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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 17. Oktober 2014

Menschenhandel 2010-2014: den Sklavenhandel abschaffen

In den Jahren 2010-2012 haben die EU-Mitgliedstaaten 30 146 Opfer von Menschenhandel registriert. Hinter dieser Zahl stehen menschliche Tragödien, zerbrochene Täume und vernichtete Hoffnungen auf ein besseres Leben. Im selben Zeitraum gab es in der EU 8 551 Verfahren gegen Menschenhändler. 80 Prozent der Opfer waren weiblich, und über 1 000 Kinder wurden als Opfer sexueller Ausbeutung registriert. Diese Daten stammen aus einem statistischen Bericht über Opfer und Täter im Bereich des Menschenhandels, der heute von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde. Der Bericht zeigt auch, dass zwischen 2010 und 2014 zahlreiche konkrete Maßnahmen gegen diese schwerwiegende Menschenrechtsverletzung getroffen wurden, zum Beispiel bessere Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und Anleitungen für Grenzbehörden und sonstige Stellen, wie Opfer besser identifiziert werden können.

Anlässlich des 8. Tages der EU gegen Menschenhandel am 18. Oktober 2014 stellt die Kommission heute alle während ihres Mandats 2010-2014 durchgeführten gemeinsamen Bemühungen zur Abschaffung des Menschenhandels vor. Seit der Annahme der Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels im Jahr 2011 werden Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel von allen Gerichten in Europa gleich streng verurteilt (im Allgemeinen mit Gefängnisstrafen), und die EU-Länder müssen den Opfern angemessene Unterstützung gewähren. In der EU-Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels 2012-2016 sind auch 40 konkrete und praktische Maßnahmen gegen Menschenhandel enthalten, wobei der Schutz und die Rechte der Opfer an erster Stelle stehen.

Die Europäische Kommission präsentiert heute ihre Halbzeit-Bericht der EU-Strategie 2012-2016, der der statistische Bericht über Opfer und Täter für 2010-2012 beigefügt ist. Die Kommission berichtet auch über die Anwendung der Richtlinie über Aufenthaltstitel für Drittstaatsangehörige, die Opfer des Menschenhandels sind.

Die für den Bereich Inneres zuständige Kommissarin Cecilia Malmström erklärte: „Als ich vor fast fünf Jahren meine Arbeit als Kommissarin für Inneres aufnahm, war die Abschaffung des Menschenhandels eine meiner Hauptprioritäten. Damals stand die Abschaffung des Menschenhandels nicht wirklich auf der politischen Tagesordnung, und in vielen Ländern war die Haltung gegenüber diesem Verbrechen eher lasch. Heute können wir stolz darauf sein, was wir gegen diese moderne Sklaverei erreicht haben. Unseren Worten sind Taten gefolgt. Wir dürfen in unseren Bemühungen auch nicht nachlassen, weder in Europa noch anderswo. Das sind wir den Frauen, Männern, Mädchen und Jungen schuldig, die gerade jetzt gegen ihren Willen festgehalten und unter entsetzlichen Bedingungen ausgebeutet werden. Jedes Opfer von Menschenhandel ist ein Opfer zu viel.“

Die EU-Strategie 2012-2016: Den Menschenhandel abschaffen

Es werden bereits konkrete Maßnahmen der EU-Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels 2012-2016 durchgeführt. Auf EU-Ebene wurde schon sehr viel dafür getan, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen, u. a. mithilfe folgender Initiativen:

Opfer besser identifizieren: Leitfäden für Behörden und sonstige Stellen zur Identifizierung von Opfern des Menschenhandels, insbesondere für Grenzbeamte und konsularische Dienste

Eng mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten: Plattform der EU und der Zivilgesellschaft zur Bekämpfung des Menschenhandels und elektronische Plattform für hunderte aktiv gegen den Menschenhandel tätige Organisationen der Zivilgesellschaft.

Das Wissen über das Phänomen erhöhen: Studien über die Rechtsprechung zur Ausbeutung der Arbeitskraft, über Kinder als besonders gefährdete Gruppe und Bewertung von Präventionsmaßnahmen

Opfer besser über ihre Rechte informieren: Leitfäden zu den EU-Rechten der Opfer des Menschenhandels für alle Mitgliedstaaten

Kinder als besonders gefährdete Gruppe besser unterstützen und schützen: Handbuch für Behörden und sonstige Stellen - „Vormundschaft für Kinder, die der elterlichen Obsorge entzogen sind“

Die Dienste der EU-Agenturen, die im Bereich Menschenhandel tätig sind, voll ausnutzen

Die Zusammenarbeit mit Drittstaaten verstärken: Umsetzung des maßnahmenorientierten Papiers von 2009 zur Stärkung der externen Dimension der EU im Bereich der Bekämpfung des Menschenhandels.

