Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR DA ES NL IT SV FI EL CS ET SK

Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 8. Oktober 2013

Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen unterstreicht die Notwendigkeit, die allgemeine und berufliche Bildung zu verbessern

Jeder fünfte Erwachsene in Europa verfügt über unzureichende Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten, und selbst ein Hochschulabschluss in der gleichen Fachrichtung garantiert in verschiedenen Ländern nicht das gleiche Kompetenzniveau, so die heute von der Kommission und der OECD veröffentlichte erste umfassende internationale Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen. In dieser Erhebung wurden die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten sowie die Problemlösungsfähigkeit im IKT-Bereich von Erwachsenen im Alter von 16-65 Jahren in 17 EU-Mitgliedstaaten bewertet (Belgien (Flandern), Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, der Slowakischen Republik, Spanien, der Tschechischen Republik, dem Vereinigten Königreich (England/Nordirland) und Zypern sowie in Australien, Kanada, Japan, der Republik Korea, Norwegen und den Vereinigten Staaten). Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Investitionen zur Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung zur Erhöhung der Qualifikationen und der Beschäftigungsfähigkeit in Europa.

Die auch als OECD-Programm für die internationale Kompetenzmessung bei Erwachsenen (PIAAC) bekannte Erhebung wurde von Androulla Vassiliou, der EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, und Ángel Gurría, dem Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), in Auftrag gegeben.

„Die Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen deutet auf Schwächen in unseren Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung hin, die wir beheben müssen, wenn wir die Menschen mit den hohen Qualifikationen ausstatten wollen, die sie für ein erfolgreiches Leben brauchen. Es ist untragbar, dass ein Fünftel unserer Bevölkerung nur gering qualifiziert ist. Wir kommen nicht umhin, dieses Problem zu lösen. Doch dafür gibt es keine einfachen Rezepte. Wir müssen auf EU-Ebene ebenso wie auf nationaler Ebene in eine bessere allgemeine und berufliche Bildung investieren.“

Diese Ansicht vertrat auch László Andor, der EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Inklusion, der dazu aufrief, der Finanzierung von allgemeiner und beruflicher Bildung Priorität einzuräumen. „Ich rufe die Mitgliedstaaten eindringlich dazu auf, den Europäischen Sozialfonds besser zu nutzen, um sowohl in Qualifikationen und Ausbildung der jungen Arbeitslosen als auch in das lebenslange Lernen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im mittleren und höheren Lebensalter zu investieren“, sagte er dazu.

Hauptergebnisse der Erhebung:

  • 20 % der EU-Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verfügen über unzureichende Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten: diese Zahl ist noch höher bei den Arbeitslosen, die leicht in die Falle der Geringqualifizierung geraten, da sie sich auch im Erwachsenenalter nicht oder nur wenig fortbilden.

  • 25 % der Erwachsenen fehlen die notwendigen Computerkenntnisse, um die IKT erfolgreich nutzen zu können (hier anzusetzen ist eines der Ziele der neuen Kommissionsinitiative Die Bildung öffnen).

  • Es gibt frappierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern in Bezug auf die Kompetenzen, die durch die formale Schulbildung erworben werden: Schulabgänger mit einem kürzlich erworbenen Abschluss der Sekundarstufe II haben in einigen Mitgliedstaaten die gleichen oder bessere Kompetenzen als Hochschulabsolventen in anderen Mitgliedstaaten.

  • Strategien zum lebenslangen Lernen müssen darauf abzielen, die Kompetenzen im Laufe der Zeit aufrechtzuerhalten, angesichts der Schere zwischen den Generationen, die die Erhebung deutlich gemacht hat, und der erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Vorteile höherer Kompetenzen.

Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten

Die von der OECD erhobenen Daten zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, wie beispielsweise folgende:

In Irland, Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich verfügt jeder Fünfte über unzureichende Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten. In Spanien und Italien trifft dies bereits auf beinahe jeden Dritten zu.

Mehr als 40 % der Erwachsenen in den Niederlanden, Finnland und Schweden haben hohe Problemlösungsfähigkeiten im IKT-Bereich, während in Spanien, Italien, Zypern, Polen und der Slowakei fast jeder fünfte Erwachsene keinerlei Computererfahrung hat.

