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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Herbstprognose 2014: Langsame Erholung bei äußerst niedriger Inflation

Brüssel, 04 November 2014

In ihrer Herbstprognose geht die Europäische Kommission für den Rest des Jahres von einem schwachen Wirtschaftswachstum sowohl in der EU als auch im Euroraum aus.Demnach soll das reale BIP im Jahresdurchschnitt 2014 in der EU um 1,3 % und im Euroraum um 0,8 % wachsen. Für das Jahr 2015 wird ausgehend von einer steigenden Auslands- und Binnennachfrage mit einem allmählichen Anstieg des Wachstums auf 1,5 % bzw. 1,1 % gerechnet. Durch die Stärkung des Finanzsektors (infolge der umfassenden EZB-Bankenstresstests und der weiteren Fortschritte bei der Schaffung der Bankenunion) wird sich das Wachstum 2016 voraussichtlich auf 2,0 % bzw. 1,7 % beschleunigen und werden auch die jüngsten Strukturreformen allmählich Früchte tragen.

Hierzu der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission Jyrki Katainen: „Die Wirtschafts- und Beschäftigungslage verbessert sich nicht schnell genug. Die Europäische Kommission ist entschlossen, alle zur Verfügung stehenden Instrumente und Ressourcen zu nutzen, um in Europa für mehr Arbeitsplätze und Wachstum zu sorgen. Um rasch eine anhaltende wirtschaftliche Erholung herbeizuführen, werden wir ein Investitionspaket im Umfang von 300 Mrd. Euro auf den Weg bringen. Investitionsförderung ist die Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Erholung."

Der für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll zuständige Kommissar Pierre Moscovici erklärte: „Die Herausforderungen, vor denen die europäische Wirtschaft steht, erfordern nicht nur Maßnahmen an einer Front. Wir müssen an drei Fronten tätig werden: glaubwürdige Haushaltspolitik, ehrgeizige Strukturreformen und öffentliche und private Investitionen, die wir so dringend benötigen. Um höheres Wachstum zu erzeugen und echte Beschäftigungsimpulse für unsere Bürgerinnen und Bürger zu geben, müssen wir alle unserer Verantwortung gerecht werden, ob in Brüssel, in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten oder in unseren Regionen.“

Die wirtschaftliche Erholung, die im zweiten Quartal 2013 eingesetzt hat, ist nach wie vor anfällig, und vielen Mitgliedstaaten fehlt es noch immer an einer starken wirtschaftlichen Dynamik. Das Vertrauen ist geringer als im Frühjahr, was auf die zunehmenden geopolitischen Risiken und die ungünstigeren weltwirtschaftlichen Aussichten zurückzuführen ist. Trotz günstiger finanzieller Rahmenbedingungen wird sich die Wirtschaft 2015 nur langsam erholen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Folgen der Krise, d. h. die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, die hohen Schuldenstände und die geringe Kapazitätsauslastung nur allmählich abklingen. Die von der Europäischen Zentralbank kürzlich durchgeführte umfassende Bewertung hat die Unsicherheit hinsichtlich der Solidität des Bankensektors verringert, und die zunehmend günstigen Finanzierungsbedingungen dürften zur Erholung des Wachstums beitragen. Eine verstärkte Binnen- und Auslandsnachfrage, eine Fortsetzung der äußerst akkommodierenden Geldpolitik und die damit verbundenen geringen Finanzierungskosten dürften das Wachstum 2016 weiter festigen.

Auch 2014 werden die Wachstumsraten der Mitgliedstaaten stark voneinander abweichen (das derzeitige Spektrum reicht von -2,8% in Zypern bis 4,6  in Irland. Doch wird erwartet, dass die Wachstumsunterschiede in den kommenden zwei Jahren abnehmen werden. 2015 und 2016 werden voraussichtlich alle EU-Länder ein positives Wachstum verzeichnen. In dieser Zeit werden auch die Auswirkungen bereits durchgeführter Reformen mit gewisser Verzögerung zum Tragen kommen.

