Navigation path

Left navigation

Additional tools

Sicherheit der Energieversorgung: Kommission legt umfassende Strategie zur Stärkung der Versorgungssicherheit vor

European Commission - IP/14/606   28/05/2014

Other available languages: EN FR DA ES NL IT SV PT FI EL CS ET HU LT LV MT PL SK SL BG RO HR

Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 28. Mai 2014

Sicherheit der Energieversorgung: Kommission legt umfassende Strategie zur Stärkung der Versorgungssicherheit vor

Die Europäische Kommission reagiert auf das aktuelle geopolitische Umfeld und auf die Importabhängigkeit der EU: Sie plädiert für eine neue Strategie für eine sichere europäische Energieversorgung. Die Diversifizierung der ausländischen Energielieferungen, der Ausbau der Energieinfrastruktur, die Vollendung des EU-Energiebinnenmarkts und Energieeinsparmaßnahmen gehören dabei zu den wichtigsten Punkten. In der Strategie wird zudem die Notwendigkeit hervorgehoben, nationale energiepolitische Entscheidungen zu koordinieren und bei den Verhandlungen mit externen Partnern mit einer Stimme zu sprechen. Die Strategie baut auf den Fortschritten auf, die seit der Krise im Jahr 2009 bereits erzielt wurden. Die Vorschläge der Kommission, die Maßnahmen zur Sicherung einer unterbrechungsfreien Versorgung in diesem Winter einschließen, werden von den europäischen Staats- und Regierungschefs auf der Tagung des Europäischen Rates am 26. /27. Juni erörtert.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: „Die EU hat nach der Gaskrise 2009 viel für die Verbesserung ihrer Energieversorgungssicherheit getan. Dennoch ist diese nach wie vor gefährdet. Die Spannungen in der Ukraine haben dies erneut verdeutlicht. Angesichts einer Importabhängigkeit von insgesamt mehr als 50 % müssen wir weitere Schritte unternehmen. Die Kommission hat heute eine umfassende Strategie vorgelegt, die im Juni Gegenstand der Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs sein wird. Ich rechne auf ihre entschlossene Unterstützung, da eine Verbesserung der Energieversorgungssicherheit in unser aller Interesse liegt. In Fragen der Energieversorgung muss Europa mit einer Stimme sprechen und an einem Strang ziehen.“

EU-Energiekommissar Günther Oettinger äußerte sich dazu wie folgt: „Wir wollen starke und stabile Partnerschaften mit wichtigen Lieferländern, müssen aber vermeiden, dass wir politisch und kommerziell erpressbar werden. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben eine lange Liste mit Hausaufgaben vor sich: Gemeinsam müssen wir unsere Solidarität mit den stärker gefährdeten Mitgliedstaaten stärken. Außerdem müssen wir den Energiebinnenmarkt vollenden, unsere Infrastruktur verbessern, unsere Energieeffizienz steigern und unsere eigenen Energieressourcen besser nutzen. Ferner müssen wir die Diversifizierung der externen Energielieferanten, insbesondere der Gaslieferanten, schneller vorantreiben. Nur konkrete Maßnahmen werden dabei helfen.“

Um eine unterbrechungsfreie Versorgung im kommenden Winter gewährleisten zu können, schlägt die Kommission umfassende Risikobewertungen (Stresstests) vor. Diese sollen auf regionaler oder auf EU-Ebene stattfinden und eine Störung der Erdgasversorgung simulieren. Dabei soll geprüft werden, wie das Energiesystem Risiken bei der Versorgungssicherheit verkraften kann; darauf aufbauend sollen Notfallpläne entwickelt und Sicherungsmechanismen eingeführt werden. Solche Mechanismen könnten unter anderem Folgendes umfassen: eine Aufstockung der Gasvorräte, eine Senkung der Gasnachfrage durch die Umstellung auf andere Brennstoffe (insbesondere für Heizzwecke), die Entwicklung einer Notfall-Infrastruktur wie die Realisierung von Reverse-Flow-Möglichkeiten und die Zusammenlegung von Teilen der zur Garantie der Versorgungssicherheit vorhandenen Vorräte.

