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Europäischer Tag der Lohngleichheit: geschlechtsspezifisches Lohngefälle in der EU stagniert bei 16,4 %

European Commission - IP/14/190   28/02/2014

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 28. Februar 2014

Europäischer Tag der Lohngleichheit: geschlechtsspezifisches Lohngefälle in der EU stagniert bei 16,4 %

Frauen in Europa arbeiten immer noch 59 Tage „unentgeltlich“. Dies zeigt sich an den heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten Zahlen. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle – der Unterschied beim durchschnittlichen Stundenlohn von Frauen und Männern in allen Wirtschaftszweigen – hat sich in den letzten Jahren kaum verändert und stagniert bei ungefähr 16 % (16,4 %, ganz wie im Vorjahr). Der Europäische Tag der Lohngleichheit (Equal Pay Day) findet zum zweiten Mal in Folge am 28. Februar statt. Das Datum bestimmt sich nach der Anzahl von Tagen, die Frauen zusätzlich arbeiten müssten, um in puncto Lohn mit den Männern gleichzuziehen. Im Klartext heißt dies: Bis zum 28. Februar arbeiten Frauen „unentgeltlich“. Der Tag der Lohngleichheit findet zum vierten Mal auf europäischer Ebene statt. Zum ersten Mal organisierte die Kommission ihn am 5. März 2011 (siehe IP/11/255), zum zweiten Mal am 2. März 2012 (siehe IP/12/211) und zum dritten Mal am 28. Februar 2013 (IP/13/165).

„Der europäische Tag der Lohngleichheit erinnert uns an die ungleichen Lohnbedingungen, mit denen Frauen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin konfrontiert sind. Das Lohngefälle ist in den letzten Jahren nur geringfügig kleiner geworden. Was noch schlimmer ist: Die geringe Angleichung der Durchschnittslöhne in den vergangenen Jahren ist vor allem auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen, in der die Löhne der Männer sanken, anstatt dass die Löhne der Frauen stiegen,“ sagte Viviane Reding, Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für Justiz. Gleiches Geld für gleiche Arbeit ist ein Grundsatz der EU, der für die Frauen in Europa leider noch nicht verwirklicht wurde. Nach Jahren der Untätigkeit ist es nun an der Zeit, zu handeln. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einer Initiative, die dafür sorgen soll, dass wir in absehbarer Zukunft keinen Tag der Lohngleichheit mehr brauchen.“

Das geschlechtsspezifische Lohngefälle wird dargestellt als der Unterschied beim durchschnittlichen Stundenlohn von weiblichen und männlichen Angestellten in allen Wirtschaftszweigen der EU. Den jüngsten Zahlen zufolge betrug der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in der EU im Jahr 2012 16,4 %. Die Lage hat sich also gegenüber den Werten der Vorjahre (17 % oder darüber) nach einer leichten Verbesserung nicht mehr verändert. Ein stetiger Rückgang ist festzustellen in Dänemark, den Niederlanden, Österreich, der Tschechischen Republik und Zypern. In anderen Ländern (Polen, Litauen) stagnierte der Trend 2012. Doch in Ländern wie Bulgarien, Estland, Irland, Portugal, Spanien und Ungarn, stieg das geschlechtsspezifische Lohngefälle in den letzten Jahren sogar an.

Der rückläufige Trend des Lohngefälles erklärt sich durch verschiedene Faktoren, zum Beispiel den steigenden Frauenanteil in hochqualifizierten Berufen. Aber auch die Tatsache, dass männlich-dominierte Industriezweige wie Bau und Ingenieurwesen, stärker von der Krise getroffen wurden, spielt eine Rolle. Die Veränderung resultiert daher generell nicht aus verbesserten Lohn- und Arbeitsbedingungen für Frauen.

In ihrem Bericht vom Dezember 2013 über die Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen (Richtlinie 2006/54/EG) kam die Europäische Kommission zu dem Schluss, dass die Lohngleichheit durch verschiedene Faktoren behindert wird. Dazu gehören mangelnde Transparenz der Entgeltsysteme, fehlende Rechtssicherheit bei der Definition von gleichwertiger Arbeit und Verfahrenshindernisse. Arbeiterinnen und Arbeiter müssten beispielsweise besser informiert sein, um erfolgreich gegen ungleiche Bezahlung zu klagen oder Informationen über die Lohnhöhe verschiedener Kategorien von Beschäftigten erhalten(IP/13/1227). Mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern könnte die Situation so mancher Opfer von Lohndiskriminierung verbessern, da sie ihre Lage leichter mit der Lage von Arbeitnehmern des anderen Geschlechts vergleichen könnten.

Die Kommission untersucht derzeit Alternativen für Maßnahmen auf europäischer Ebene, um die Transparenz bei Löhnen und Gehältern zu verbessern und dadurch das Lohngefälle zu verringern und den Grundsatz der Lohngleichheit in der Praxis umzusetzen.

Hintergrund

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist einer der wesentlichen Grundsätze der Europäischen Union. Der Grundsatz der Lohngleichheit ist seit 1957 in den Verträgen verankert und wurde auch in die Richtlinie 2006/54/EG zur Verwirklichung des Grundsatzes der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen aufgenommen.

Am 9. Dezember 2013 verabschiedete die Kommission einen Bericht zur Bewertung der Anwendung der Bestimmungen über die Lohngleichheit in den EU-Mitgliedstaaten in der Praxis (IP/13/1227). Diesem Bericht zufolge müssen alle Mitgliedstaaten die Vorschriften der Richtlinie 2006/54/EG künftig ordnungsgemäß anwenden und durchsetzen.

