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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 16. September 2014

Studie zeigt: EU-„Forschungsbinnenmarkt“ erfordert jetzt innerstaatliche Reformen

Die Partnerschaft zwischen den Mitgliedstaaten, den Forschungsakteuren und der Kommission hat beim Aufbau des Europäischen Forschungsraums (EFR) gute Fortschritte erzielt. Jetzt sind auf europäischer Ebene die Voraussetzungen für den Aufbau des Europäischen Forschungsraums, in dem sich Forscher frei bewegen und wissenschaftliche Erkenntnisse ungehindert ausgetauscht werden können, geschaffen. Nunmehr müssen in den Mitgliedstaaten Reformen durchgeführt werden, damit der EFR funktioniert.

Dies ist die wichtigste Schlussfolgerung des neuesten EFR-Fortschrittsberichts, den die Kommission heute vorgelegt hat. Der Bericht, mit dem die Gesamtschau des vergangenen Jahres (IP/13/851) aktualisiert wird, enthält einzelne Länderberichte und gewährt einen Einblick in die Umsetzung vor Ort, insbesondere auf der Ebene der Forschungseinrichtungen.

Hierzu erklärte Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft: „Wir haben in den vergangenen Jahren bei der Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums gute Fortschritte erzielt. Jetzt ist es an den Mitgliedstaaten und Forschungseinrichtungen, ihren Zusagen nachzukommen und die notwendigen Reformen durchzuführen. Die Kommission wird sie dabei wo immer möglich unterstützen, z. B. mit Investitionen in Höhe von 80 Mrd. EUR aus unserem neuen Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020. Insbesondere müssen die nationalen und die EU-Forschungsanstrengungen besser aufeinander abgestimmt werden, wenn wir die Wirkung auf EU-Ebene verstärken wollen."

Folgende in der Mitteilung zum EFR angekündigte Initiativen sind jetzt fest etabliert:

  • Die Mitgliedstaaten erlassen immer mehr Maßnahmen zur Unterstützung des EFR und tragen ihnen in ihren nationalen Reformprogrammen Rechnung;

  • die EU hat den EFR in das Europäische Semester aufgenommen;

  • außerdem stellt die EU für EFR-Fördermaßnahmen wie z. B. in den Bereichen offene Stellenausschreibungen, offener Zugang zu Veröffentlichungen und Daten oder Gleichberechtigung der Geschlechter im Rahmen von Horizont 2020 erhebliche Finanzmittel bereit;

  • Forschungsorganisationen wie z. B. Forschungs- und Forschungsfördereinrichtungen haben sich entschieden für die EFR-Agenda eingesetzt;

  • es wurde ein EFR-Überwachungsmechanismus eingeführt, der immer aussagekräftigere Daten zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit auf der Ebene der Mitgliedstaaten und der einzelnen Einrichtungen liefert.

Die Analyse hat bestätigt, dass die im Jahr 2012 von der Kommission festgelegten Bedingungen für die Verwirklichung des EFR jetzt geschaffen sind.

Trotzdem gibt es aber weiterhin Unterschiede sowohl zwischen den Mitgliedstaaten als auch zwischen den Organisationen. So wird z. B. die Forschung in allen Mitgliedstaaten wettbewerbs- und projektgestützt finanziert, in den einzelnen Ländern aber noch in sehr unterschiedlichem Umfang. Außerdem wurden zwar in mehr als der Hälfte aller Mitgliedstaaten Initiativen zur Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Forschung auf den Weg gebracht, wirkliche Veränderungen vollziehen sich aber noch zu langsam. Auch wenn der Bericht zu dem Schluss kommt, dass es keinen Königsweg für die Verwirklichung des EFR gibt, wird klar, dass der EFR dann die größte Wirkung und den meisten Nutzen bringt, wenn entsprechende nationale Maßnahmen eingeführt sind.

