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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt unter Bedingungen Übernahme von Lafarge durch Holcim

Brüssel, 15 Dezember 2014

Die Europäische Kommission hat festgestellt, dass die geplante Übernahme des französischen Unternehmens Lafarge durch Holcim (Schweiz) mit der EU-Fusionskontrollverordnung im Einklang steht. Beide Unternehmen sind weltweit als Hersteller und Anbieter von Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffen und anderen Baustoffen tätig. Der Beschluss ist an die Bedingung geknüpft, dass Lafarge Geschäftsbereiche in Deutschland, Rumänien und im Vereinigten Königreich veräußert, während Holcim operative Tätigkeiten in Frankreich, Ungarn, der Slowakei, Spanien und der Tschechischen Republik verkaufen muss. Die Kommission hatte angesichts der ursprünglichen Anmeldung Bedenken, dass das Rechtsgeschäft den Wettbewerb auf einer erheblichen Zahl von Märkten im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beeinträchtigen würde. Durch die Verpflichtungszusagen der beiden Unternehmen werden diese Bedenken jedoch ausgeräumt.

Der geplante Zusammenschluss, der Aktiva im Wert von mehreren Milliarden Euro betrifft, wird zur Entstehung des weltweit größten Zementherstellers mit Geschäftstätigkeiten in 90 Ländern führen. Die Kommission hat die Auswirkungen des Rechtsgeschäfts auf den Wettbewerb in Europa sorgfältig geprüft. Da die meisten Baustoffe wie Zement, Zuschlagstoffe und Transportbeton an Abnehmer verkauft werden, die sich in geringer Entfernung vom Produktionsstandort befinden, hat die Kommission ihre Prüfung auf die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf solche Abnehmer konzentriert.

Dabei stellte sie bei vielen Märkten fest, dass die verbleibenden Wettbewerber nicht genügend Wettbewerbsdruck auf das neuaufgestellte Unternehmen ausüben könnten. Somit drohten Preiserhöhungen.

Um negative Auswirkungen auf den Wettbewerb zu verhindern, verpflichteten sich die beteiligten Unternehmen, den Großteil der Tätigkeiten, bei denen Überschneidungen festzustellen waren, zu veräußern. Dies betrifft sowohl Aktiva als auch die für die Rentabilität dieser Aktiva erforderlichen Dienstleistungen.

Holcim und Lafarge dürfen diese Veräußerungen erst zum Abschluss bringen, wenn die Kommission den oder die Käufer der zum Verkauf angebotenen Aktiva gebilligt hat.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte: „Dynamische wettbewerbsorientierte Märkte im Bausektor sind für ehrgeizigen Pläne der Kommission zur Förderung von Investitionen von höchster Bedeutung. Für diesen Zusammenschluss wurden sehr einschneidende Abhilfemaßnahmen festgelegt. Das war jedoch notwendig, um bereits im Vorprüfverfahren zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Ich bin mir sicher, dass der Beschluss Gewähr dafür bietet, dass die Interessen der Abnehmer von Baustoffen durch den Zusammenschluss nicht gefährdet sind.

Die zur Veräußerung stehenden Aktiva umfassen Transportbetonwerke, Förderstätten für Zuschlagstoffe, integrierte Zementwerke (die alle Phasen der Zementherstellung von der Förderung von Kalkstein und seiner Umwandlung in Klinker bis zu dessen Zerkleinerung in Zement abdecken), Mahlwerke (in denen nur der letzte Teil des Herstellungsprozesses, die Zerkleinerung von Klinker in Zement, erfolgt) sowie Zementterminals (in die große Mengen von Zement aus anderen Werken gebracht und dort bis zum Verkauf an lokale Abnehmer gelagert werden). Die Dienstleistungen umfassen zentrale Funktionen (wie Management, IT-Dienste, Forschung und Entwicklung) und Dienstleistungen zum Einsatz alternativer Brennstoffe, bei denen aufbereitete Abfälle als Brennstoff genutzt werden, um die Betriebskosten zu senken.

