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Der Druck wirkt: Frauenanteil in den Leitungsorganen der Unternehmen auf 15,8 % gestiegen

European Commission - IP/13/51   25/01/2013

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Davos, den 25. Januar 2013

Der Druck wirkt: Frauenanteil in den Leitungsorganen der Unternehmen auf 15,8 % gestiegen

Die Kommission legte heute neue Zahlen zu den Frauenanteilen in den Boards börsennotierter Unternehmen vor. Diese belegen einen Anstieg des Frauenanteils in den Leitungsorganen von 13,7 % im Januar 2012 auf jetzt 15,8 %. Unter den nicht geschäftsführenden Board-Mitgliedern (Aufsichtsräten) betrug ihr Anteil durchschnittlich 17 % (im Januar 2012 waren es 15 %), unter den geschäftsführenden Board-Mitgliedern 10 % (zuvor 8,9 %). Der Frauenanteil hat sich in sämtlichen EU-Ländern mit Ausnahme von drei Ländern (Bulgarien, Polen und Irland) erhöht.

Die neuen Zahlen zeigen einen Anstieg um 2,2 Prozentpunkte seit Oktober 2011. Nie zuvor ist der Frauenanteil innerhalb eines Jahres so deutlich gestiegen. Dem vorausgegangen war die Vorlage eines Vorschlags der Europäischen Kommission über die Gleichstellung von Frauen in den Leitungsorganen der Unternehmen (IP/12/1205 und MEMO/12/860) am 14. November 2012, der zum Ziel hat, den Frauenanteil in diesen Organen – ausgehend von gleicher Leistung - auf 40 % anzuheben. Der Anstieg der Frauenanteile zeigt außerdem, was auf höchster EU-Ebene geführte Debatten über rechtliche Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Unternehmensleitung bewirken.

Vizepräsidentin Viviane Reding präsentierte die aktuellen Zahlen heute auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in einer öffentlichen Sitzung zum Thema „Frauen in Führungspositionen", in der sie neben Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, das Wort ergriff.

„Die Erfahrung hat es gezeigt: Gesetzgeberischer Druck wirkt. Die Unternehmen begreifen allmählich, dass sie es sich einfach nicht leisten können, auf die Frauen und ihr Potenzial zu verzichten, wenn sie in einer alternden Gesellschaft wettbewerbsfähig bleiben wollen: 60 % der Hochschulabsolventen sind nun einmal Frauen, “ so Vizepräsidentin Reding, die für das Ressort Justiz zuständig ist. „In Ländern wie Belgien, Frankreich und Italien wurden kürzlich Regelungen eingeführt, die erste Erfolge zeigen. Diese Beispiele machen deutlich, dass zeitlich befristete gesetzgeberische Maßnahmen Veränderungen herbeiführen können. Die europaweit geltenden Vorschriften, die wir auf den Tisch gebracht haben, werden dafür sorgen, dass das vorhandene Potenzial genutzt wird und in den Leitungsorganen der Unternehmen im EU-Binnenmarkt Frauen und Männer in ausgewogenem Verhältnis vertreten sind.“

Von den Ländern mit Quotenregelungen gehen nach wie vor die stärksten Impulse aus. Den größten prozentualen Anstieg verzeichnete Italien (plus 4,9 Prozentpunkte auf 11 %), das vor kurzem eine Quotenregelung eingeführt hat. Börsennotierte und staatseigene Unternehmen müssen bis 2015 ein Drittel der Posten in den Geschäftsführungs- und Aufsichtsorganen mit Frauen besetzen. Frankreich, das 2011 eine Quotenregelung eingeführt hat, hat als erstes Land der EU erreicht, dass in den obersten Leitungsorganen aller großen börsennotierten Unternehmen mehr als eine Frau vertreten ist. Frauen stellen inzwischen 25 % der Mitglieder der Leitungsgremien der im CAC 40 notierten Unternehmen in Frankreich – 2,8 Prozentpunkte mehr als noch zehn Monate zuvor (Januar bis Oktober 2012). Frankreich hat eine Quote von 40 % für alle nicht geschäftsführenden Mitglieder von Leitungsorganen sowohl in börsennotierten als auch in nicht börsennotierten großen Unternehmen (mit mindestens 500 Angestellten und Einnahmen von über 50 Mio. EUR) eingeführt, die bis 2017 erreicht sein muss; als Etappenziel für 2014 werden 20 % anvisiert.

Bulgarien verzeichnete indessen als einziges Land einen deutlichen Rückgang des Frauenanteils (um 4 Prozentpunkte), und in Polen und Irland lagen die Frauenanteile in den Leitungsorganen unverändert bei 12 % bzw. 9 %.

Die heute vorgelegten Zahlen sind ermutigend. Doch bleibt noch viel zu tun. Ein Viertel der größten Unternehmen in der EU (25 %) wird noch immer allein von Männern geführt.

