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Europäische Kommission veröffentlicht Grünbuch über die langfristige Finanzierung der europäischen Wirtschaft

European Commission - IP/13/274   25/03/2013

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 25. März 2013

Europäische Kommission veröffentlicht Grünbuch über die langfristige Finanzierung der europäischen Wirtschaft

Die Europäische Kommission hat heute ein Grünbuch angenommen, mit dem sie eine dreimonatige öffentliche Konsultation über die Förderung des Angebots langfristiger Finanzierungen und über Möglichkeiten zur Verbesserung und Diversifizierung der Finanzvermittlung für langfristige Investitionen in Europa startet. Langfristige Investitionen sind Ausgaben, die die Produktionskapazität der Wirtschaft erhöhen. Dazu gehören u. a. Infrastrukturen für Energie, Verkehr und Kommunikation, Industrie- und Serviceeinrichtungen, Technologien für Klimaschutz und Ökoinnovation, aber auch Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung. In Europa besteht ein großer Bedarf an langfristigen Investitionen, die eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum sind. Um diese Investitionen finanzieren zu können, brauchen Regierungen, Unternehmen und private Haushalte Zugang zu einer verlässlichen, langfristigen Finanzierung.

Da der Finanzsektor in Europa es seit Beginn der Finanzkrise weniger gut schafft, Ersparnisse in langfristige Investitionen zu lenken, muss geprüft werden, was für eine bessere Verfügbarkeit langfristiger Finanzierungen getan werden kann. Im Grünbuch wird untersucht, wie dieser Prozess verläuft.

Eine der wichtigen Fragen lautet, ob Europa bei der Finanzierung langfristiger Investitionen einen Weg aus seiner traditionell starken Abhängigkeit von der Vermittlungstätigkeit der Banken hin zu einem stärker diversifizierten System mit deutlich höherem Anteil der direkten Kapitalmarktfinanzierung (d. h. Anleihenfinanzierung) und stärkerem Engagement institutioneller Anleger (z. B. Pensionsfonds) finden kann und ob dies angestrebt werden sollte. Hier wären noch weitere Alternativen denkbar. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Finanzierungsbedarf von KMU, da diese langfristiges Wachstum untermauern können. Sie benötigen Zugang zu Bankkrediten und Nichtbankenfinanzierungen.

Die im Rahmen der Konsultation eingehenden Antworten werden der Kommission bei der Suche nach Lösungen zur Überwindung der Hindernisse für langfristige Finanzierungen helfen. Folgemaßnahmen können die Form legislativer, aber auch anderer Maßnahmen annehmen.

Hierzu der für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständige Kommissar Michel Barnier: „Europas Wirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen und muss u. a. einen enormen Bedarf an langfristigen Investitionen decken. Diese sind eine wesentliche Voraussetzung für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit und unterstützen die Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum und Beschäftigung in Europa. Dafür sind langfristige Finanzierungen erforderlich. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft und unser Finanzsektor — einschließlich der Banken und institutioneller Anleger wie Versicherer und Pensionsfonds – in der Lage sind, langfristige Investitionen zu finanzieren. Dies ist eine wichtige, aber komplexe Aufgabe. Wir müssen ermitteln, welche Hindernisse für langfristige Finanzierungen bestehen, und prüfen, was noch mehr getan werden kann, um diese Hindernisse zu beseitigen.“

Der für Wirtschaft, Währung und den Euro zuständige Kommissionsvizepräsident Olli Rehn erklärte: „Der erforderliche Prozess des Abbaus von Ungleichgewichten in der europäischen Wirtschaft ist im Gange, und die Finanzmärkte sollten in der Lage sein, den sich beschleunigenden Strukturwandel zu unterstützen. Wir müssen sicherstellen, dass der Rahmen für langfristige Investitionen und Finanzierungen umfassend und flexibel genug ist, um diese Herausforderungen zu meistern und so Europas Wachstumspotenzial zu stärken.“