  • In Deutschland wird Lafarge seine gesamten Geschäftstätigkeiten einschließlich der Zementwerke in Karsdorf und Wössingen sowie eines Mahlwerks in Sötenich veräußern.
  • In Rumänien wird Lafarge seine gesamten Geschäftstätigkeiten einschließlich der Zementwerke in Medgidia und Hoghiz, eines Mahlwerks in Targu Jiu, des SICIM-Terminals und der Terminals in Cluj und Glina veräußern.
  • In der Slowakei wird Holcim seine gesamten Geschäftstätigkeiten einschließlich der Zementwerke in Turna und Rohožnik sowie sämtliche Betriebsaktiva in Ungarn einschließlich der Terminals in Ercsi und Békéscsaba veräußern.
  • In Frankreich wird Holcim den Großteil seiner Tätigkeiten in den Bereichen Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffe einschließlich der Zementwerke in Héming, Lumbres und Rochefort-sur-Nenon, Mahlwerke in Dannes, Dunkerque (Schlackenmahlwerk), Grand-Couronne, La Rochelle und Ebange und eines großen Terminals in Dunkerque veräußern. Lafarge wird ein Mahlwerk und sämtliche Geschäftstätigkeiten in La Réunion mit Ausnahme seiner Anteile am Mahlwerk Ciments de Bourbon veräußern.
  • Im Vereinigten Königreich wird Lafarge mit Ausnahme des Zementwerks Cauldon (Staffordshire) sämtliche Geschäftstätigkeiten veräußern, die es über Lafarge Tarmac, ein Joint Venture mit Anglo American, ausübt. Die beteiligten Unternehmen haben sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Erwerber des Lafarge-Tarmac-Geschäfts dem Kriterium entspricht, das im Bericht der britischen Wettbewerbsbehörde vom Januar 2014 über Zuschlagstoffe, Zement und Transportbeton festgelegt wurde. So wird ein fünfter unabhängiger inländischer Zementhersteller in den britischen Markt eintreten können. Die Kommission wird prüfen, ob die möglichen Käufer geeignet sind.
  • Holcim wird auch sämtliche Geschäftstätigkeiten in der Tschechischen Republik sowie das Werk Gador und das Mahlwerk Yeles in Spanien veräußern. Die Veräußerung der tschechischen und spanischen Aktiva an den mexikanischen Zementhersteller Cemex war bereits Gegenstand früherer Beschlüsse der tschechischen Wettbewerbsbehörde und der Kommission.

Nach Prüfung dieser Verpflichtungszusagen sah die Kommission ihre Wettbewerbsbedenken ausgeräumt. Daher ist sie zu dem Schluss gelangt, dass der geplante Zusammenschluss unter Berücksichtigung der gemachten Zusagen den Wettbewerb nicht gefährdet. Die Genehmigung der Kommission erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungszusagen uneingeschränkt eingehalten werden.

„Mit diesen Abhilfemaßnahmen haben wir sichergestellt, dass die stärkere weltweite Präsenz der Gruppe nicht zu Lasten des Wettbewerbs in der EU gehen wird. Dies ist ein positives Beispiel für andere Unternehmen, die sich weltweit aufstellen wollen“, erklärte EU-Kommissarin Vestager.

Bei der Prüfung des Vorhabens arbeitete die Kommission eng mit den Wettbewerbsbehörden der Mitgliedstaaten zusammen. Ferner stand sie mit den Wettbewerbsbehörden einiger Drittstaaten einschließlich der Vereinigten Staaten und Kanadas in Kontakt, die den geplanten Zusammenschluss ebenfalls prüfen.

Das Vorhaben wurde am 27. Oktober 2014 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Produkte

Das in der Schweiz ansässige Unternehmen Holcim ist ein weltweit tätiger Hersteller von Baustoffen wie Zement, Zuschlagstoffen Transportbeton, Asphalt und zementartigen Baustoffen. Holcim erwirtschaftet in über 70 Ländern einen jährlichen Gesamtumsatz von über 16 Mrd. EUR und beschäftigt rund 71 000 Mitarbeiter.

Das französische Unternehmen Lafarge ist als Anbieter von Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffen und anderen Baustoffen ebenfalls weltweit aufgestellt. Lafarge erwirtschaftet in 64 Ländern einen jährlichen Gesamtumsatz von über 15Mrd. EUR und beschäftigt 65 000 Mitarbeiter.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (siehe Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer M.7252 veröffentlicht.

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