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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 7. März 2014

Internationaler Frauentag: Kommission geht gegen Lohngefälle zwischen Männern und Frauen vor

Im Vorfeld des Internationalen Frauentags am 8. März hat die Europäische Kommission heute eine Empfehlung angenommen, in der sie die Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Lohntransparenz bei Frauen und Männern aufruft, um das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern abzubauen. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle – d. h. der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von Frauen und Männern in der Gesamtwirtschaft – hat sich in den letzten Jahren kaum verändert und stagniert EU-weit bei 16,4 % (IP/14/190). Bei der Beseitigung des Lohngefälles spielt mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern eine wichtige Rolle, denn sie kann geschlechtsbedingte Ungleichbehandlung und Diskriminierung in den Vergütungsstrukturen von Unternehmen ans Tageslicht bringen. Transparenz ermöglicht es Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Sozialpartnern, durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ auch tatsächlich umgesetzt wird. Die Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz, unter anderem Auskunftsrechte für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Sachen Löhne und Gehälter, Berichterstattungspflichten für Unternehmen, Entgeltaudits für Großunternehmen und die Einbeziehung von Aspekten der Lohngleichheit in die Tarifverhandlungen. Die Mitgliedstaaten müssen der Kommission bis Ende 2015 berichten, welche Maßnahmen sie zur Umsetzung der Empfehlungen ergriffen haben.

„Europa setzt sich seit 1957 für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Wir können stolz darauf sein, was die EU in den letzten Jahrzehnten schon erreicht hat, angefangen bei dem im Vertrag verankerten Grundsatz der Lohngleichheit bis hin zu den Rechten am Arbeitsplatz. Doch begnügen dürfen wir uns damit nicht, denn gleiche Bezahlung ist für Frauen in Europa noch immer nicht Realität. Deshalb fordern wir jetzt mehr Transparenz bei der Vergütung. Wenn Unternehmen den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ wirklich befolgen, dürften sie nichts zu verbergen haben“, so EU-Justizkommissarin und Kommissionsvizepräsidentin Viviane Reding. „Frauen dürfen nicht schlechter bezahlt werden, nur weil sie im Unklaren darüber gelassen werden, was ihre männlichen Kollegen verdienen. Mehr Transparenz wird dazu beitragen, das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen aus der Welt zu schaffen. Ich hoffe, die Mitgliedstaaten nehmen die Herausforderung an und sorgen dafür, dass Frauen nicht länger den Kürzeren ziehen. Gemeinsam können wir die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Wirklichkeit werden lassen – nicht nur am Internationalen Frauentag, sondern 365 Tage im Jahr.“

Die heutige Empfehlung der Kommission an die Mitgliedstaaten enthält eine breite Palette von Maßnahmen speziell zur Lohntransparenz, unter anderem:

Auskunftsrechte für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Löhne und Gehälter für Frauen und Männer, einschließlich variabler Vergütungsbestandteile wie Boni oder Sachleistungen;

regelmäßige Berichterstattung der Arbeitgeber über die durchschnittliche Vergütung von Frauen und Männern nach Beschäftigtengruppe und Position (nur für große und mittlere Unternehmen);

Durchführung von Entgelt-Audits in Großunternehmen (also nicht in KMU), deren Ergebnisse den Arbeitnehmervertretern und Sozialpartnern auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden;

Einbeziehung des Aspekts der Entgeltgleichheit (einschließlich der Entgelt-Audits) in Tarifverhandlungen.

Je nach ihren nationalen Gegebenheiten sollen die Mitgliedstaaten mindestens eine dieser Maßnahmen umsetzen.

Als weitere Maßnahmen empfohlen werden unter anderem die Erhebung besserer und aktueller Statistiken über das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, eine Präzisierung des Begriffs „gleichwertige Arbeit“ und die Förderung von Systemen zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung und beruflichen Einstufung, eine Stärkung der Rolle nationaler Gleichstellungseinrichtungen bei der Bekämpfung der geschlechtsbezogenen Entgeltdiskriminierung, die Kontrolle und Durchsetzung des Grundsatzes des gleichen Entgelts und Sensibilisierungsmaßnahmen.

