Navigation path

Left navigation

Additional tools

Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 27. Oktober 2014

EU-Brustkrebsforschung setzt auf personalisierte Behandlung

Erläuterung: Projekt ASSURE für maßgeschneidertes Brustkrebsscreening -mit Hämatoxylin und Eosin gefärbtes Brustgewebe mit invasivem duktalen Karzinom. Copyright: ©VPH-PRISM

Heutzutage wird in den Industrieländern wahrscheinlich jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Mehr Unterstützung für die Früherkennung, wirksamere Behandlung und bessere Palliativversorgung stehen diesen Oktober im Mittelpunkt des Internationalen Brustkrebsmonats. Ein vielversprechender Weg, mit dem sich mehrere EU-finanzierte Forschungsprojekte befassen, ist die personalisierte Medizin, also die Abstimmung der Behandlung auf die speziellen Umstände und Bedingungen der Patientinnen.

Vom Labor zum Krankenhaus

Mit dem EU-Projekt TRANSBIG zur sogenannten „translationalen“ Forschung wird die Arbeit in den Labors enger mit der Behandlung von Patientinnen verknüpft, erklärte die wissenschaftliche Leiterin des Projekts, Frau Dr. Fatima Cardoso vom Klinikzentrum Champalimaud in Lissabon, Portugal. „Das Projekt TRANSBIG hat durch die Verbesserung des Austauschs zwischen führenden europäischen Brustkrebsforschern dazu beigetragen, die Fragmentierung in der translationalen Forschung in diesem Bereich anzugehen. Außerdem hat das Projekt zum erfolgreichen Start eines Forschungsvorhabens geführt, das zu den innovativsten der vergangenen zehn Jahre in Europa gezählt wird.”

Die Ergebnisse dieser Studie (Arbeitsname: MINDACT) werden 2015 vorliegen. Dabei geht es darum zu untersuchen, inwiefern die Genomanalyse den Ärzten bei der Entscheidung helfen kann, ob eine Patientin nach der Operation noch eine Chemotherapie benötigt.

Klinische Studien haben ergeben, dass Chemotherapie zwar wirkt, aber auch Sekundärkrebserkrankungen, Herzschäden, früheres Einsetzen der Wechseljahre oder Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit verursachen kann. Außerdem wird davon ausgegangen, dass ein erheblicher Anteil der Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium überbehandelt wird, erklärt Frau Dr. Cardoso. Mithilfe von MINDACT ließe sich bei 10‑20 % der Patientinnen eine Chemotherapie vermeiden.

Am Projekt MINDACT, das von der Europäischen Organisation zur Erforschung und Behandlung von Krebs (EORTC) verwaltet wird und in Zusammenarbeit mit der Breast International Group (BIG), dem Koordinator von TRANSBIG, entwickelt wurde, nahmen mehr als 6 600 Patientinnen in 9 Ländern teil.

„Von den bahnbrechenden Ergebnissen der translationalen Forschung zur lebensrettenden Behandlung von Brustkrebs können Hunderttausende Frauen profitieren,” erklärte Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft. „Die Krebsforschung ist ein Schwerpunkt der EU-Forschungsförderung. So wurden im Zeitraum 2007-2013 etwa 1,4 Mrd. EUR für die translationale Krebsforschung bereitgestellt. Auch im Programm Horizont 2020 bleibt dieses Thema ein Schwerpunkt, damit grundlegende Erkenntnisse schneller auf die Frühdiagnose, Vorbeugung und Behandlung übertragen werden können.”

Ein weiteres EU-Forschungsprojekt zum Thema Brustkrebs ist EPIC, bei dem untersucht wurde, inwiefern die Änderung der Essgewohnheiten möglicherweise vor Brustkrebs schützen könnte. Bei den Projekten CareMore und CTCTRAP wird erforscht, wie mittels der Tumorzellen in der Blutbahn und der DNS die Früherkennung und Behandlung bei Frauen mit Brustkrebsmetastasen unterstützt werden kann. Gleichzeitig wird mit dem Projekt ASSURE versucht festzustellen, wie sich das Brustkrebsscreening auf individuelle Erfordernisse abstimmen lässt, und nach Alternativen zur Mammografie gesucht, die für Frauen mit dichtem Brustgewebe ungeeignet ist.

Mit dem Projekt RATHER wird nach neuen Behandlungsmöglichkeiten und personalisierten Diagnosetechniken für Frauen mit dreifach negativem invasiv lobulärem Brustkrebs gesucht. Diese Krebsform ist schwer zu behandeln, weil es derzeit dafür noch keine gezielte Therapie gibt. Beim Projekt MERIT wird untersucht, wie sich dreifach negativer Brustkrebs mit personalisierten, auf jede Patientin individuell abgestimmten RNS-Impfstoffen behandeln lässt.

Hintergrund

Brustkrebs ist immer noch die zweithäufigste Krebsart weltweit und die Krebsart, an der die meisten Frauen sterben. In der EU wurde diese Krankheit im Jahr 2012 bei 364 449 Frauen diagnostiziert, das ist die bisher größte Zahl. Im Zeitraum 2007 bis 2013 hat die EU 160 Mio. EUR in die Brustkrebsforschung investiert, und diese Unterstützung wird im Rahmen von Horizont 2020, dem neuen Forschungs- und Innovationsprogramm für 2014-2020, fortgesetzt.

Am 1. Januar 2014 hat die Europäische Union unter dem Titel „Horizont 2020“ ein neues Forschungs- und Innovationsprogramm gestartet. In den kommenden sieben Jahren werden beinahe 80 Mrd. EUR in Forschungs- und Innovationsprojekte zur Förderung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit und zur Ausdehnung der Grenzen des menschlichen Wissens investiert. Schwerpunkte des EU-Forschungshaushalts sind die Verbesserung des täglichen Lebens z. B. in den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Verkehr, Ernährung und Energie.

Weitere Informationen:

BIG und TRANSBIG: www.BIGagainstbreastcancer.org

EPIC: http://epic.iarc.fr/

CareMore: http://www.caremorectc.eu/

CTCTRAP: http://www.utwente.nl/tnw/ctctrap/

ASSURE: http://www.assure-project.eu/

RATHER: http://www.ratherproject.com/

MERIT: http://merit-consortium.eu/

Horizont-2020-Website: http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/

Kontakt für die Medien:

Michael Jennings (+32 229-63388) Twitter: @ECSpokesScience

Monika Wcislo (+32 229-86595)

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct, telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail


Side Bar