Hintergrund

Das Grünbuch befasst sich mit langfristigen Investitionen im Sinne der Bildung langlebiger Sachanlagen und immaterieller Vermögenswerte. Viele Investitionen in Energieinfrastrukturen, Klimaschutz, Bildung usw. dienen dem öffentlichen Interesse, da sie durch die Förderung essentieller Dienstleistungen und die Verbesserung des Lebensstandards positive Wirkung auf die gesamte Gesellschaft entfalten. Ihre Auswirkungen können sich aber auch kurzfristig bemerkbar machen. Sie schaffen für Unternehmen und Regierungen die Voraussetzungen, um neue wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen anzugehen, erleichtern den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und fördern langfristiges Produktivitätswachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Klimawandel und die Verknappung der natürlichen Ressourcen verdeutlichen, welch große Herausforderung nachhaltiges Wachstum darstellt, und machen vor dem Hintergrund des 2-Grad-Ziels der Klimapolitik und der angestrebten Abkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch mehr langfristige Investitionen in kohlenstoffarme Energien, Energie- und Ressourceneffizienz und Infrastrukturen erforderlich. Die Bedeutung langfristiger Finanzierungen für Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen wurde auf internationaler Ebene durch die G20 anerkannt.

Die Fähigkeit der Wirtschaft zur Finanzierung langfristiger Investitionen hängt davon ab, wie gut das Finanzsystem in der Lage ist, Mittel wirksam und effizient zu kanalisieren, so dass diese über offene, wettbewerbsorientierte Märkte bei den richtigen Nutzern und Verwendungszwecken ankommen. Dieser Prozess kann über Intermediäre (z. B. Banken, Versicherer und Pensionsfonds) und durch direkten Zugang zu den Finanzmärkten erfolgen.

In Europa liegen sowohl die Investitionsquote als auch die gesamtwirtschaftliche Sparquote im Vergleich zu anderen Regionen der Welt auf einem günstigen Niveau. Hinter diesem Gesamtbild verbirgt sich jedoch die Tatsache, dass aufgrund der ungünstigen makroökonomischen Lage und der schwachen Aussichten sowohl bei Sparern als auch bei Anlegern derzeit ein hoher Grad an Unsicherheit und Risikoscheu herrscht und es generell an Vertrauen mangelt. Dies kann bleibende Auswirkungen haben und dauerhafte Hindernisse für das Angebot langfristiger Finanzierungen schaffen.

Eine der wichtigsten Lehren aus der Krise ist die Einsicht in die Notwendigkeit einer angemessenen Regulierung und Überwachung des Finanzsektors, da nur so finanzielle Stabilität gewährleistet und das Vertrauen in die Märkte wiederhergestellt werden kann. Die EU setzt derzeit ein umfassendes Programm zur Reform des Finanzsystems um, das breiter angelegte fiskalische und wirtschaftspolitische Reformen ergänzt. Finanzielle Stabilität ist von zentraler Bedeutung, reicht allein aber nicht aus. Deshalb muss die Feinabstimmung des neuen Regulierungs- und Aufsichtsrahmens darauf ausgerichtet sein, dem Finanzsektor auf möglichst effiziente Weise und ohne Gefährdung der finanziellen Stabilität Möglichkeiten zur Unterstützung der Realwirtschaft zu geben. Vor diesem Hintergrund sollte bei der Förderung der langfristigen Finanzierung der europäischen Wirtschaft ein breites Spektrum miteinander verknüpfter Aspekte berücksichtigt werden:

  • Fähigkeit der Finanzinstitute zur Kanalisierung langfristiger Finanzierungen;

  • Effizienz und Wirksamkeit der Finanzmärkte bei der Bereitstellung langfristiger Finanzierungsinstrumente;

  • Querschnittsfaktoren, die langfristiges Sparen und langfristige Finanzierungen ermöglichen;

  • Erleichterung des Zugangs zu Bankkrediten und Nichtbankenfinanzierungen für KMU.

Siehe auch MEMO/13/280

Weitere Informationen:

http://ec.europa.eu/internal_market/finances/financing-growth/long-term/index_de.htm

Kontakt:

Chantal Hughes (+32 2 296 44 50)

Audrey Augier (+32 2 297 16 07)

Carmel Dunne (+32 2 299 88 94)


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