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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 7. Januar 2014

Studie zeigt, dass Kultur- und Kreativbranche Bankdarlehen in Milliardenhöhe entgehen

Unternehmen des Kultur- und Kreativsektors in ganz Europa ist diese frustrierende Erfahrung nur allzu vertraut: Mit größter Sorgfalt entwerfen sie einen soliden Geschäftsplan, aber wenn sie damit zu ihrer Bank gehen, um ein Darlehen zu beantragen, damit eine brillante Idee in ein rentables Geschäft umgesetzt werden kann, stehen in der Regel alle außer den größten der Branche vor fest verschlossenen Türen. Eine neue Studie, die die Europäische Kommission heute veröffentlicht hat, belegt, dass durch ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Darlehensmarkt Unternehmen der Kreativwirtschaft Kredite in Milliardenhöhe entgehen. In den nächsten sieben Jahren, so die Studie, könnte die Finanzierungslücke 13,4 Mrd. EUR erreichen.

Diese Lücke entspricht den Investitionen, die unterbleiben, weil Unternehmen mit einer soliden Geschäftsstrategie und gutem Risikoprofil ein Darlehen verweigert wird oder weil sie sich gar nicht erst darum bemühen, da sie keine ausreichenden Sicherheiten anbieten können. Das hat zur Folge, dass auf eine für die europäische Wirtschaft ausgesprochen wichtige Branche, die überdurchschnittlich wächst und bis zu 4,4 % zum BIP der Union beiträgt, signifikante Wachstumshemmnisse zukommen.

Die Studie soll Input liefern für die Konzeption der neuen EU-Strategien zur Unterstützung der Kultur- und Kreativbranche mit Initiativen wie der Bürgschaftsfazilität des neuen Programms Kreatives Europa. Mit dieser Bürgschaft, die ab 2016 zur Verfügung steht, sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt werden, indem das Kreditrisiko der Banken bei Vergabe von Darlehen an diese Unternehmen gesenkt wird. Über das Programm Kreatives Europa werden über 120 Mio. EUR für die Bürgschaftsfazilität bereitgestellt, und es wird erwartet, dass so über 750 Mio. EUR an erschwinglichen Darlehen mobilisiert werden können. Das Gros der Mittel für das Programm wird indessen weiterhin in nicht rückzahlbare Zuschüsse fließen (siehe IP/13/1114).

Parallel zur Bereitstellung der Bürgschaft wird die Kommission Initiativen fördern zur Verbesserung des Kenntnisstandes von Darlehensgebern und Darlehensnehmern über die Faktoren, die bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von KMU in der Kultur- und Kreativbranche berücksichtigt werden sollten. So haben viele Darlehensgeber nur unzureichende Erfahrung mit der Beurteilung der Solvabilität von Unternehmen, deren Geschäftsgrundlage immaterielle Vermögenswerte wie Rechte des geistigen Eigentums sind. Ein Hindernis für die Banken ist außerdem das Fehlen zuverlässiger statistischer Daten über die Branche. Die Studie zeigt indessen, dass die Gewinnspanne und der Solvabilitätskoeffizient der europäischen Kultur- und Kreativbranche über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegen. Um solche Informationen stärker zu verbreiten, wird über das Programm Kreatives Europa ein Konzept zur Schulung von Fachkräften des Finanzsektors unterstützt.

Gleichzeitig wurde in der Studie festgestellt, dass es mittelständischen Unternehmen der Kultur- und Kreativbranche häufig an kaufmännischer und an Managementkompetenz fehlt. In einer Umfrage im Zuge der Studie gaben 60 % der Antwortenden an, keinen Geschäftsplan zu haben. Von den 26 % der Antwortenden, die sich in den letzten drei Jahren nicht um eine Fremdfinanzierung bemüht hatten, gaben 39 % an, sie fänden dies zu kompliziert oder zeitaufwendig. Auch hier wird die Kommission, in Anlehnung an den Aktionsplan Unternehmertum 2020 (IP/13/12), Maßnahmen zur Verbesserung der unternehmerischen Kompetenz von Angehörigen der Kreativbranche unterstützen.

Dazu gehören Initiativen zur Verbesserung der Koordinierung und des Austauschs bewährter Praxis zwischen den Mitgliedstaaten, die Beratung der Unternehmen über den Zugang zu Finanzmitteln, Programme des Enterprise Europe Network zur Verbesserung von Marktzugang oder Investitionsbereitschaft und Unternehmerschulung für Studierende oder Branchenangehörige im Rahmen der Erasmus+‑Aktionen „Wissensallianzen“ und „Allianzen für branchenspezifische Fertigkeiten“, über die Finanzmittel für Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen bereitgestellt werden.

Diese Maßnahmen werden kreativen KMU die Erschließung privater Finanzierung erleichtern, zum Wachstum der Branche beitragen und ihr Image als Quelle von Kreativität und unternehmerischer Initiative verbessern.

Nähere Informationen:

Study on access to finance for cultural and creative sectors

Europäische Kommission: Kreatives Europa

Kreatives Europa auf Facebook

auf Twitter (#CreativeEurope)

Website von Androulla Vassiliou

Androulla Vassiliou auf Twitter @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)


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