Datenerhebung: Einige der wichtigsten Feststellungen

Heute veröffentlicht die Europäische Kommission das zweite Arbeitspapier auf EU-Ebene mit Statistiken zum Menschenhandel für die Jahre 2010, 2011 und 2012. Dies ist die einzige statistische Datenerhebung zum Thema Menschenhandel in der EU. In Bezug auf die Datenverfügbarkeit wurden erfreuliche Fortschritte erzielt, doch das Arbeitspapier weist auch auf weitere notwendige Verbesserungen hin. Das Arbeitspapier gibt das volle Ausmaß des Menschenhandels nicht wieder, es enthält nur Daten zu den Opfern und Tätern, die mit nationalen Behörden und Akteuren in Kontakt traten.

Opfer

30 146 Opfer wurden in den drei Jahren von 2010 bis 2012 in den 28 EU-Mitgliedsländern registriert. Die Behörden der Mitgliedstaaten identifizieren Opfer des Menschenhandels früher und treten schneller mit ihnen in Kontakt.

80 % der registrierten Opfer sind weiblich.

16 % der registrierten Opfer sind Kinder.

Über 1 000 Kinder wurden als Opfer sexueller Ausbeutung registriert.

69 % der registrierten Opfer waren von sexueller Ausbeutung betroffen.

95 % der registrierten Opfer sexueller Ausbeutung sind weiblich.

71 % der registrierten Opfer der Ausbeutung der Arbeitskraft sind männlich.

65 % der registrierten Opfer sind EU-Bürger/-innen.

Täter

8 551 Verfahren wegen Menschenhandels wurden von den Mitgliedstaaten in den drei Jahren von 2010 bis 2012 gemeldet.

Über 70 % der Täter sind männlich. Dies betrifft vermutete, verfolgte und verurteilte Täter.

3 786 Verurteilungen wegen Menschenhandels wurden von den Mitgliedstaaten in den drei Jahren gemeldet.

Opferschutz: Aufenthaltstitel zum Schutz von Opfern aus Drittstaaten und zur Ermöglichung ihrer Zusammenarbeit mit den Behörden

In einer getrennt veröffentlichten Mitteilung berichtet die Kommission über die Anwendung der Richtlinie 2004/81/EG über die Erteilung von Aufenthaltstiteln für Drittstaatsangehörige, die Opfer des Menschenhandels sind und die mit den Behörden bei der Untersuchung und Verfolgung von Menschenhandel kooperieren.

Den verfügbaren Zahlen zufolge wird die Möglichkeit der Ausstellung von befristeten Aufenthaltstiteln für Opfer aus Drittstaaten derzeit nicht voll ausgeschöpft. Zum Beispiel gibt es Jahr 2012 nur 1 124 neue Aufenthaltstitel in der EU für Opfer, die mit den Behörden kooperierten, während im selben Zeitraum in 23 Mitgliedstaaten 2 171 Drittstaatsangehörige als Opfer des Menschenhandels registriert wurden.

Die Kommission wird sich weiterhin mit den Mitgliedstaaten darum bemühen, die vollständige und korrekte Umsetzung der Rechtsvorschriften zu gewährleisten und den Austausch bewährter Verfahren, wie z. B. eine Risikobewertung für die einzelnen Opfer vor und während ihrer Zusammenarbeit, zu erleichtern.

Nützliche Links

Vollständiger statistischer Bericht über Menschenhandel 2010-2012

Halbzeit-Bericht über die EU-Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels

Mitteilung über die Anwendung der Richtlinie 2004/81/EG über Aufenthaltstitel für die Opfer des Menschenhandels aus Drittstaaten

Infografiken

Website von Cecilia Malmström

Kommissarin Malmström auf Twitter

EU-Website gegen Menschenhandel

Website der GD Inneres

Die GD Inneres auf Twitter

Kontakt für die Medien:

Michele Cercone (+32 229-80963)

Tove Ernst (+32 229-86764)

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail


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