Navigation path

Left navigation

Additional tools

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Shell-Raffinerieanlagen in Hamburg-Harburg durch die schwedische Nynas AB

European Commission - IP/13/804   02/09/2013

Other available languages: EN FR SV

Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 2. September 2013

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Shell-Raffinerieanlagen in Hamburg-Harburg durch die schwedische Nynas AB

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von in Hamburg-Harburg befindlichen Raffinerieanlagen der Shell Deutschland Oil GmbH (Deutschland) durch das schwedische Unternehmen Nynas AB nach der EU-Fusionskontrollverordnung freigegeben. Das von der Kommission durchgeführte eingehende Prüfverfahren hat ergeben, dass die Harburger Raffinerieanlagen höchstwahrscheinlich stillgelegt werden müssten, wenn die geplante Transaktion nicht zustande käme. Eine Stilllegung würde im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) auf dem Markt für naphthenische Grundöle und Prozessöle, die in der Herstellung zahlreicher Produkte zum Einsatz kommen (z. B. in der Industrie verwendeter Kautschuk, Klebstoffe, Düngemittel), und auf dem EWR-Markt für Transformatorenöle, die in Transformatoren zur Isolation verwendet werden, zu einem erheblichen Produktionsrückgang führen. Dies müssten die europäischen Verbraucher dann mit höheren Priesen bezahlen.

Wäre diese Übernahme nicht zustande gekommen, hätte die Harburger Anlage stillgelegt werden müssen. Drastische Produktionskürzungen für spezifische Ölprodukte wären die Folge gewesen,“ so der für Wettbewerbspolitik zuständige Kommissionsvizepräsident Joaquín Almunia. „Wir haben diese Übernahme genehmigt, weil wir unbedingt einen Preisanstieg für die Verbraucher vermeiden wollten.“

Die Kommission hat geprüft, welche Auswirkungen die geplante Übernahme auf den Wettbewerb auf den Märkten für den Verkauf von naphthenischen Grund- und Prozessölen und Transformatorenölen hätte. Nach Vollzug der Übernahme bleibt das zusammengeschlossene Unternehmen der einzige Hersteller naphthenischer Grund- und Prozessöle und der größte Hersteller von Transformatorenölen im EWR. Der einzige nennenswerte Wettbewerber für Nynas wäre das US-amerikanische Unternehmen Ergon, das seit 2008 als Einführer auf dem EWR-Markt tätig ist. Aufgrund ihrer anfänglichen Bedenken, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb beeinträchtigen könnte, leitete die Kommission ein eingehendes Prüfverfahren ein (siehe IP/13/290).

Shell hat allerdings während der eingehenden Prüfung nachgewiesen, dass das Unternehmen den Betrieb der Harburger Raffinerie nicht fortsetzen würde, da die Anlage in ihrer derzeitigen Struktur wirtschaftlich nicht tragfähig ist. Das neue Geschäftsmodell, mit dem Nynas die Harburger Anlage betreiben könnte, weicht von dem bisherigen Geschäftsmodell ab und setzt umfangreiche Investitionen voraus. Bei ihrer eingehenden Prüfung hat die Kommission außerdem festgestellt, dass es außer Nynas keine anderen Interessenten für den Erwerb der Harburger Raffinerieanlagen gibt. Die wahrscheinlichste Alternative zu der geplanten Übernahme wäre die Stilllegung der Harburger Raffinerieanlage. Folglich würde die Zahl der Wettbewerber auf dem Markt ohnehin sinken. Des Weiteren könnte im Falle einer Stilllegung der Harburger Raffinerie der Bedarf an naphthenischen Grund- und Prozessölen im EWR nicht mehr durch die im EWR bestehenden Produktionskapazitäten gedeckt werden. Der EWR-Bedarf für diese Produkte müsste dann durch Einfuhren gedeckt werden, so dass die Verbraucherpreise aufgrund der Einfuhrkosten steigen würden.

Nach Auffassung der Kommission würde sich die Übernahme auch positiv auf den Wettbewerb auswirken, da davon auszugehen ist, dass Nynas erhebliche Einsparungen bei den variablen Kosten für seine zusätzlichen Lieferungen erzielen würde, die das Unternehmen in gewissem Umfang an die Verbraucher weitergeben dürfte.

Deshalb ist die Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass das Vorhaben keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt.

Hintergrund

Nynas hat die geplante Übernahme der Harburger Raffinerieanlagen im Februar 2013 bei der Kommission angemeldet. Im März 2013 leitete die Kommission daraufhin ein eingehendes Prüfverfahren ein (siehe IP/13/290). Am 19. Juni 2013 wurde den beteiligten Unternehmen im Wege einer Mitteilung der Beschwerdepunkte mitgeteilt, dass die geplante Übernahme wettbewerbsrechtliche Probleme aufwirft. Nynas und Shell übermittelten ihre Erwiderungen auf die Mitteilung im Juli 2013.

Weitere Informationen zu dieser Wettbewerbssache werden auf der Website der GD Wettbewerb im öffentlich zugänglichen Register der Kommission unter der Nummer M.6360 veröffentlicht.

Unternehmen und Produkte

Nynas AB ist ein weltweit tätiges Unternehmen für naphthenische Grund- und Prozessöle sowie Transformatorenöle; sein Hauptstandort ist Nynäshamn (Schweden). Naphthenische Grund- und Prozessöle sind Zwischenerzeugnisse, die für die Herstellung zahlreicher Endanwendungen (z. B. Schmiermittel für die Industrie, Metallbearbeitungsflüssigkeiten, Klebstoffe, Farben, unlöslicher Schwefel, in der Industrie verwendeter Kautschuk, Düngemittel, Entschäumer und Zusatzstoffe) benötigt werden. Transformatorenöl hingegen ist ein Enderzeugnis, das unter Verwendung mehrerer Grundöle hergestellt wird. Es wird in der Hochspannungstechnik unter anderem in Transformatoren zur Isolation verwendet.

Nynas steht unter der gemeinsamen Kontrolle der Unternehmen Petróleos de Venezuela S.A und Neste Oil Oyj (Finnland).

Die Shell Deutschland Oil GmbH ist Teil des Shell-Konzerns („Shell“); Konzernmutter ist die Royal Dutch Shell Plc. Shell ist ein voll integrierter globaler Konzern von Energie- und Petrochemieunternehmen, die in vor- und nachgelagerten Bereichen – von der Exploration über die Raffinerie bis hin zum Vertrieb und Einzelhandel – tätig sind.

Bei den Raffinerieanlagen in Hamburg-Harburg handelt es sich um die Harburger Produktionsanlage, in der aus Destillaten Grundöle hergestellt werden, und um bestimmte Teile der Raffinerie, die für die Produktion von Destillaten aus Rohöl benötigt werden. Die übrigen Teile der Raffinerie verbleiben bei Shell.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Zurzeit untersucht die Kommission in einer anderen eingehenden Prüfung, die den Luftfahrtsektor betrifft, die geplante Übernahme von Olympic Air durch Aegean (siehe IP/13/361); diese Prüfung muss bis zum 16. Oktober 2013 abgeschlossen sein.

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 229-74513, Twitter: @ECspokesAntoine)

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 229-51925)


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website