Die Lese- und Schreibfähigkeiten von Schulabgängern in den Niederlanden und Finnland, die kürzlich die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, sind ähnlich oder sogar besser als diejenigen von Hochschulabsolventen aus Irland, Spanien, Italien, Zypern und dem Vereinigten Königreich (England/Nordirland).

In Belgien (Flandern), Spanien, Frankreich und Finnland haben die 25- bis 34-Jährigen erheblich bessere Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten als die Generation im Alter zwischen 55 und 65.

Die nächsten Schritte

Die Ergebnisse der Erhebung und deren Bedeutung für die allgemeine und berufliche Bildung werden von den Mitgliedstaaten erörtert, damit Abhilfemaßnahmen ergriffen werden können. Das neue Programm Erasmus+ für allgemeine und berufliche Bildung sowie Jugend wird Projekte fördern, mit denen die Kompetenzen von Erwachsenen weiterentwickelt und auf den neuesten Stand gebracht werden sollen. Die Erhebung kann auch den Mitgliedstaaten dabei helfen, Prioritäten für die Finanzierung aus dem Europäischen Sozialfonds 2014-2020 festzulegen, der eine der Hauptquellen für Investitionen in Qualifikationen und Ausbildung darstellt und auch benachteiligten Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Bildung erleichtern kann.

Hintergrund

Die Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen bewertet direkt die Kompetenzen von etwa 5 000 Erwachsenen im Alter von 16-65 in jedem teilnehmenden Land, und ist somit repräsentativ für die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Getestet wurden die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten sowie die Problemlösungsfähigkeit in stark technologiegeprägten Umgebungen. In der Erhebung wurde auch nach der Verwendung von IKT im Beruf und im Alltag gefragt. Weitere Fragestellungen waren, ob die Kenntnisse und Qualifikationen den Arbeitsanforderungen entsprechen, oder betrafen Bildung, Arbeit und den sozioökonomischen Hintergrund.

Diese Erhebung wurde 2011/2012 in 23 Ländern durchgeführt, darunter in 17 EU-Mitgliedstaten, die mehr als 80 % der Bevölkerung der 28 EU-Mitgliedstaaten repräsentieren.

Die Europäische Kommission und die OECD haben kürzlich ein neues Kooperationsabkommen unterzeichnet, um in drei Bereichen enger zusammenzuarbeiten: Kompetenzstrategien, Länderanalysen und internationale Erhebungen.

Die Kommission und die OECD werden im Laufe des Herbstes ein neues öffentliches Portal zur Online-Bewertung von Bildung und Qualifikationen einrichten, mit dem man seine Kompetenzen testen und seine Fähigkeiten in einem internationalen Kontext messen kann.

Heute Nachmittag werden Andreas Schleicher, der stellvertretende Direktor der OECD-Direktion für Bildung und Kompetenzen, und Xavier Prats Monné, der stellvertretende Generaldirektor für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission, eine Informationsveranstaltung für Interessenträger aus dem Bereich allgemeine und berufliche Bildung über die Auswirkungen der Erhebung auf die Europa-Politik abhalten. Die Informationsveranstaltung findet von 14.30-16.00 Uhr im Auditorium des Madou-Gebäudes der Kommission, Place Madou 1, 1210 Saint-Josse-Ten-Noode, statt. Akkreditierte Medien sind willkommen.

Weitere Informationen

MEMO/13/860

Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen auf der OECD-Website

Auswirkungen der Erhebung über die Kompetenzen von Erwachsenen auf die Bildungs- und Ausbildungspolitik in Europa – Analyse der Europäischen Kommission

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung

Websites von Androulla Vassiliou und László Andor

Twitter: Androulla Vassiliou @VassiliouEU und László Andor @LaszloAndorEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 2 295 92 58); Dina Avraam (+32 2 295 96 67)

Jonathan Todd (+32 2 299 41 07); Cécile Dubois (+32 2 295 18 83)


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website