Die Mitgliedstaaten müssen bis Mitte 2015 „EFR-Fahrpläne“ erstellen, in denen sie darlegen, welche weiteren Schritte zur Verwirklichung des EFR vorgesehen sind. Die Kommission, Organisationen der Forschungsakteure und die Mitgliedstaaten werden im März 2015 in Brüssel zu einer Bestandsaufnahme zusammenkommen.

Hintergrund

Zweck des EFR ist es, dass Forscher, Forschungseinrichtungen und Unternehmen leichter in andere Staaten wechseln, über Grenzen hinweg in Wettbewerb treten und zusammenarbeiten können. Hierdurch werden die Forschungssysteme in den Mitgliedstaaten gestärkt, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und die Effizienz der Zusammenarbeit erhöht, damit die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wirkungsvoller angegangen werden können.

Führende EU-Politiker haben wiederholt auf die Bedeutung der Vollendung des Europäischen Forschungsraums hingewiesen und in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom Februar 2011 und vom März 2012 hierfür als Frist das Jahr 2014 festgesetzt. Daraufhin hat die Kommission „eine verstärkte Partnerschaft im Europäischen Forschungsraum im Zeichen von Exzellenz und Wachstum" vorgeschlagen, in der die Maßnahmen aufgezeigt werden, die die Mitgliedstaaten, die Interessenträger und die Europäische Kommission zur Verwirklichung des EFR ergreifen sollten. Der Fortschritt wird anhand von fünf Schwerpunktbereichen gemessen: effektivere nationale Forschungssysteme, länderübergreifende Zusammenarbeit, offener Arbeitsmarkt für Forscherinnen und Forscher, Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Forschung sowie optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die Vorteile des EFR für die Leistungen der Mitgliedstaaten und der Forschungseinrichtungen sind bereits offenkundig. So wird in dem Bericht Folgendes festgestellt:

  • Offene und attraktive Forschungssysteme sind innovativer;

  • in Forschungseinrichtungen, die zur Verwirklichung des EFR beitragen, wird mehr veröffentlicht und werden mehr Patentanträge je Forscher gestellt, wodurch mehr Wissen entsteht;

  • die Wirkung der Forschungsarbeiten von Wissenschaftlern, die in andere Länder wechseln, ist um beinahe 20% höher als die anderer Forscher.

Die Informationen im EFR-Fortschrittsbericht wurden aus verschiedenen Quellen wie z. B. den nationalen Reformprogrammen 2014 zusammengetragen. Außerdem hat die Kommission in allen Mitgliedstaaten und in an das EU-Forschungsprogramm angeschlossenen Drittländern eine Umfrage bei den Forschungs- und Forschungsfördereinrichtungen durchgeführt, und diese Daten wurden durch die Studie MORE2 und den Leistungsanzeiger für Forschung und Innovation 2014 ergänzt.

Durch den EFR-Überwachungsmechanismus werden Daten zum Stand der Durchführung der EFR-Maßnahmen bereitgestellt. Da diese Daten aber (großteils) freiwillig erhoben werden, ist ihre Zweckdienlichkeit für die Politik begrenzt. Es sind weitere Arbeiten erforderlich, damit die entscheidenden Faktoren ermittelt und angepasst werden können und die Datenerhebung weiterentwickelt werden kann. Die Kommission wird eine Diskussion mit den Mitgliedstaaten in Gang bringen, die die Frage behandelt, wie sich die nationalen Forschungsstrategien am besten miteinander koordinieren und aufeinander abstimmen und die Mittel in den Bereichen, die die Gesellschaft vor Herausforderungen stellen, bündeln lassen, um die Wirkung auf EU-Ebene zu verstärken.

Weitere Informationen

EFR-Fortschrittsbericht 2014

Europäischer Forschungsraum

EURAXESS-Portal

Kontakt für die Medien:

Michael Jennings (+32 229-63388); Twitter: @ECSpokesScience

Monika Wcislo (+32 229-86595)

Kontakt für die Öffentlichkeit: Europe Direct; telefonisch unter 00 800 6 7 8 9 10 11 oder per E-Mail


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