Reihe von Anbietern im Wettbewerb stehen wird. Holcim und Cemex West üben auf den betreffenden Märkten keinen signifikanten Wettbewerbsdruck aufeinander aus. Die Transaktion als solche wird nicht dazu führen, das ein wichtiger tatsächlicher oder potenzieller Wettbewerber von Holcim vom Markt verschwindet.

Im Zuge des Prüfverfahrens wurde auch der Frage nachgegangen, ob das geplante Rechtsgeschäft abgestimmten Verhaltensweisen auf den Märkten für Grauzement Vorschub leisten könnte. Die betreffenden Märkte sind anfällig für eine Koordinierung des Marktverhaltens – unter anderem aufgrund der Homogenität des Produkts, der Präsenz ein und derselben Wettbewerber auf unterschiedlichen geografischen Märkten und eines gewissen Maßes an Markttransparenz. Dennoch gelangte die Kommission zu dem Schluss, dass die geplante Übernahme als solche eine derartige potenzielle Koordinierung kaum so stark erleichtern, festigen oder effizienter machen dürfte, dass dies aus wettbewerbsrechtlicher Sicht bedenklich wäre.

Im Übrigen ist die Kommission der Auffassung, dass sich das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen auf den Hüttensand-Märkten weiterhin einer Reihe von Wettbewerbern mit beträchtlichen Marktanteilen – insbesondere Stahlherstellern –gegenübersehen wird. Zudem besteht nach Ansicht der Kommission derzeit ein Überangebot an Hüttensand auf dem Markt.

Daher gelangte die Kommission zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufwirft.

Das Vorhaben wurde am 3. September 2013 bei der Kommission angemeldet.

Hintergrund

Holcim ist ein in der Schweiz ansässiger Anbieter von Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton sowie Asphalt und zementartigen Baustoffen, der in über 70 Ländern tätig ist.

Cemex West umfasst eine Reihe von Unternehmenseinheiten, die Tochtergesellschaften des Cemex-Konzerns mit Hauptsitz in Mexiko sind. Der Cemex-Konzern ist ein weltweit in den Bereichen Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffe und damit verbundene Baustoffe tätiger Baustoffhersteller. Die Standorte von Cemex West befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in Frankreich und den Niederlanden nahe der deutschen Grenze.

Das Vorhaben von Holcim und Cemex West steht mit einem anderen Zusammenschluss in Verbindung, in dessen Rahmen Cemex die Kontrolle über die gesamten Geschäftstätigkeiten von Holcim in den Bereichen Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffe in der Tschechischen Republik und in Spanien übernehmen will. Dieses zweite Rechtsgeschäft erreicht nicht die Umsatzschwellen der EU-Fusionskontrollverordnung und wurde daher bei der spanischen bzw. tschechischen Wettbewerbsbehörde angemeldet. Nach einem Antrag Spaniens nach Artikel 22 der Fusionskontrollverordnung hat die Kommission zugestimmt, den Spanien betreffenden Teil des zweiten Rechtsgeschäfts zu prüfen (M.7054 Cemex/Holcim assets, siehe IP/13/977). Am 23. April 2014 leitete die Kommission daraufhin eine eingehende Prüfung ein (siehe IP/14/472).

Die tschechische Wettbewerbsbehörde hatte beschlossen, sich dem Verweisungsantrag Spaniens nicht anzuschließen, und genehmigte – nach eigener eingehender Prüfung – am 12. März 2014 ohne irgendwelche Auflagen die Übernahme des Holcim-Geschäfts in der Tschechischen Republik durch Cemex.

Der heutige Beschluss in der Sache Holcim/Cemex West greift dem Ergebnis der laufenden Untersuchung der Kommission in der Sache Cemex/Holcim assets nicht vor.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Pflicht, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung) und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Außer der eingehenden Prüfung in der Sache Cemex/Holcim (siehe IP/14/472), in der der abschließende Beschluss bis zum 5. September 2014 erlassen werden muss, laufen derzeit drei weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Im ersten Fall geht es um die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (siehe IP/13/1304 und IP/14/95). Die Frist für die Beschlussfassung in dieser Sache endet am 10. Juli 2014. Das zweite Verfahren betrifft die geplante Übernahme des Titandioxid-Geschäfts von Rockwood durch Huntsman (siehe IP/14/220). In dieser Sache muss der abschließende Beschluss spätestens am 20. September 2014 gefasst werden. Gegenstand des dritten Verfahrens ist die Übernahme des niederländischen Kabelbetreibers Ziggo durch Liberty Global (IP/14/540). Hier endet die Frist für den abschließenden Beschluss der Kommission am 17. Oktober 2014.

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.7009 veröffentlicht.

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 229-74513, Twitter: @ECspokesAntoine )

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 229-51925)

Für die Öffentlichkeit: Europe Direct telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per EMail


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