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Kommission stellt Aktionsplan für den Stahlsektor vor

European Commission - IP/13/527   11/06/2013

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 11. Juni 2013

Kommission stellt Aktionsplan für den Stahlsektor vor

Die Europäische Kommission hat heute einen Aktionsplan für die europäische Stahlindustrie vorgelegt. Der Plan soll die Branche dabei unterstützen, die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen und durch die Förderung von Innovation, Wachstum und Beschäftigung das Fundament für die künftige Wettbewerbsfähigkeit zu legen. Damit schlägt die Kommission erstmals seit dem Davignon-Plan von 1977 einen Aktionsplan für die Stahlindustrie vor. Die Kommission will die Nachfrage nach in der EU erzeugtem Stahl sowohl auf dem heimischen Markt als auch im Ausland stützen und dafür sorgen, dass die EU-Stahlproduzenten dank fairen Handelspraktiken Zugang zu Drittlandsmärkten haben. Auch ist die Europäische Kommission fest entschlossen, die Kosten für die Branche zu reduzieren, einschließlich derjenigen Kosten, die ihren Grund in EU-Rechtsvorschriften haben. Innovation, Energieeffizienz und nachhaltige Produktionsprozesse sind entscheidend für die nächste Generation von Stahlerzeugnissen, die wiederum von grundlegender Bedeutung für andere europäische Schlüsselindustrien sind. Der Aktionsplan sieht ferner gezielte Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigung in der Branche und zur Begleitung von Restrukturierungen vor mit dem Ziel, hochqualifizierte Arbeitskräfte in Europa zu halten (MEMO/13/523).

Dazu Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum: „Die Stahlindustrie in Europa hat eine vielversprechende Zukunft. Wenn es ihr gelingt, ihren Spitzenplatz bei innovativen Produkten zu behaupten, wo traditionell ihre Stärke liegt, kann sie sich weltweit einen Wettbewerbsvorteil sichern. Mit der heute vorgelegten Blaupause für die Wiederbelebung des Stahlsektors senden wir ein klares Signal an die Branche, dass sie ein strategisch wichtiger Sektor für Europa und ein Wachstumsmotor ist. Die EU braucht ihre Realwirtschaft mehr denn je, um die wirtschaftliche Erholung zu untermauern, und wir streben an, dass die Industrie bis 2020 hierzu einen Beitrag im Umfang von 20 % des BIP leistet. Dies ist der Beginn eines Prozesses. Ich werde die Entwicklung aufmerksam beobachten, damit wir unsere Anstrengungen bei Bedarf anpassen können. In einem Jahr werden wir prüfen, ob mit den vorgeschlagenen Maßnahmen die angestrebte Wirkung erzielt wurde."

Weitere Informationen

Die Stahlindustrie steht vor großen Herausforderungen,

Die europäische Stahlindustrie leidet unter den gleichzeitigen Auswirkungen einer geringen Nachfrage und weltweiter Überkapazitäten. Darüber hinaus sieht sie sich mit hohen Energiepreisen und einem hohen Bedarf an Investitionen konfrontiert, die sie tätigen muss, wenn ihr die Anpassung an eine „grüne“ Wirtschaft gelingen und sie auf nachhaltige Weise innovative Produkte herstellen soll.

… doch wird die weltweite Stahlnachfrage wieder anziehen

Die Nachfrage nach Stahl liegt in Europa derzeit um 27 % unter dem Vorkrisenniveau. Die Beschäftigung in der Stahlindustrie ist zwischen 2007 und 2011 um 10 % zurückgegangen. Dennoch ist die EU nach wie vor der zweitgrößte Stahlerzeuger in der Welt mit einer Produktion von über 177 Mio. t Stahl jährlich – was 11 % der weltweiten Produktion entspricht – und mit über 360 000 Beschäftigten.

Angaben der OECD zufolge wird die weltweite Stahlnachfrage bis 2025 auf 2,3 Mrd. t ansteigen, vor allem im Baugewerbe, Verkehr und Maschinenbau und insbesondere in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Es kommt entscheidend darauf an, dass die Stahlindustrie in der EU dafür gerüstet ist, die Vorteile dieses wettbewerbsorientierten Marktes in vollem Umfang zu nutzen.

Die aktuelle Situation erfordert eine neue politische Strategie für den Stahlsektor. Daher will die Kommission

  • dafür sorgen, dass ein geeigneter Regulierungsrahmen geschaffen wird: Unter anderem soll bis Ende 2013 bewertet werden, wie hoch der von der Politik verlangte gesamte Regelungsaufwand für die Stahlindustrie ist und wie sich dies auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirkt.

