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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 16. Oktober 2014

Gas-Stresstest: Zusammenarbeit ist entscheidend bei Unterbrechung von Erdgaslieferungen

Was passiert, wenn die Erdgaslieferungen aus Russland in diesem Winter unterbrochen werden? Werden Haushalte und Unternehmen über die Energie verfügen, die sie benötigen? Was können die EU und die Mitgliedstaaten tun? Der heute veröffentlichte Bericht der Kommission über die Krisenfestigkeit des europäischen Gassystems gibt Antworten: an die Haushalte und Unternehmen wird weiter Gas geliefert werden können, wenn die Mitgliedstaaten zusammenarbeiten und die Kräfte des Marktes so lange wie möglich wirken lassen. Staatliche Eingriffe sollten auf regionaler Ebene sorgfältig vorbereitet und nur vorgenommen werden, wenn dies notwendig ist. Der Bericht enthält konkrete kurzfristige Empfehlungen für die am stärksten gefährdeten Mitgliedstaaten und Nachbarstaaten der EU.

Der für Energiefragen zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Günther Oettinger, erklärte dazu: „Dieser Bericht zeigt, dass wir nicht einfach warten, sondern alles tun, was wir können, um vorbereitet zu sein. Wir verfügen zum ersten Mal über eine derart vollständige Übersicht über die Risiken und möglichen Lösungen. Wenn wir zusammenarbeiten, uns solidarisch zeigen und die Empfehlungen dieses Berichts umsetzen, wird man in keinem Haushalt der EU in diesem Winter frieren müssen.“

Aufgrund des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine sind die Gaslieferungen an die EU – wie bereits im Jahr 2009 – erneut unsicher. Angesichts des bevorstehenden Winters wollte die Kommission sich ein klares Bild darüber verschaffen, wo die größten Engpässe auftreten könnten und wie sie entschärft werden können.

Der heute veröffentlichte Bericht stellt die Ergebnisse einer von 38 europäischen Ländern (EU-Mitgliedstaaten und Nachbarländern) durchgeführten Modellierung vor. Es werden verschiedene Szenarien analysiert, insbesondere ein vollständiger Stopp der russischen Gaseinfuhren in die EU während eines Zeitraums von sechs Monaten.

Zusammenarbeit trägt zur Entschärfung der Lage bei

Eine längere Versorgungsunterbrechung in der EU hätte beträchtliche Auswirkungen, wobei die östlichen Mitgliedstaaten und die Länder der Energiegemeinschaft am stärksten betroffenen wären. Finnland, Estland, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien würden mindestens 60 % ihrer Gaslieferungen nicht erhalten. Dies bedeutet, dass auch die privaten Haushalte möglicherweise auf Heizung verzichten müssten. Wenn die Länder zusammenarbeiten anstatt rein nationale Maßnahmen zu ergreifen, müssen jedoch weniger Verbraucher auf Erdgas verzichten. Bei diesem Szenario müsste kein EU-Bürger frieren.

Marktkräfte müssen so lange wie möglich wirken können

Die nationalen Berichte zeigen, dass die EU-Mitgliedstaaten und ihre Nachbarländer ein breites Spektrum von Maßnahmen zur Milderung der Folgen einer Versorgungsunterbrechung in Betracht ziehen, u. a. die Diversifizierung ihrer Versorgungsquellen, die Nutzung von Reserven und strategischen Vorräten, die Drosselung der Nachfrage und die Umstellung auf andere Brennstoffe, wo dies möglich ist. In der Regel sind solche Pläne jedoch zu sehr auf den nationalen Markt beschränkt, und es wird schnell auf interventionistische Maßnahmen zurückgegriffen. Leitprinzip sollte ein marktbasierter Ansatz sein; nicht marktbasierte Maßnahmen (wie die Freigabe strategischer Vorräte, erzwungener Brennstoffwechsel und Einschränkung der Nachfrage) sollten nur ergriffen werden, wenn der Markt versagt. In einem funktionierenden Markt sorgen Preissignale für neue Gaslieferungen (hauptsächlich von Flüssiggas) und schränken die Nachfrage ein. Die kommerzielle Nutzung von Speicheranlagen wird zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage beitragen. Der Bericht enthält konkrete Empfehlungen für kurzfristige Maßnahmen, die an die am stärksten gefährdeten EU-Mitgliedstaaten und die Nachbarstaaten gerichtet sind.

Methodik

Der Bericht enthält eine zusammenfassende Analyse der Ergebnisse, die von den EU-Mitgliedstaaten, den Ländern der Energiegemeinschaft1 sowie von Georgien, der Türkei, Norwegen und der Schweiz übermittelt wurden. Außerdem umfasst er eine Folgenabschätzung, die vom Europäischen Verbund der Fernleitungsnetzbetreiber (ENTSOG) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Energieagentur (IEA) und den G7-Partnerländern (USA, Kanada, Japan) durchgeführt wurde. Ebenso finden sich in dem Paket Analysen für drei Fokusgruppen (Südosteuropa, baltische Staaten und Finnland sowie die Energiegemeinschaft) und ein Bericht über die Zusammenarbeit mit G7-Staaten und anderen Partnerländern, ferner ein Bericht über die Verordnung zur Gewährleistung einer sicheren Erdgasversorgung (994/2010).

Hintergrund

Der Stresstestbericht ist der erste konkrete Schritt hinsichtlich kurzfristiger Maßnahmen im Anschluss an die Strategie für eine sichere europäische Energieversorgung, die am 28. Mai 2014 von der Europäischen Kommission verabschiedet wurde. Die konkreten Empfehlungen des Berichts werden die in der Strategie vorgesehenen Maßnahmen zur Verbesserung der EU-Versorgungssicherheit flankieren: Vollendung des Energiebinnenmarkts, Steigerung der Energieeffizienz, Diversifizierung der externen Energieversorgungsquellen und Nutzung heimischer (fossiler und nicht fossiler) Energiequellen.

Derzeit importiert die EU 53 % der von ihr verbrauchten Energie. Die Energieimportabhängigkeit betrifft Rohöl (fast 90 %), Erdgas (66 %) und in geringerem Maße feste Brennstoffe (42 %) sowie nukleare Brennstoffe (40 %). Fast die Hälfte des Primärenergieverbrauchs in der EU (48 %) entfällt auf die Raumheizung und Warmwasserbereitung.

Weitere Informationen

MEMO/14/593

Live-Berichterstattung über Europe by Satellite (EBS):

http://ec.europa.eu/avservices/ebs/schedule.cfm?sitelang=en&page=3&institution=0&date=10/16/2014

Stresstestbericht: http://ec.europa.eu/energy/stress_tests_en.htm

Kontakt für die Medien:

Marlene Holzner (+32 229-60196)

Nicole Bockstaller (+32 229-52589)

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct – telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail

1 :

Albanien, Bosnien und Herzegowina, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Serbien, die Republik Moldau, die Ukraine und Kosovo.


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