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Fusionskontrolle: Kommission prüft geplante Übernahme von Cemex West durch Holcim

European Commission - IP/13/986   22/10/2013

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 22 Oktober 2013

Fusionskontrolle: Kommission prüft geplante Übernahme von Cemex West durch Holcim

Die Europäische Kommission hat ein eingehendes Prüfverfahren eingeleitet, um festzustellen, ob die geplante Übernahme des deutschen Unternehmens Cemex West durch seinen schweizerischen Konkurrenten Holcim mit der EU‑Fusionskontrollverordnung im Einklang steht. Beide Unternehmen sind weltweit tätige Anbieter von Zement und anderen Baustoffen. Die Kommission hat Bedenken, dass die Übernahme möglicherweise den Wettbewerb in Teilen Deutschlands und Belgiens, wo Cemex West ein gegenwärtiger oder potenzieller Wettbewerber von Holcim ist, beschränken könnte. Die Einleitung einer eingehenden Prüfung greift dem Ergebnis der Untersuchung jedoch nicht vor. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen (d. h. bis zum 10. März 2014) eine Entscheidung zu treffen.

Holcim plant, einen Teils des Geschäfts des Cemex-Konzerns in den Bereichen Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffe und zementartige Baustoffe in Westdeutschland zusammen mit einer kleinen Anzahl von Anlagen und Standorten in Frankreich und den Niederlanden zu übernehmen.

Die erste Marktuntersuchung der Kommission ergab, dass das geplante Rechtsgeschäft den Wettbewerb in Teilen Deutschlands und Belgiens, wo Holcim und Cemex West bereits miteinander konkurrieren oder in der Lage sind, miteinander in Wettbewerb zu treten, erheblich beeinträchtigen könnte. Insbesondere befürchtet die Kommission, dass die Übernahme in Deutschland und Belgien tätige Zementhersteller möglicherweise in die Lage versetzen könnte, ihr Marktverhalten zu koordinieren, oder eine solche Koordinierung erleichtern könnte.

Bei ihrer Prüfung berücksichtigt die Kommission die Spezifizitäten der Zementindustrie wie die hohe Konzentration des Marktes in Deutschland und Belgien, die hohen Kosten eines Markteintritts, die Bedeutung geschäftlicher und struktureller Verbindungen zwischen Unternehmen, den Grad der Transparenz von Zementpreisen und -produktion sowie frühere Kartelle von Zementunternehmen in Belgien und Deutschland. In diesem Zusammenhang könnte das Verschwinden eines bedeutenden Akteurs wie Cemex West vom Markt die Koordinierung des Marktverhaltens noch wirksamer und nachhaltiger machen, wodurch Wettbewerber möglicherweise weniger Anreize hätten, in Regionen zu expandieren, in denen Holcim stark vertreten ist.

Ferner ergab die Untersuchung der Kommission, dass Holcim und Cemex West die wichtigsten deutschen Lieferanten von Hüttensand sind, ein Nebenprodukt der Stahlproduktion, das zur Substitution von Klinker bei der Zementherstellung und zur Substitution von Zement bei der Betonherstellung dient. Die erste Marktuntersuchung der Kommission ergab, dass die starke Marktstellung von Holcim und Cemex West das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen möglicherweise in die Lage versetzen könnte, die Preise für Hüttensand zu erhöhen, da dann kein ausreichender Wettbewerbsdruck mehr von den auf dem Markt verbleibenden Akteuren ausginge.

Die Kommission wird die geplante Übernahme nun einer eingehenden Prüfung unterziehen, um zu entscheiden, ob sich ihre anfänglichen Bedenken bestätigen oder nicht. Das Vorhaben wurde am 3. September 2013 bei der Kommission angemeldet.

Hintergrund

Das schweizerische Unternehmen Holcim ist ein weltweiter Anbieter von Zement, Zuschlagstoffen, Transportbeton, Asphalt und zementartigen Baustoffen, der in über 70 Ländern tätig ist.

Cemex West umfasst eine Reihe von Betriebseinheiten, die Tochtergesellschaften des Cemex-Konzerns mit Hauptsitz in Mexiko sind. Der Cemex-Konzern ist ein weltweit in den Bereichen Zement, Transportbeton, Zuschlagstoffe und damit verbundene Baustoffe tätiger Baustoffhersteller. Die Betriebseinheiten von Cemex West sind in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in Frankreich und den Niederlanden nahe der deutschen Grenze ansässig.

Das Vorhaben von Holcim und Cemex West steht mit einem anderen Zusammenschluss in Verbindung, in dessen Rahmen Cemex die Kontrolle über die Gesamtheit des tschechischen und spanischen Geschäfts von Holcim in den Bereichen Zement, Transportbeton und Zuschlagstoffe übernehmen wird. Dieses zweite Rechtsgeschäft erreicht nicht die Umsatzschwellen der EU‑Fusionskontrollverordnung und wurde daher bei der spanischen bzw. tschechischen Wettbewerbsbehörde angemeldet. Nach einem Antrag Spaniens nach Artikel 22 der Fusionskontrollverordnung hat die Kommission zugestimmt, den Teil des zweiten Rechtsgeschäfts, der Spanien betrifft, zu prüfen (siehe IP/13/977 vom 18. Oktober 2013). Die tschechische Wettbewerbsbehörde hat sich dagegen entschieden, sich dem spanischen Antrag anzuschließen, und setzt somit ihre Prüfung der möglichen Auswirkungen des zweiten Vorhabens auf den Wettbewerb in der Tschechischen Republik selbst fort. Die Einleitung einer eingehenden Prüfung in der Sache Holcim/Cemex West greift dem Ergebnis der Fusionskontrollverfahren bezüglich Spaniens und der Tschechischen Republik nicht vor.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission ist verpflichtet, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Derzeit laufen keine weiteren eingehenden Prüfverfahren.

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.7009 veröffentlicht.

Kontakt :

Antoine Colombani (+32 2 297 45 13, Twitter: @ECspokesAntoine )

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 2 295 19 25)


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