Um den mittel- und langfristigen Herausforderungen im Bereich der Versorgungssicherheit zu begegnen, schlägt die Kommission Maßnahmen in mehreren Schlüsselbereichen vor:

Die Vollendung des Energiebinnenmarkts und der Bau fehlender Infrastrukturverbindungen sind von wesentlicher Bedeutung, um auf mögliche Versorgungsstörungen dadurch rasch reagieren zu können, dass die Energieflüsse in der EU dorthin gelenkt werden, wo sie benötigt werden. Die Kommission hat 33 Infrastrukturprojekte als für die Energieversorgungssicherheit der EU entscheidend ausgewiesen. Außerdem schlägt sie vor, das Ziel für den Verbundgrad der installierten Stromerzeugungskapazität bis 2030 auf 15 % zu erhöhen, wobei die Kostenaspekte und das Handelspotenzial in den betreffenden Regionen berücksichtigt werden. (Die Mitgliedstaaten haben sich bereits verpflichtet, bis 2020 einen Verbundgrad von 10 % zu erreichen).

Diversifizierung der Lieferländer und Versorgungswege. Im Jahr 2013 stammten volumenmäßig 39 % der Erdgaseinfuhren in die EU aus Russland, 33 % aus Norwegen und 22 % aus Nordafrika (Algerien, Libyen). Die EU wird ihre Beziehungen zu verlässlichen Partnern aufrechterhalten. Gleichzeitig strebt sie Beziehungen zu neuen Partnerländern sowie neue Versorgungsrouten an, z. B. in der Region des Kaspischen Beckens durch den Ausbau des Südlichen Gaskorridors, durch die Entwicklung des Mittelmeer-Gashubs und durch vermehrte Flüssiggaslieferungen.

Stärkung von Notfall- und Solidaritätsmechanismen und Schutz kritischer Infrastrukturen. In diesem Zusammenhang wird die Kommission z. B. die Bestimmungen und die Durchführung der Verordnung zur sicheren Erdgasversorgung überprüfen.

Erhöhung der einheimischen Energieproduktion: Dazu zählen unter anderem der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien und die nachhaltige Gewinnung fossiler Brennstoffe.

Verbesserte Koordinierung der nationalen Energiepolitiken und geschlossenes Auftreten in der externen Energiepolitik. Die Kommission will bei geplanten zwischenstaatlichen Abkommen mit Drittstaaten, die sich auf die Versorgungssicherheit auswirken könnten, frühzeitig beteiligt werden. Die Kommission wird ferner dafür sorgen, dass alle derartigen Vereinbarungen und alle Infrastrukturprojekte im Hoheitsgebiet der EU die einschlägigen EU-Vorschriften in vollem Umfang einhalten.

Weiterentwicklung von Energietechnologien.

Steigerung der Energieeffizienz. Da 40 % unseres Energieverbrauchs und ein Drittel unseres Erdgasverbrauchs auf Gebäude entfallen, spielt dieser Sektor eine entscheidende Rolle.

Hintergrund

Die jüngsten Ereignisse haben EU-weite Bedenken hinsichtlich der Gewährleistung einer unterbrechungsfreien Energieversorgung sowie stabiler Energiepreise aufkommen lassen. Auf seiner Tagung vom März 2014 verpflichtete der Europäische Rat die Kommission dazu, eine detaillierte Studie über die europäische Energieversorgungssicherheit durchzuführen und einen umfassenden Plan zur Verringerung der Energieabhängigkeit der EU vorzulegen. Die Ergebnisse und die Vorschläge werden auf der Tagung des Europäischen Rates am 26./27. Juni erörtert werden.

Einerseits nimmt die weltweite Energienachfrage zu - Prognosen zufolge soll sie bis 2030 um 27 % steigen. Andererseits ist die einheimische Energieerzeugung in der EU zwischen 1995 und 2012 um fast ein Fünftel zurückgegangen. Derzeit werden mehr als 50 % des Energiebedarfs in der EU durch ausländische Lieferanten gedeckt: 2012 wurden fast 90 % des Erdöls, 66 % des Erdgases und 42 % der in der EU verbrauchten festen Brennstoffe importiert, was Kosten von mehr als 1 Mrd. EUR pro Tag bedeutet.

Weitere Informationen

MEMO/14/379

Die detaillierte Studie zur europäischen Energieversorgungssicherheit sowie die Mitteilung „Strategie für eine sichere europäische Energieversorgung“ finden Sie auf folgender Website der Europäischen Kommission: http://ec.europa.eu/energy/security_of_supply_en.htm

Kontakt:

Sabine Berger (+322 29 92792)

Nicole Bockstaller (+32 2 295 25 89)

Für die Öffentlichkeit: Europe Direct unter der Rufnummer 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website