Die nächsten Schritte: Bis zum 31. Dezember 2015 müssen die Mitgliedstaaten der Kommission mitteilen, welche Schritte sie zur Umsetzung der Empfehlung ergriffen haben. Anschließend wird die Kommission bewerten, welche Fortschritte erzielt wurden und ob weiterer Handlungsbedarf besteht.

Hintergrund

Die Gleichstellung von Frauen und Männern gehört zu den Grundprinzipien der Europäischen Union. Der Grundsatz der Lohngleichheit ist seit 1957 in den Verträgen verankert und wurde auch in die Richtlinie 2006/54/EG zur Verwirklichung des Grundsatzes der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen aufgenommen.

Nach neuesten Zahlen der Europäischen Kommission lag das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen im Jahr 2012 EU-weit noch bei durchschnittlich 16,4 % (IP/14/190). Damit stagnierte der Lohnabstand, nachdem er sich in den vergangenen Jahren gegenüber früheren Werten von rund 17 % oder mehr zunächst etwas verringert hatte. Der sehr geringfügig rückläufige Trend der vergangenen Jahre war allerdings nicht dadurch bedingt, dass Frauen mehr verdient hätten, sondern vielmehr Folge der Wirtschaftskrise, die bei Männern – vor allem in einigen männlich dominierten Bereichen wie Bauwirtschaft und Ingenieurwesen – zu Verdiensteinbußen geführt hat.

In einem Bericht der Europäischen Kommission vom Dezember 2013 über die Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen (Richtlinie 2006/54/EG) wurde festgestellt, dass die Lohngleichheit durch verschiedene Faktoren behindert wird, unter anderem durch mangelnde Transparenz der Vergütungsregelungen (IP/13/1227). Ohne hinreichende Information über die Höhe der Löhne und Gehälter innerhalb einer Organisation kann sich jemand, der schlechter bezahlt wird als sein Gegenüber des anderen Geschlechts, kaum zur Wehr setzen. Mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern könne die Lage der Opfer von Lohndiskriminierung verbessern, da diese ihre Lage auf diese Weise leichter mit dem anderen Geschlecht vergleichen könnten, so der Bericht.

Neben der Überwachung der ordnungsgemäßen Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften führt die Kommission ihre Maßnahmen gegen das geschlechtsspezifische Lohngefälle an allen Fronten fort, zum Beispiel mit der Initiative „Equality Pays Off“ (Chancengleichheit rechnet sich), mit der die Arbeitgeber 2012 und 2013 durch Workshops und Fortbildungsveranstaltungen beim Abbau des Lohngefälles unterstützt wurden, den jährlichen länderspezifischen Empfehlungen im Rahmen des Europäischen Semesters, in denen die Mitgliedstaaten auf die Notwendigkeit zum Abbau des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen hingewiesen wurden (siehe IP/13/463), den jährlichen europäischen „Equal Pay Days“ (IP/14/190), dem Austausch bewährter Praktiken und der Finanzierung von Initiativen der Mitgliedstaaten über die Strukturfonds sowie Aktionen der Zivilgesellschaft.

Weitere Informationen:

MEMO/14/160

Europäische Kommission – das geschlechtsspezifische Lohngefälle:

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-pay-gap/index_de.htm

Europäische Kommission – Chancengleichheit rechnet sich:

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/equality-pays-off/index_de.htm

Homepage von Kommissionsvizepräsidentin und EU-Justizkommissarin Viviane Reding:

http://ec.europa.eu/reding

Vizepräsidentin Reding auf Twitter: @VivianeRedingEU

EU-Justiz auf Twitter: @EU_Justice

Kontakt:

Mina Andreeva (+32 2 299 13 82)

Natasha Bertaud (+32 2 296 74 56)

Für die Öffentlichkeit: Europe Direct telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E­Mail


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