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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 22. Oktober 2014

Hochrangige Gruppe der EU fordert gezielte Investitionen, um die Nutzung neuer Technologien an Hochschulen zu intensivieren

Die von der Europäischen Union eingesetzte Hochrangige Gruppe zur Modernisierung der Hochschulbildung veröffentlicht heute ihren Bericht über neue Formen des Lehrens und Lernens an Hochschulen. Der Bericht der Gruppe unter dem Vorsitz der ehemaligen Präsidentin Irlands Mary McAleese umfasst 15 Empfehlungen (siehe Anhang 1). Die Gruppe ruft insbesondere zu einem gezielteren Ressourceneinsatz auf, um die Entwicklung und Nutzung flexiblerer digitaler Lehr- und Lernmethoden in der Hochschulbildung zu fördern.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, begrüßte heute den Bericht: „Europa steht vor der doppelten Herausforderung, dass immer mehr und immer unterschiedlichere Studierende an die Hochschulen kommen und zugleich die Qualität der Lehre und des Lernens verbessert werden muss. Die von Mary McAleese geleitete Gruppe hat realistische, praktisch umsetzbare Schritte skizziert, die die EU und nationale Behörden unternehmen können, um neue Technologien besser in den Lehr- und Lernprozess einzubinden und so zur Bewältigung dieser Herausforderung beizutragen. Ich freue mich besonders, dass die Umsetzung der Empfehlungen durch das neue Programm Erasmus+ unterstützt werden kann, das ich im Januar gestartet habe.“

Nach der Präsentation der Berichtsergebnisse bei Kommissarin Vassiliou ergänzte Mary McAleese: „Ich war sehr beeindruckt von den Beispielen für bewährte Verfahren, die der Gruppe vorgelegt wurden. Sie verdeutlichen, dass es an den Hochschulen nicht nur auf die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter ankommt, sondern dass diese Mitarbeiter auch durch eine engagierte, visionäre Politik unterstützt werden müssen. Nur so können wir das Potenzial neuer Formen des Lehrens und Lernens voll ausschöpfen. Europa verzeichnet zwar bereits Fortschritte bei der Nutzung neuer Technologien in Universitäten und Hochschuleinrichtungen, ist gegenüber den USA jedoch immer noch im Rückstand. Unsere Stärken, etwa die weit verbreitete Verwendung von ECTS-Leistungspunkten1, müssen wir uns für die Anerkennung, Akkreditierung und Qualitätssicherung beim digitalen Lernen zunutze machen.“

Immer mehr Bildungsressourcen aus der ganzen Welt sind frei zugänglich und werden zunehmend interaktiv, d. h. sie gehen über eine bloße „Vorlesung im Internet“ hinaus. Digitales Lehren und Lernen kann besser an die individuellen Bedürfnisse der Studierenden angepasst werden. Zugleich können die Lehrkräfte dank Fortschritten bei der Lernanalyse den Studierenden schneller Rückmeldungen zu ihrer Leistung geben und die Bereiche identifizieren, in denen eine intensivere Unterstützung notwendig ist.

Lehrmethoden auf digitaler Basis werden zunehmend hochschulintern und online in die Lehre integriert, und viele europäische Hochschuleinrichtungen greifen die Chancen auf, die die Technologie ihnen bietet. Allzu oft werden die Entwicklungen jedoch nur durch einige wenige engagierte Mitarbeiter vorangetrieben – also ohne strategische Untermauerung innerhalb der Hochschulen oder durch die nationale Politik.

Auf Grundlage einer eingehenden Analyse der aktuellen Situation und bewährter Verfahren aus der EU und der ganzen Welt hat die Gruppe Wege vorgezeichnet, um die Einführung einer neuen, technologiebasierten Bildungsmethodik zu unterstützen. Der Gruppe zufolge bleiben die Hochschulen zwar unbestritten die Hauptakteure des Wandels, doch die staatlichen Stellen müssen ein Umfeld schaffen, das diesen Wandel begünstigt.

Hintergrund

Die Hochrangige Gruppe wurde 2012 eingerichtet, um die drängendsten Fragen im Bereich der Hochschulbildung zu untersuchen. Im ersten Jahr ihres Bestehens entwickelte sie an die Hochschulen, die Mitgliedstaaten und die Kommission gerichtete Empfehlungen, um die Qualität der Lehre und des Lernens in der europäischen Hochschulbildung zu verbessern.

Weitere Informationen

Bericht über neue Formen des Lernens und Lehrens an Hochschulen

Bericht zur Verbesserung der Qualität der Lehre und des Lernens an europäischen Hochschuleinrichtungen

Modernisierungsagenda für die Hochschulbildung

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung

Website von Androulla Vassiliou

Androulla Vassiliou auf Twitter: @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)

Anhang 1: Empfehlungen

  • Die Europäische Kommission sollte die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Umsetzung umfassender nationaler Rahmen für die Diversifizierung der Bereitstellung und die generelle Einbindung neuer Lern- und Lehrmethoden in der gesamten Hochschulbildung unterstützen und das wechselseitige Lernen in Schlüsselbereichen wie Qualifikationsentwicklung, Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen, Qualitätssicherung und Finanzierung fördern, insbesondere durch die Nutzung des Potenzials des Programms Erasmus+.

