
Europäische Kommission
Pressemitteilung
Brüssel, 19. März 2013
Sicherheit im Straßenverkehr: EU meldet bisher niedrigste Zahl von Todesopfern und unternimmt erste Schritte für eine Strategie zur Verringerung der Unfälle mit Verletzungen
Die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr in der EU ist 2012 um 9 % gesunken. Aus den neuen heute von der Europäischen Kommission vorgelegten Zahlen geht hervor, dass seit Beginn der Datenerfassung in den Ländern der EU im Jahr 2012 die geringste Zahl von Todesopfern im Straßenverkehr zu verzeichnen war.
Siim Kallas, Vizepräsident der Kommission und zuständig für Verkehrsfragen, erklärte dazu: „2012 war mit der geringsten Zahl von Verkehrstoten ein Meilenstein für die europäische Straßenverkehrssicherheit. Ein Rückgang der Zahl der Verkehrstoten um 9 % bedeutet, dass letztes Jahr 3 000 Menschen weniger ihr im Straßenverkehr verloren. Diese Ergebnisse sind höchst motivierend. Aber noch immer sterben jeden Tag 75 Menschen auf den Straßen Europas, und daher ist Selbstzufriedenheit absolut fehl am Platz. Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr in der EU bis 2020 um die Hälfte zu verringern, und wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, wenn wir dieses Ziel erreichen wollen.
„Doch die Unfälle mit Todesfolge sind gewissermaßen nur die Spitze des Eisbergs. Auf jeden Verkehrstoten auf Europas Straßen kommen 10 Schwerverletzte, die Hirn- oder Wirbelsäulenverletzungen erleiden. Wir brauchen eine Strategie, um die Zahl der schweren Verletzungen im Straßenverkehr EU-weit zu verringern."
Aufgeschlüsselt nach Ländern (siehe untenstehende Tabelle) zeigen die Statistiken jedoch, dass EU-weit immer noch große Unterschiede bei der Zahl tödlicher Unfälle bestehen. Die Länder mit den wenigsten Todesopfern im Straßenverkehr sind nach wie vor das Vereinigte Königreich, Schweden und Dänemark mit ca. 30 Verkehrstoten auf eine Million Einwohner.
Nach den enttäuschenden Zahlen von 2011, als die Zahl tödlicher Unfälle im Straßenverkehr nur um 2 % zurückging, bedeutet nun die Verringerung dieser Unfälle um 9 % im Jahr 2012, dass die Mitgliedstaaten wieder auf dem richtigen Kurs zur Halbierung dieser Zahl zwischen 2010 und 2020 sind. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine durchschnittliche Verringerung um ca. 7 % erforderlich.
Den größten Anlass zur Besorgnis bei den Statistiken zur Straßenverkehrssicherheit für 2011 gab der hohe Anstieg der Zahl von Todesopfern unter den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern wie Fußgänger, Motorradfahrer und ältere Menschen – und zwar trotz einer insgesamt niedrigeren Zahl von Todesopfern. Die vorläufigen Daten für 2012 besagen jedoch, dass die Zahl der besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmer, die bei einem Verkehrsunfall ihr Leben verloren, wieder deutlich gesunken ist.
EU-Programm für die Straßenverkehrssicherheit 2011-2020
Das europäische Programm für die Straßenverkehrssicherheit 2011-2020 (vgl. MEMO/10/343) enthält umfassende Pläne zur Halbierung der Zahl der Verkehrstoten in Europa im kommenden Jahrzehnt. Es umfasst ehrgeizige Vorschläge, bei denen der Schwerpunkt jeweils auf Verbesserungen bei den Fahrzeugen, der Infrastruktur oder dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer liegt. Zu den wichtigsten Initiativen gehörten in jüngster Zeit:
ein neuer EU-Führerschein, der seit Januar 2013 gilt, mit strengeren Vorschriften für den Zugang junger Fahrer zu schweren Motorrädern;
nationale Durchsetzungspläne, die von den Mitgliedstaaten vorgelegt werden und eine wertvolle Quelle für bewährte Praktiken darstellen;
Vorschriften für die grenzübergreifende Durchsetzung, um in einem anderen Land begangene Verstöße gegen Verkehrsregeln zu ahnden (Alkohol am Steuer, Geschwindigkeitsübertretungen, usw.), die seit November 2012 in Kraft sind;
Arbeiten an einer Strategie zur Verringerung der Zahl der Verletzungen (siehe unten).
