Navigation path

Left navigation

Additional tools

Other available languages: EN FR

Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 26. November 2013

Fusionskontrolle: Kommission gibt unter Auflagen grünes Licht für Übernahme von Life Technologies durch Thermo Fisher

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von Life Technologies Corp. durch seinen Konkurrenten Thermo Fisher Scientific Inc. nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die beiden US-amerikanischen Unternehmen sind auf den Märkten für Biowissenschaften tätig. Ihre Tätigkeiten überschneiden sich in den Bereichen Vertrieb von Laborinstrumenten und -materialien. Die Genehmigung der Übernahme ist an die Bedingung geknüpft, dass die Geschäftsbereiche Produktion und Vertrieb von i) Zellkultur-Medien und -Seren, ii) Gen-Silencing-Produkten und iii) polymerbasierten magnetischen Beads veräußert werden. In diesen Bereichen hätte der Zusammenschluss in der ursprünglich angemeldeten Form zu einer erheblichen Beschränkung des Wettbewerbs geführt.

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia, erklärte hierzu: „Die Abhilfemaßnahmen tragen dazu bei, den Wettbewerb und die Innovation im Bereich der Biowissenschaften zu wahren. Die Untersuchung der Kommission auf diesen komplexen Märkten erfolgte in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Wettbewerbsbehörden weltweit wie der US-amerikanischen FTC und der australischen ACCC. So ist dieser Fall mit weltweiter Tragweite ein gutes Beispiel für eine gute internationale Zusammenarbeit.“

Der Wert des Rechtsgeschäfts beträgt etwa 13 Mrd. USD. Die Untersuchung ergab, dass das Vorhaben in der ursprünglich angemeldeten Form geeignet war, den Wettbewerb in den Bereichen Produktion und Vertrieb von i) Zellkultur-Medien und -Seren, ii) Gen-Silencing-Produkten und iii) polymerbasierten magnetischen Beads im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich zu beschränken.

Nährmedien und Seren sind Flüssigkeiten auf Wasser- bzw. Blutbasis und werden für die Versorgung von in vitro kultivierten Menschen-, Tier-, Insekten- und Pflanzenzellen mit Nährstoffen verwendet. Gen-Silencing-Produkte werden in der Forschung zur Ausschaltung der Expression eines bestimmten Gens verwendet, um die Funktion dieses Gens eingehender zu verstehen. Polymerbasierte magnetische Beads sind Partikel, die vor allem in Immunologie- und Molekularbiologie-Instrumenten verwendet werden. Sie werden von den beteiligten Unternehmen an zahlreiche Erstausrüster, die solche Instrumente herstellen, verkauft.

Bei den Märkten für Zellkultur-Medien stützten sich die Bedenken auf die großen gemeinsamen Marktanteile der beteiligten Unternehmen und das Vorhandensein erheblicher Marktzutrittsschranken, d. h. die erhebliche Zeit und die beträchtlichen Investitionen, die erforderlich sind, um als Lieferant die nötige Erfolgsbilanz und Zuverlässigkeit zu erreichen.

Im Hinblick auf die Märkte für Zellkultur-Seren ergab die Untersuchung, dass das Unternehmen nach dem Zusammenschluss im Vergleich zu seinen Wettbewerbern eine zu starke Marktstellung einnehmen würde, insbesondere was die Lieferung von Seren des sichersten und somit teuersten Ursprungs, d. h. aus Australien und Neuseeland, angeht. Darüber hinaus bestehen hohe Marktzutrittsschranken, und das erforderliche Material (Blut) ist nur begrenzt verfügbar.

Im Hinblick auf Gen-Silencing-Produkte galten die Bedenken der starken Position des Unternehmens nach dem Zusammenschluss in Bezug auf siRNA- (Small interfering RNA) und miRNA- (microRNA) Reagenzien, die wenigen verbleibenden starken Wettbewerber und die Marktzutrittsschranken, die insbesondere aus vorhandenen Patenten resultieren.