  • Die Europäische Kommission sollte im Rahmen des Programms Erasmus+ Hochschuleinrichtungen vorrangig dabei unterstützen, ihre digitalen Kapazitäten auszubauen und neue Lehr- und Lernmethoden in den Hochschulbetrieb zu integrieren. Außerdem sollten Erasmus+-Mittel für die Förderung experimenteller Partnerschaften mit spezialisierten Dienstleistungsanbietern bereitgestellt werden.

  • Die Integration digitaler Technologien und Unterrichtsformen sollte ein fester Bestandteil der Lehr- und Lernstrategien von Hochschuleinrichtungen sein. Klare Ziele und Vorgaben sollten definiert und die erforderlichen organisatorischen Unterstützungsstrukturen (wie die Europäische Akademie für Lehre und Lernen) geschaffen werden, um die Durchführung voranzubringen.

  • Nationale Behörden sollten die Entwicklung eines nationalen Rahmens für digitale Kompetenzen unterstützen, der Teil der nationalen Strategien für die berufliche Entwicklung von Hochschullehrkräften sein sollte.

  • Das gesamte Hochschullehrpersonal sollte in einschlägigen digitalen Technologien und Lehrmethoden geschult werden, und zwar sowohl in der Grundausbildung als auch im Rahmen der beruflichen Weiterbildung.

  • Nationale Finanzierungsstrukturen sollten Anreize schaffen, insbesondere durch neue Formen leistungsgebundener Mittelzuweisungen, damit Hochschuleinrichtungen die Bildung öffnen, flexiblere Lehrmethoden entwickeln und ihre Studentenpopulation diversifizieren.

  • Nationale Behörden sollten Finanzmittel gezielt für die Förderung der Einbindung neuer Lern- und Lehrmethoden im gesamten Hochschulbereich bereitstellen. Mit den Finanzmitteln sollten gemeinsame Lösungsansätze für Verbesserungen der Infrastruktur, der pädagogischen Ausbildung und der Vermittlung der Studieninhalte gefördert werden.

  • Nationale und regionale Behörden sollten die Möglichkeiten im Rahmen von Strukturfonds-Programmen nutzen, um die Entwicklung der erforderlichen Infrastruktur, Technologie und Repositories zu fördern.

  • Öffentliche Stellen sollten Leitlinien für die Qualitätssicherung bei offenen und Online-Lernangeboten sowie zur Förderung von Exzellenz bei der Nutzung von IKT beim Hochschulbildungsangebot entwickeln.

  • Die Europäische Kommission sollte grenzüberschreitende Initiativen zur Entwicklung von Qualitätsstandards für offene und Online-Lernangebote im Rahmen des Programms Erasmus+ fördern.

  • Hochschuleinrichtungen sollten dafür sorgen, dass für alle Arten ihrer Bildungsangebote mit Möglichkeit zum Leistungspunkterwerb Qualitätssicherungsmaßnahmen gelten. Die Bildungseinrichtungen sollten das Qualitätssicherungssystem nutzen, um zu beobachten, wie viele Studierende im Bildungsgang verbleiben, und um die Entwicklung geeigneter Unterstützungsmaßnahmen zu gestalten.

  • Die Europäische Kommission und nationale Behörden sollten Anbieter im Bereich der Hochschulbildung ermuntern und durch Schaffung von Anreizen dazu veranlassen, gemäß dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) Punkte für alle Formen von Online-Kursen zu vergeben und anzuerkennen. Bei der derzeit laufenden Überarbeitung des ECTS-Leitfadens sollten diese Grundsätze berücksichtigt werden.

  • Regierungsbehörden und Hochschuleinrichtungen sollten auf einen vollständig offenen Zugang zu Bildungsressourcen hinarbeiten; bei öffentlichen Ausschreibungen sollten offene Lizenzen eine Pflichtvoraussetzung sein, damit die Inhalte geändert, vervielfältigt und anderswo genutzt werden können. Bei öffentlich finanzierten oder bezuschussten Bildungsressourcen sollte darauf hingewirkt werden, die Materialien so breit wie möglich verfügbar zu machen.

  • Die Mitgliedstaaten sollten dafür sorgen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen es Hochschuleinrichtungen ermöglichen, lernbezogene Daten zu erheben und zu analysieren. Die uneingeschränkte, aufgeklärte Zustimmung der Studierenden ist dabei eine zwingende Voraussetzung, und die Daten sollten nur für Bildungszwecke genutzt werden.

