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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 7. März 2013

Umweltschutz: Was tun mit Kunststoffabfällen? Neues Grünbuch leitet EU-weite Überlegungen ein

Kunststoff ist in unserer modernen Welt unverzichtbar geworden. Kunststoffe sind vielfältig einsetzbar und haltbar, bei ihrer Entsorgung kann aber gerade diese Haltbarkeit Probleme bereiten. Ein Grünbuch, das die Europäische Kommission heute veröffentlicht hat, soll eine strukturierte Debatte darüber einleiten, wie Kunststofferzeugnisse während ihres gesamten Lebenszyklus nachhaltiger gestaltet werden können und die Auswirkungen von Kunstoffabfällen auf die Umwelt verringert werden können.

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik erklärte: „Die Bewirtschaftung von Kunststoffabfällen stellt uns im Hinblick auf den Umweltschutz vor eine große Herausforderung, bietet aber auch enorme Chancen für Ressourceneffizienz. Ich bin davon überzeugt, dass Kunststoff in einer Kreislaufwirtschaft, in der hohe Recyclingraten Lösungen für Materialknappheit bieten, eine Zukunft hat. Ich fordere alle Interessenträger auf, sich an diesem Reflektionsprozess zu beteiligen und zu überlegen, wie Kunststoff ein Teil der Lösung statt des Problems werden kann.“

Gelangen Kunststoffabfälle einmal in die Umwelt, vor allem in die Meeresumwelt, können sie da Hunderte von Jahren bestehen. Bis zu 10 Millionen Tonnen Abfälle, hauptsächlich aus Kunststoff, landen jährlich in den Ozeanen und Meeren der Welt und machen sie zur weltweit größten Deponie für Kunststoffabfälle.

Kunststoff wird in unserer „Wegwerfgesellschaft“ häufig als preiswertes Einwegmaterial verstanden, und die Recyclingraten sind niedrig. Die Hälfte aller in Europa anfallenden Kunststoffabfälle wird in Deponien gelagert. Dies sollte jedoch vermieden werden, da Kunststoff gefährliche Bestandteile enthalten und die Deponierung zu unerwünschten Emissionen und Schadstoffkonzentrationen führen kann.

Das Grünbuch unterstreicht die Schlüsselrolle, die Kunststoff für zahlreiche Industrieprozesse und -anwendungen hat, sowie den potenziellen wirtschaftlichen Nutzen höherer Recyclingraten. Da die Weltbevölkerung wächst und natürliche Ressourcen knapper werden, bietet das Recycling von Kunststoffen eine Alternative zur Ausbeutung von Rohstoffen. Um dieses Umdenken zu beschleunigen, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden, damit die umweltgerechte Gestaltung (Öko-Design) und ökologische Innovation gefördert werden und dafür gesorgt wird, dass die Vermeidung und das Recycling von Abfällen bei der Gestaltung von Kunststofferzeugnissen berücksichtigt werden.

Die besonderen mit Kunststoffabfällen verbundenen Herausforderungen werden derzeit durch das EU-Abfallrecht nicht speziell geregelt. Die Mitgliedstaaten sollten der Vermeidung und dem Recycling gegenüber anderen Entsorgungswegen den Vorrang einräumen, wie dies für alle in der Abfallrahmenrichtlinie genannten Abfallströme der Fall ist; dies ist aber eindeutig nicht genug. Das Grünbuch dient der Erfassung von Fakten und Meinungen mit dem Ziel, die Auswirkungen von Kunststoffabfällen zu bewerten und eine europäische Strategie zu ihrer Eindämmung festzulegen. Die Interessenträger sind aufgefordert, sich dazu zu äußern, ob und wie die geltenden Rechtsvorschriften angepasst werden sollten, um eine Lösung für Kunststoffabfälle zu finden und ihrer Wiederverwendung, ihrem Recycling und ihrer Verwertung den Vorrang vor der Deponierung zu geben. Sie sollen sich auch zur Wirksamkeit potenzieller Zielvorgaben für das Recycling und wirtschaftlicher Maßnahmen (z. B. Deponieverbote, Deponiesteuern und mengenbezogene Abfallgebührenerhebung) äußern. Das Grünbuch geht ferner der Frage nach, wie sich die modulare und chemische Gestaltung von Kunststoffen so verbessern lässt, dass sie besser recycelt werden können, wie sich die Menge der Abfälle im Meer verringern lässt und ob Bedarf an der Förderung von biologisch abbaubaren Kunststoffen besteht.

Die nächsten Schritte

Die Konsultation umfasst 26 Fragen und läuft bis Anfang Juni 2013. Das Ergebnis wird 2014 in weitere politische Maßnahmen einfließen, die Teil einer allgemeinen Überarbeitung der Abfallpolitik sind, bei der insbesondere die derzeitigen Zielvorgaben für die Abfallverwertung und für Abfalldeponien geprüft werden und die fünf Richtlinien, die sich mit verschiedenen Abfallströmen befassen, einer Ex-post-Bewertung unterzogen werden.

Hintergrund

In etwas mehr als einem Jahrhundert wurde Kunststoff in der modernen Technik und im Bauwesen unverzichtbar für die Massenproduktion von Verbrauchsgütern. In nur 50 Jahren stieg die weltweite Kunststoffproduktion von 1,5 Mio. Tonnen im Jahr 1950 auf 245 Mio. Tonnen im Jahr 2008, ein Trend, der sich voraussichtlich fortsetzen wird. Die Meeresumwelt ist besonders anfällig für Kunststoffabfälle. Kunststoffabfälle bilden 80 % der enormen Abfallteppiche im Atlantik und im Pazifik, die Seelebewesen zum Verhängnis werden, weil sie sich darin verfangen oder den Kunststoff verschlucken. Das Vorhandensein von Kunststoffrückständen selbst in den abgelegensten Weltmeergebieten und Küsten ist der Preis für den Überschuss an Kunststoffabfällen. Konventioneller Kunststoff enthält darüber hinaus - zuweilen in großer Menge - eine Vielzahl chemischer Zusatzstoffe, die krebserregend sein, andere toxische Reaktionen auslösen oder als Umwelthormone wirken können.

Einige strategische Elemente für den Umgang mit Kunststoffabfällen in der Umwelt gibt es bereits im derzeitigen Abfallrecht. Die Abfallrahmenrichtlinie (2008/98/EG) legt den Schwerpunkt auf Aspekte wie Denken in Lebenszyklen, Abfallvermeidung statt Abfallentsorgung, erweiterte Herstellerverantwortung, Produktgestaltung, Ressourceneffizienz und Erhaltung der Ressourcen. Darüber hinaus erweitern der Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa von 2011 und der 2012 von der Kommission vorgeschlagene 7. Umweltaktionsplan, der derzeit vom Europäischen Parlament und vom Rat geprüft wird, die Überlegungen auf die Frage, ob für Abfälle im Meer ein EU-weites quantitatives Verringerungsziel vorgegeben werden soll.

Weitere Informationen:

http://ec.europa.eu/environment/consultations/plastic_waste_en.htm

Siehe auch: http://ec.europa.eu/environment/waste/index.htm

Kontaktpersonen:

Joe Hennon (+32 229-53593)

Monica Westeren (+32 229-91830)


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