  • das Problem des Qualifikationsbedarfs angehen und den Restrukturierungsprozess erleichtern: Hier wird es darum gehen, mit Blick auf die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit Maßnahmen zur Qualifikationsentwicklung und zur Beschäftigung junger Menschen in der Branche zu fördern. Außerdem soll die Möglichkeit geprüft werden, die einschlägigen EU-Fonds zu nutzen, um im Falle von Standortschließungen den Arbeitskräften bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung behilflich zu sein. Der Europäische Sozialfonds und der Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung werden auch künftig einen Beitrag hierzu leisten. Alle EU-Fonds werden sich am Grundsatz einer intelligenten regionalen Spezialisierung orientieren und dem Aspekt der Nachhaltigkeit der Investitionen zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in den betreffenden Regionen Rechnung tragen.

  • die Stahlnachfrage ankurbeln: Es sollen gezielte Maßnahmen getroffen werden, um die Nachfrage im Automobilsektor und im nachhaltigkeitsorientierten Baugewerbe erhöhen.

  • den Zugang zu Auslandsmärkten verbessern und gleiche Wettbewerbsbedingungen gewährleisten, um die Stahlausfuhren aus der EU zu unterstützen, gegen unfaire Praktiken vorzugehen und den Zugang zu dringend benötigten Rohstoffen sicherzustellen. Die Schrottmärkte sollen überwacht werden, um die Versorgungssicherheit für Stahlproduzenten in der EU zu erhöhen, die Schrott als Rohmaterial verwenden.

  • für bezahlbare Energiekosten sorgen: Die Vollendung des Binnenmarkts für Energie, die Diversifizierung der Versorgung und die Erhöhung der Energieeffizienz werden zu Kostensenkungen beitragen. Die Kommission ist bereit, bei langfristigen Stromverträgen zwischen Versorgern und Kunden beratend tätig zu werden und für eine bessere Vorhersehbarkeit der Kosten zu sorgen. Die kurzfristige Senkung der Energiekosten für energieintensive Industrien wird von den Mitgliedstaaten abhängen. Die Kommission ist entschlossen, auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

  • die EU-Klimapolitik voranbringen: Der EU-Rahmen für die Klimapolitik bis 2030 wird einen entscheidenden Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie leisten, ebenso wie die Verhandlungen über ein verbindliches internationales Übereinkommen über den Klimawandel. Die Herstellung bestimmter geschmiedeter Eisenerzeugnisse soll in Kürze in die „Carbon-Leakage“-Liste (Risiko der Verlagerung von CO2-Emissionen) aufgenommen werden, und die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, Erlöse aus ETS-Versteigerungen für FuE-Projekte in den energieintensiven Industrien bereitzustellen.

  • Innovationen fördern: Es sollen umweltfreundliche Technologien durch die Entwicklung neuer Stahlarten gefördert und innovative Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, insbesondere mit Blick auf die äußerst kostspieligen Pilot- und Demonstrationsphasen, angeregt werden. Im Zeitraum 2014-2020 werden Forschung und Innovation in erster Linie über das Horizont 2020-Programm finanziert, das starkes Gewicht auf die Industrieführerschaft bei Innovationen legt. Der Stahlsektor wird auch von der Europäischen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe profitieren und im genannten Programmplanungszeitraum 280 Mio. EUR aus dem Forschungsfonds für Kohle und Stahl erhalten.

Die Kommission schlägt die formelle Einsetzung einer Hochrangigen Gruppe vor, die die Umsetzung des Aktionsplans überwachen soll. In zwölf Monaten wird die Kommission eine Bilanz der Fortschritte ziehen.

Hintergrund

Mit 360 000 Beschäftigten, einem Umsatz von rund 170 Mrd. EUR und ihrer Position in der Wertschöpfungskette vieler Bereiche der nachgelagerten verarbeitenden Industrie nimmt die Stahlbranche in der Wirtschaft einen strategisch bedeutsamen Platz ein.

Der Stahlsektor ist eng mit vielen anderen nachgelagerten Industriesektoren verbunden, wie Automobilindustrie, Baugewerbe, Elektronik, Maschinenbau und Elektroingenieurwesen. Die Stahlindustrie verfügt über eine signifikante grenzüberschreitende Dimension: In der EU befinden sich 500 Produktionsstandorte in 23 Mitgliedstaaten, so dass die Stahlindustrie nicht nur in der Vergangenheit eine echte europäische Industrie war, sondern dies auch heute noch ist. Mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl hat das europäische Projekt seinerzeit seinen Anfang genommen.

Europa braucht seine Grundlagenindustrien, die andere Branchen im Reindustrialisierungsprozess unterstützen. Stahl, Chemieerzeugnisse, Glas und Zement sind wichtige Komponenten der industriellen Wertschöpfungskette für eine umweltgerechtere Gestaltung der Volkswirtschaft. Stahl ist zu 100 % recycelbar und ist das wichtigste Ausgangsmaterial in der Wertschöpfungskette des verarbeitenden Gewerbes.

Kontakt:

Carlo Corazza (+32 2 295 17 52) Twitter: @ECspokesCorazza

Sara Tironi (+32 2 299 04 03)


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