  • Online-Plattformen sollten ihre Nutzer klar und verständlich über ihre Persönlichkeits- und Datenschutzstrategie informieren. Einzelpersonen sollten stets die Möglichkeit haben, ihre Daten zu anonymisieren.

Anhang 2: Mitglieder der Gruppe

Mary McAleese (Vorsitzende)

Mary McAleese war von 1997-2011 Präsidentin von Irland. 1973 machte sie ihren Abschluss in Rechtswissenschaften an der Queen's University Belfast und wurde 1974 in die Nordirische Juristenkammer Northern Ireland Bar berufen. 1975 übernahm sie die Reid-Professur für Strafrecht, Kriminologie und Strafvollzug am Trinity College Dublin. 1987 kehrte sie an die Queen's University zurück, wo sie Direktorin des Instituts für professionelle juristische Studien wurde. 1994 wurde sie als erste Frau Pro-Vice Chancellor der Queen's University Belfast.

Agneta Bladh

Dr. Bladh leitet den Verwaltungsrat der Hochschule für Gesundheitswesen (Hälsohögskolan) in Jönköping und den Bibliotheksrat der Universität Stockholm. Die frühere Vize-Rektorin der Universität Kalmar ist außerdem Mitglied des Verwaltungsrats der Universität Uppsala, des Vorstands des Oslo and Akershus College of Applied Science (Norwegen) und eines Gremiums, das den Zusammenschluss zweier Universitäten in Norwegen vorbereitet. Dr. Bladh ist Mitglied des dänisches Akkreditierungsrates und des Verwaltungsrates der schwedischen Hochschulbehörde. Dr. Bladh war als Staatssekretärin im schwedischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft zuständig für Hochschulbildung und Forschung. Agneta Bladh hat einen Doktortitel in Politikwissenschaft der Universität Stockholm (1988).

Vincent Berger

Seit 2013 ist Vincent Berger als Sonderberater in Fragen der Hochschulbildung für Präsident François Hollande tätig. Zuvor war er Präsident der Universität Paris Diderot. 2001 ging er als Professor an die Universität Paris Diderot und leitete dort bis 2006 das Labor für Quantenphänomene und Materialien. 2002 bekam er den Fabry-De Gramont-Preis und den MIT-Young-Innovator-Preis. 2012 wurde er von der französischen Bildungsministerin zum Allgemeinen Berichterstatter der französischen Assises nationales de l'enseignement supérieur et de la recherche ernannt.

Christian Bode

Christian Bode war 20 Jahre lang Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (1990-2010). Er studierte Rechtswissenschaften und promovierte 1971 an der Universität Bonn. 1972-1982 war er als Referent im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft tätig. 1982-1990 war er Generalsekretär der Westdeutschen Rektorenkonferenz.

Jan Muehlfeit

Jan Muehlfeit ist Vorsitzender der Microsoft Corporation in Europa. Als Urgestein der IKT-Branche arbeitet er seit fast 19 Jahren für Microsoft. 2005 war er Vizepräsident des Public-sector-Teams von Microsoft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA), 2006 EMEA-Vizepräsident für Corporate & Government Strategy und später Vorsitzender der Microsoft Corporation in Europa. Herr Muehlfeit ist stellvertretender Vorsitzender der Academy of Business in Society (ABiS), Vorstandsmitglied von JA, stellvertretender Vorsitzender der European e-Skills Association und Mitglied des Verwaltungsrates der Studierendenorganisation AIESEC. Er studierte an der Tschechischen Technischen Universität und absolvierte später Managementprogramme in Wharton, an der LSE und in Harvard.

Tea Petrin

Tea Petrin ist Professorin an der Wirtschaftsfakultät der Universität Ljubljana, Slowenien, und Mitglied des Senats der Universität. Tea Petrin war Gastprofessorin an der University of Massachusetts in Amherst und der Haas School of Business, UC Berkeley. Sie ist eine anerkannte Expertin für Unternehmertum und Innovation sowie für regionale Entwicklungsprogramme. 1999-2004 war sie slowenische Wirtschaftsministerin. Sie ist Mitglied des UN-Komitees für Entwicklungspolitik, ernannt vom UN-Generalsekretär für den Zeitraum Januar 2013 – Dezember 2015.

Alessandro Schiesaro

Alessandro Schiesaro ist Professor für Lateinische Literatur an der Universität Rom-Sapienza und Direktor der Sapienza School of Advanced Studies. Nach seinem Studium in Pisa, Berkeley und Oxford lehrte Alessandro Schiesaro in den USA, u. a. als Professor für Klassische Philologie in Princeton, und im Vereinigten Königreich als Professor für Latein am King´s College London. Seit 2008 leitet er das technische Sekretariat des italienischen Ministeriums für Unterricht, Universitäten und Forschung.

1 :

ECTS: European Credit Transfer and Accumulation System – Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen. Studierende erwerben in einem akademischen Jahr in der Regel rund 60 ECTS-Punkte („Credits“).


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