Entwicklung einer Strategie zur Verringerung der Verletzungen: gegenwärtiger Stand der Dinge
Laut Schätzungen kommen auf jeden tödlichen Unfall auf den Straßen Europas 10 Unfälle mit schweren und 40 Unfälle mit leichteren Verletzungen.
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg bei der Verringerung der Zahl tödlicher Unfälle war der ergebnisorientierte Ansatz der zwei aufeinander folgenden Zehnjahresstrategien für die Straßenverkehrssicherheit in der EU. Mit einem vergleichbaren Akzent bei Maßnahmen zur Verringerung schwerer, aber nicht tödlicher Verletzungen im Straßenverkehr ließe sich viel erreichen. Das Problem liegt darin, dass die derzeit vorliegenden Zahlen über schwere Verletzungen allgemeiner Natur und Schätzwerte sind. Die Berichterstattung über schwere Verletzungen ist unpräzise und lückenhaft, außerdem sind die Zahlen innerhalb der EU nicht vergleichbar.
Aus diesen Gründen legt die Europäische Kommission heute ein Dokument über schwere Verletzungen im Straßenverkehr vor, in dem die nächsten Schritte zu einer umfassenden EU-Strategie für schwere Verletzungen im Straßenverkehr skizziert werden: einheitliche Definition schwerer Verletzungen im Straßenverkehr (anwendbar ab 2013), Leitlinien für die Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Erfassung von Daten über schwere Unfälle im Straßenverkehr (erste Berichterstattung anhand vergleichbarer Verfahren zur EU-weiten Datenerfassung und auf der Grundlage der neuen Definition, 2014); Grundsatz der Annahme eines Ziels auf EU-Ebene für die Verringerung der Straßenverkehrsunfälle mit schweren Verletzungen (z. B. für den Zeitraum 2015-2020).
Ein entscheidender Schritt vorwärts erfolgte bereits 2012 mit der Einigung über ein EU-weites System für die Definition schwerer Verletzungen bei Straßenverkehrsunfällen. Die Europäische Kommission hat mit den Mitgliedstaaten in der Hochrangigen Gruppe für Straßenverkehrssicherheit intensiv zusammengearbeitet, um eine Einigung über die MAIS-Verletzungsskala (Maximum Abbreviated Injury Score) für die Definition schwerer Verletzungen bei Straßenverkehrsunfällen zu erzielen. Weitere Informationen zur Strategie gegen Verletzungen: siehe MEMO/13/232
5 zentrale Fakten: Was wissen wir bisher über schwere Verletzungen?
Aktuelle Statistiken besagen:
Jedes Jahr ereignen sich in der EU im Straßenverkehr etwa 250 000 Unfälle mit schweren Verletzungen – gegenüber 28 000 Unfällen mit Todesopfern im Jahr 2012.
Während die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr in den letzten zehn Jahren um 43 % zurückging, konnte die Zahl der schweren Verletzungen in diesem Zeitraum nur um 36 % reduziert werden.
Die häufigsten schweren Verletzungen bei Straßenverkehrsunfällen sind Kopf- und Hirnverletzungen, gefolgt von Verletzungen der Beine und der Wirbelsäule.
Besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer, z. B. Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer oder Angehörige bestimmter Altersgruppen – vor allem ältere Menschen – sind von schweren Verletzungen im Straßenverkehr besonders häufig betroffen. Die Zahl der schweren Verletzungen ist im Stadtverkehr höher als auf dem Lande.
Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen „First milestones towards an injury strategy” (Erste Meilensteine auf dem Weg zu einer Strategie zur Verringerung schwerer Verletzungen, nur englische Fassung: vgl. http://ec.europa.eu/transport/road_safety/topics/serious_injuries/index_en.htm
Länderstatistiken zu tödlichen Unfällen im Straßenverkehr 20121
Mitgliedstaat | Tödliche Unfälle je 1 Million Einwohner | Entwicklung der tödlichen Unfälle | |||||
| 1965 | 2010 | 2011 | 2012 | Jährlicher Rückgang 2000-2010 | 2010-2011 | 2011-2012 |
Belgien | 147 | 77 | 78 | 73 | -6 % | 2 % | -12 % |
Bulgarien | 91 | 103 | 89 | 82 | -3 % | -15 % | -8 % |
Tschechische Republik | 150 | 76 | 74 | 71 | -5 % | -4 % | -4 % |
Dänemark | 212 | 46 | 40 | 32 | -6 % | -14 % | -18 % |
Deutschland | 234 | 45 | 49 | 44 | -7 % | 10 % | -10 % |
Estland | 178 | 58 | 75 | 65 | -10 % | 29 % | -14 % |
Irland | 124 | 47 | 41 | 36 | -7 % | -12 % | -12 % |
Griechenland | 89 | 111 | 101 | 92 | -4 % | -9 % | -10 % |
Spanien | 114 | 54 | 45 | 41 | -9 % | -17 % | -9 % |
Frankreich | 249 | 62 | 61 | 56 | -8 % | -1 % | -8 % |
Italien | 186 | 68 | 64 | 62 | -6 % | -6 % | -2 % |
Zypern | 162 | 73 | 85 | 59 | -5 % | 18 % | -28 % |
Lettland | 290 | 97 | 86 | 86 | -10 % | -18 % | -2 % |
Litauen | 250 | 90 | 97 | 100 | -9 % | -1 % | 2 % |
Luxemburg | 250 | 64 | 64 | 65 | -8 % | 3 % | 3 % |
Ungarn | 86 | 74 | 64 | 60 | -6 % | -14 % | -5 % |
Malta | 36 | 36 | 51 | 26 | -1 % | 40 % | -48 % |
Niederlande | 202 | 32 | 33 | 32 | -7 % | 2 % | -1 % |
Österreich | 252 | 66 | 62 | 64 | -6 % | -5 % | 4 % |
Polen | 79 | 102 | 109 | 93 | -4 % | 7 % | -15 % |
Portugal | 117 | 79 | 84 | 71 | -6 % | -7 % | -16 % |
Rumänien | 98 | 111 | 94 | 96 | 0 % | -15 % | 1 % |
Slowenien | 327 | 67 | 69 | 59 | -7 % | 2 % | -13 % |
Slowakei | 128 | 68 | 60 | 55 | -5 % | -13 % | -9 % |
Finnland | 230 | 51 | 54 | 48 | -5 % | 7 % | -11 % |
Schweden | 170 | 28 | 34 | 31 | -8 % | 20 % | -7 % |
Vereinigtes Königreich | 146 | 31 | 31 | 28 | -7 % | 3 % | -12 % |
EU | 171 | 62 | 60 | 55 | -6 % | -2 % | -9 % |
Kontakt: Helen Kearns (+32 2 298 76 38) Dale Kidd (+32 2 295 74 61) |
Die Zahlen für 2012 sind vorläufige Daten; bei den endgültigen Daten könnten sich für einzelne Länder geringfügige Änderungen ergeben. Die Zahlen für 1965 basieren auf Daten der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE). Für die folgenden Länder stammen die ersten verfügbaren Daten aus anderen Jahren: Slowakei, Tschechische Republik und Slowenien: 1970. Estland, Lettland und Litauen: 1980.