Langsame Rückkehr zu mäßigem Wirtschaftswachstum

Verglichen mit anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und früheren Nachkrisenzeiten scheint die wirtschaftliche Erholung in der EU schwach, wenngleich die Erholungsphasen in der Vergangenheit ebenfalls schleppend verliefen und anfällig waren. Die Binnennachfrage dürfte über den Prognosehorizont zunehmend von der ausgesprochen akkommodierenden Geldpolitik, den Fortschritten beim Abbau der Verschuldung der privaten Haushalte und dem weitgehend neutralen haushaltspolitischen Kurs profitieren. Die Privatinvestitionen dürften allmählich anziehen und dabei auch von der Verbesserung der Nachfrageaussichten und von Aufholeffekten profitieren, wenngleich sie zunächst durch hohe Kapazitätsüberhänge gebremst werden. Aufgrund niedriger Rohstoffpreise und der mit allmählicher Verbesserung am Arbeitsmarkt wachsenden verfügbaren Einkommen wird der private Verbrauch 2015 und 2016 voraussichtlich moderat ansteigen. Der öffentliche Verbrauch dürfte dabei nur einen marginalen Wachstumsbeitrag leisten. Angesichts der moderaten Ausweitung des Welthandels dürften die Nettoexporte in den kommenden Jahren nur unerheblich zum BIP-Wachstum beitragen.

Bedingungen am Arbeitsmarkt verbessern sich nur langsam

Arbeitsplätze werden in mäßigem Umfang geschaffen, und die Arbeitslosenquoten sind ausgehend von einem hohen Stand nur leicht gesunken. Da das Wirtschaftswachstum voraussichtlich allmählich an Fahrt gewinnen wird, dürfte gegen Ende des Prognosehorizonts eine deutlichere Verbesserung am Arbeitsmarkt eintreten. Die Arbeitslosenquote soll der Prognose zufolge 2016 in der EU auf 9,5 % und im Euroraum auf 10,8 % zurückgehen.

Der Trend zu einer niedrigeren Inflation hat sich 2014 in den EU-Mitgliedstaaten bedingt durch niedrigere Rohstoffpreise und die starke konjunkturelle Flaute fortgesetzt. Auch 2014 soll die Inflation auf ausgesprochen niedrigem Stand verharren. Mit allmählicher konjunktureller Erholung und steigenden Löhnen dürfte die Inflation auch angesichts der jüngsten Abwertung des Euro steigen. Die Inflationsprojektionen für die EU lauten 0,6 % im Jahr 2014, 1,0 % im Jahr 2015 und 1,6 % im Jahr 2016. Die HVPI-Inflation (HVPI = harmonisierter Verbraucherpreisindex) im Euroraum wird für dieses Jahr mit 0,5 % und für das Jahr 2015 mit 0,8 % angesetzt, bevor sie 2016 dann auf 1,5 % ansteigen soll.

Für die gesamtstaatlichen Defizite geht die Prognose von einem weiteren Abbau aus. Die Defizitquoten sollten in diesem Jahr in der EU und im Euroraum weiter auf 3,0 % bzw. 2,6 % zurückgehen, wenngleich sich der Rückgang langsamer vollzieht als 2013. Bei den staatlichen Defiziten wird für die kommenden zwei Jahre ein weiterer Rückgang prognostiziert, der durch die Konjunkturbelebung erleichtert wird. Der haushaltspolitische Kurs wird 2014 und 2015 wahrscheinlich nahezu neutral sein. Die Schuldenquoten in der EU und im Euroraum (gemäß Definition im Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 2010) werden mit 88,3 % und 94,8 % im nächsten Jahr voraussichtlich ihren Höchststand erreichen.

Wachstumsaussichten nach wie vor mit Abwärtsrisiken behaftet

Angesichts der geopolitischen Spannungen, der Instabilität an den Finanzmärkten und des Risikos einer unvollständigen Umsetzung der Strukturreformen sind die Wachstumsaussichten weiterhin vorwiegend mit Abwärtsrisiken behaftet. Die Risiken für die Inflationsaussichten halten sich nach wie vor die Waage.

Weitere Informationen unter:

http://ec.europa.eu/economy_finance/eu/forecasts/2014_autumn_forecast_en.htm

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