Im Hinblick auf magnetische Beads ergab die Untersuchung, dass das Unternehmen nach dem Zusammenschluss weltweit eine starke Position im Vertrieb polymerbasierter magnetischer Beads an Erstausrüster innehaben würde, die die magnetischen Beads anschließend in ihren Instrumenten und Ausrüstungen verwenden. Hier konzentrierten sich die Bedenken auf die wenigen nach dem Zusammenschluss verbleibenden Wettbewerber, die hohen Marktzutrittsschranken aufgrund von Rechten des geistigen Eigentums, technischem Know-how und etablierten Handelsbeziehungen sowie die wettbewerbliche Nähe zwischen den Produkten von Life Technologies und Thermo Fisher.

Um diese Bedenken auszuräumen, sagte Thermo Fisher zu, folgende Geschäftsbereiche zu veräußern:

seine HyClone-Sparte in Bezug auf Zellkultur-Medien und -Seren (ohne die Einwegtechnologien, wo sich die Tätigkeiten der beteiligten Unternehmen nicht überschneiden);

seine Genmodulationssparte (einschließlich des Gen-Silencing) in Lafayette, Colorado (USA), darunter auch die Marken Dharmacon und Open Biosystems, die einschlägigen Anlagen und das entsprechende Personal sowie seine Lizenzen im Rahmen der Tuschl-Patente;

seinen Geschäftsbereich polymerbasierte magnetische Beads (einschließlich der Marke Sera-Mag sowie aller anderen einschlägigen Rechte des geistigen Eigentums, der Kundenverträge und des entsprechenden Personals sowie der erforderlichen Produktionsanlagen). Darüber hinaus verpflichtet sich Thermo Fisher, im Rahmen einer für zwei Jahre geltenden Übergangsvereinbarung magnetische Beads an den Käufer zu liefern.

Mit diesen Verpflichtungszusagen werden die im Rahmen der Untersuchung festgestellten Wettbewerbsbedenken ausgeräumt. Die Kommission ist somit zu dem Schluss gelangt, dass das Rechtsgeschäft in der durch die Verpflichtungszusagen geänderten Form keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken mehr aufwirft. Die Genehmigung der Kommission erfolgt unter der Bedingung, dass die Verpflichtungszusagen uneingeschränkt eingehalten werden.

Ferner kam die Kommission zu dem Schluss, dass das Vorhaben im Hinblick auf eine Reihe anderer biowissenschaftlicher Produkte, z. B. Produkte aus den Bereichen Nukleinsäuren-Amplifikation, Typisierung des humanen Leukozyten-Antigens (HLA) und Proteinbiologie, sowie den Vertrieb von Labor- und biowissenschaftlichen Produkten keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt.

Aufgrund des weltweiten Tätigkeitsfelds der beteiligten Unternehmen arbeitete die Kommission bei der Untersuchung eng mit den Wettbewerbsbehörden zahlreicher außereuropäischer Länder zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fand auch ein Meinungs- und Informationsaustausch mit der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) und der Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) statt. Ferner arbeitete die Kommission mit dem chinesischen Handelsministerium (MOFCOM), der japanischen und der kanadischen Wettbewerbsbehörde sowie der neuseeländischen Handelskommission zusammen.

Das Vorhaben wurde am 7. Oktober 2013 bei der Kommission angemeldet.

Unternehmen und Produkte

Thermo Fisher produziert und verkauft Analyseinstrumente und Laborverbrauchsmaterialien (z. B. Reagenzien) für fast alle Bereiche der experimentellen Wissenschaften, darunter Biowissenschaften, Chemie und Physik. Thermo Fisher betreibt auch ein stark aufgestelltes Mehrmarkenvertriebsgeschäft für wissenschaftliche Produkte: Fisher Scientific.

Life Technologies ist spezialisiert auf die Herstellung von Analyseinstrumenten und Laborverbrauchsmaterialien für die Biowissenschaften. Auf diesem Markt und einer Reihe von Teilmärkten ist das Unternehmen insgesamt Marktführer.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Pflicht, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Weitere Informationen werden unter der Nummer der Wettbewerbssache M.6944 im öffentlich zugänglichen Register auf der Website der GD Wettbewerb veröffentlicht.

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 229-74513, Twitter: @ECspokesAntoine )

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 229-51925)


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website