Im März 2012 veröffentlichte die Europäische Kommission ihren letzten Jahresbericht über Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU. Der nächste umfassende Bericht wird im April 2013 erscheinen. Die heute veröffentlichten Zahlen wurden im Oktober 2012 erfasst und werden mit den Daten von Januar 2012 verglichen. Die vollständigen Daten sind online verfügbar.

Hintergrund

Am 14. November 2012 einigte sich die Kommission auf einen Richtlinienvorschlag, der vorschreiben soll, dass das unterrepräsentierte Geschlecht unter den Aufsichtsratsmitgliedern der börsennotierten Unternehmen ab 2020 und der börsennotierten öffentlichen Unternehmen ab 2018 mit mindestens 40 % vertreten sein muss (siehe IP/12/1205 und MEMO/12/860).

Wichtigste Elemente des Richtlinienentwurfs:

  • Wenn ein börsennotiertes Unternehmen in Europa nicht über einen Frauenanteil von 40 % in seinem Aufsichtsrat verfügt, ist es nach den neuen Vorschriften verpflichtet, eine neues Auswahlverfahren für die Board-Mitglieder einzuführen, das qualifizierte weibliche Kandidaten begünstigt.

  • In den neuen Vorschriften wird die Qualifikation das ausschlaggebende Kriterium sein. Keine Frau wird zum Aufsichtsratsmitglied ernannt, nur weil sie eine Frau ist. Andererseits wird keiner Frau wegen ihres Geschlechts eine solche Position verweigert.

  • Die Richtlinie wird nur für die Aufsichtsorgane beziehungsweise für die Positionen nicht geschäftsführender Direktoren von börsennotierten Unternehmen gelten, weil diese einen großen wirtschaftlichen Einfluss und Außenwirkung haben. Kleine und mittlere Unternehmen sind ausgenommen.

  • Für Unternehmen, die gegen die Richtlinie verstoßen, müssen die Mitgliedstaaten angemessene, abschreckende Sanktionen vorsehen.

  • Die Vorschriften sind zeitlich befristet. Sie treten im Jahr 2028 automatisch außer Kraft.

  • Als ergänzende Maßnahmen ist auch eine „Flexiquote“ vorgesehen, d. h. eine Verpflichtung für börsennotierte Unternehmen, bis 2020 (bis 2018 für öffentliche Unternehmen) im Wege der Selbstregulierung eigene Zielvorgaben für ein ausgewogeneres Zahlenverhältnis zwischen Frauen und Männern unter den geschäftsführenden Direktoren bzw. Vorstandsmitgliedern festzulegen. Die Unternehmen müssen jährlich über ihre Fortschritte berichten.

Wie geht es weiter? Der Vorschlag der Kommission muss nun vom Europäischen Parlament und von den EU-Mitgliedstaaten im Rat verabschiedet werden, damit er in Kraft treten kann. Das Europäische Parlament hat das Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) Rodi Kratsa-Tsagaropoulou (Ausschuss für die Rechte der Frau) und MdEP Evelyn Regner (Rechtsausschuss) als Berichterstatter für den Vorschlag ernannt. Der Rat hat den Vorschlag im Dezember erstmals diskutiert (MEMO/12/940). Der irische EU-Vorsitz wird voraussichtlich eine weitere Diskussion auf die Tagesordnung der Ratstagung der Arbeits- und Sozialminister (Rat „Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz“) am 20. Juni 2013 setzen. Am 15. Januar hat der Richtlinienentwurf die Subsidiaritätsprüfung erfolgreich durchlaufen (mit 43 zu 11 Stimmen). Bei dieser Prüfung stimmen die nationalen Parlamenten (jeweils zwei Stimmen, also insgesamt 54 Stimmen) über die Frage ab, ob eine Angelegenheit auf EU-Ebene geregelt oder doch lieber den Mitgliedstaaten überlassen werden sollte.

Weitere Informationen

Datenbank der Europäischen Kommission über die Mitwirkung von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen:

http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-decision-making/database/index_de.htm

Pressemappe – Frauen in wirtschaftlichen Führungspositionen: http://ec.europa.eu/justice/newsroom/gender-equality/news/121114_de.htm

Eurobarometer-Umfrage zur Gleichstellung: http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_376_de.pdf

Homepage von Viviane Reding, Vizepräsidentin und Justizkommissarin der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/reding/index_de.htm

Vizepräsidentin Reding auf Twitter: @VivianeRedingEU

Kontakt:

Mina Andreeva (+32 2 299 13 82)

Natasha Bertaud (+32 2 296 74 56)

ANNEX

Figure 1 – Gender balance on the boards of the largest companies around the EU, Oct-2012

Source: European Commission, Database on women and men in decision-making

Figure 2 - Change in the share of women board members, January-October 2012 (percentage points)

Source: European Commission, Database on women and men in decision-making

Figure 3 - Share of women amongst board-level non-executives and top-level executives, Oct-2012

Source: European Commission, Database on women and men in decision-making


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