Abgesehen von der Überwachung der ordnungsgemäßen Umsetzung der EU-Rechtsvorschriften setzt die Kommission ihre zahlreichen Maßnahmen gegen das geschlechtsspezifische Lohngefälle fort, zum Beispiel in der Initiative „Chancengleichheit rechnet sich“ (2012 und 2013) in der die Arbeitgeber durch Workshops und Weiterbildung bei der Überbrückung des Lohngefälles unterstützt wurden, durch jährliche länderspezifische Empfehlungen im Rahmen des Europäischen Semesters, durch die Equal Pay Days (Europäische Tage der Lohngleichheit), den Austausch bewährter Verfahren und die Finanzierung von Initiativen der Mitgliedstaaten durch die Strukturfonds sowie Aktionen der Zivilgesellschaft.

Beispiele für bewährte Verfahren zur Schaffung von Lohngleichheit auf nationaler Ebene:

Das belgische Parlament verabschiedete 2012 ein Gesetz, mit dem Unternehmen verpflichtet werden, alle zwei Jahre eine Vergleichsanalyse ihrer Lohnstruktur durchzuführen. Belgien war auch das erste Land der EU, das einen „Equal Pay Day“ veranstaltete (2005).

Die französische Regierung hat die bestehenden Sanktionen gegen Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die nicht die Vorschriften zur Chancengleichheit einhalten, verschärft. Aufgrund eines Dekrets von 2012 wurden im April 2013 zwei Unternehmen überführt, die die entsprechenden Rechtsvorschriften nicht eingehalten hatten.

Das österreichische Gleichbehandlungsgesetz verpflichtet Unternehmen zur Erstellung von Berichten zur Lohngleichheit. Die schrittweise eingeführten Vorschriften sind derzeit für Unternehmen mit mehr als 250, 500 und 1000 Beschäftigten verpflichtend. Unternehmen mit mehr als 150 Beschäftigten müssen ab 2014 einen Bericht erstellen.

Mit einer portugiesischen Resolution vom 8. März 2013 wurden Maßnahmen zur Gewährleistung und Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt eingeleitet, darunter die Aufhebung von Lohnunterschieden. Zu den Maßnahmen gehören Berichte über geschlechtsspezifische Lohngefälle nach Industriezweigen.

Weitere Informationen

Europäische Kommission – das geschlechtsspezifische Lohngefälle

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-pay-gap/index_de.htm

Europäische Kommission – Chancengleichheit rechnet sich:

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/equality-pays-off/index_en.htm

Homepage von Viviane Reding, Vizepräsidentin der Kommission und EU-Justizkommissarin:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/reding/index_de.htm

Vizepräsidentin Reding auf Twitter: @VivianeRedingEU

EU-Justiz auf Twitter: @EU_Justice

Kontakt:

Mina Andreeva (+32 229-91382)

Natasha Bertaud (+32 2 296 74 56)

Allgemeine Fragen zur EU: Europe Direct telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail

Anhang

1. Statistiken zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle

Quelle: Eurostat 2012, (ausgenommen Griechenland, 2010)

2. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle in den Mitgliedstaaten der EU in Zahlen

2008

2009

2010

2011

2012

Unterschied 2012 – 2008

EU

17,3

17.2 (p)

16,2

16.4 (p)

16.4 (p)

-0,9

BE

10,2

10,1

10,2

10,2

10,0

-0,2

BG

12,3

13,3

13,0

13,0

14,7

2,4

CZ

26,2

25,9

21,6

22,6

22,0

-4,2

DK

17,1

16,8

15,9

16,3

14,9

-2,2

DE

22,8

22,6

22,3

22.2 (p)

22.4 (p)

-0,4

EE

27,6

26,6

27,7

27,3

30,0

2,4

IE

12,6

12,6

13,9

11.7 (p)

14.4 (p)

 1.8

EL

22,0

:

15,0

:

:

ES

16,1

16,7

16,2

17.8 (p)

17.8 (p)

1,7

FR

16,9

15,2

15,6

15.0 (p)

14.8 (p)

-2,1

HR

:

:

15,5

17,6

18,0

:

IT

4,9

5,5

5,3

5,8

6,7

1,8

CY

19,5

17,8

16,8

16,4

16,2

-3,3

LV

11,8

13,1

15,5

13,6

13,8

2,0

LT

21,6

15,3

14,6

11,9

12,6

-9,0

LU

9,7

9,2

8,7

8.7 (p)

8.6 (p)

-1,1

HU

17,5

17,1

17,6

18,0

20,1

2,6

MT

9,2

7,7

7,2

6,2

6,1

-3,1

NL

18,9

18,5

17,8

17,9

16,9

-2,0

AT

25,1

24,3

24,0

23,7

23,4

-1,7

PL

11,4

8,0

4,5

5,5

6,4

-5,0

PT

9,2

10,0

12,8

12,5

15,7

6,5

RO

8,5

7,4

8,8

11,0

9,7

1,2

SI

4,1

-0,9

0,9

2,3

2,5

-1,6

SK

20,9

21,9

19,6

20,5

21,5

0,6

FI

20,5

20,8

20,3

19,6

-1,1

SE

16,9

15,7

15,4

15,8

15,9

-1,0

UK

21,4

20,6

19,5

20,1

19,1

-2,3

Quelle: Eurostat, SES

*(v) = vorläufige Daten


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