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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 20. September 2012

Kinder beginnen in Europa immer früher mit dem Fremdsprachenerwerb

Einem von der Europäischen Kommission veröffentlichten Bericht zufolge beginnt der Fremdsprachenerwerb im Kindesalter in Europa immer früher, meist schon im Alter von 6‑9 Jahren. In den meisten Ländern bzw. Regionen wurde in den letzten 15 Jahren das Alter für den Beginn des Pflichtunterrichts in einer Fremdsprache gesenkt, und in manchen wird dieser Unterricht bereits in der Vorschule erteilt. So bietet die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien beispielsweise schon für dreijährige Kinder Fremdsprachenunterricht an. Der Bericht mit dem Titel „Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012“ bestätigt, dass Englisch in fast allen europäischen Ländern die bei weitem am häufigsten unterrichtete Fremdsprache ist, wobei Französisch, Spanisch, Deutsch und Russisch weit abgeschlagen folgen.

„Die sprachliche und die kulturelle Vielfalt gehören zu den größten Vorteilen der Europäischen Union“, sagte Androulla Vassiliou, die Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend. „Der Fremdsprachenerwerb fördert die Verständigung zwischen Völkern und Ländern ebenso wie die grenzüberschreitende Mobilität und die Integration von Migranten. Ich freue mich, dass selbst unsere jüngsten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, den Spaß am Fremdsprachenlernen zu entdecken. Auch möchte ich die Menschen dazu ermutigen, über die häufigsten Sprachen hinaus zu blicken, damit sie die unglaubliche sprachliche Vielfalt Europas kennen und schätzen lernen."

Dem Bericht zufolge lernt eine steigende Zahl von Schülern im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht inzwischen mindestens ein Jahr lang zwei Fremdsprachen. 2009/2010 lernten durchschnittlich 60,8 % der Schüler der Sekundarstufe I zwei oder mehr Fremdsprachen – das bedeutet einen Anstieg von 14,1 % im Vergleich zu 2004/2005. Im gleichen Zeitraum fiel der Anteil von Schülern der Primarstufe, die keine Fremdsprache erwarben, von 32,5 % auf 21,8 %.

Englisch ist die am häufigsten unterrichtete Fremdsprache in fast allen der 32 von der Studie erfassten Ländern (27 Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen und Türkei). Dieser Trend hat sich seit 2004/2005 erheblich verstärkt. In der Sekundarstufe (I und II) lernen mehr als 90 % der Schüler Englisch. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Schüler (0-5 % je nach Land) lernt andere Fremdsprachen als Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und Russisch.

Der Bericht bestätigt außerdem ein ziemlich überraschendes Ergebnis: nur wenige Länder verlangen von ihren Fremdsprachenlehrkräften einen längeren Auslandsaufenthalt. So erklärten nur 53,8 % der Fremdsprachenlehrkräfte, die an der kürzlich veröffentlichten Europäischen Erhebung über Sprachkompetenzen (IP/12/679) teilnahmen, dass sie länger als einen Monat in einem Land studiert haben, in dem die Sprache, die sie unterrichten, gesprochen wird. Hinter diesem Durchschnittswert verbirgt sich jedoch ein hohe Varianz: 79,7 % der spanischen Lehrkräfte haben die von ihnen gewählte Sprache länger als einen Monat in einem Land studiert, in dem diese gesprochen wird; dies gilt aber nur für 11 % der estnischen Lehrkräfte. Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Auslandserfahrung als Qualitätskriterium in der Lehrerausbildung gelten sollte.

Die Bedeutung des Fremdsprachenerwerbs wird einen Schwerpunkt der Konferenz „Mehrsprachigkeit in Europa“ bilden, die die Kommission vom 26.‑28. September in Limassol, Zypern, veranstaltet. Kommissarin Vassiliou wird die Eröffnungsrede halten.

Hintergrund

Mehrsprachigkeit in der EU

Die Europäische Kommission unterstützt die Mehrsprachigkeit und den Fremdsprachenerwerb, um 1. den interkulturellen Dialog und eine inklusivere Gesellschaft zu fördern, 2. das Zugehörigkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zur EU zu stärken, 3. jungen Menschen Chancen für ein Studium und eine Erwerbstätigkeit im Ausland zu eröffnen und 4. EU-Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, neue Märkte zu erschließen.

Ziel ist ein Europa, in dem jeder von klein auf Unterricht in mindestens zwei Fremdsprachen neben der Muttersprache erhält. Das Ziel „Muttersprache +2“ wurde von den EU-Staats- und Regierungschefs im März 2002 auf dem Gipfel in Barcelona festgelegt. Damit Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel erreicht werden, wird die Strategie der Kommission für ein neues Kompetenzprofil, die voraussichtlich im November angenommen werden soll, eine Benchmark für den Fremdsprachenerwerb vorschlagen.

„Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012“

Aus dem Bericht geht hervor, dass die meisten Länder das Alter für den Beginn des obligatorischen Fremdsprachenerwerbs in den letzten 15 Jahren gesenkt haben, ausgenommen die frankophone Gemeinschaft Belgiens, Lettland, Luxemburg, Ungarn, Malta, die Niederlande, Finnland, Schweden und das Vereinigte Königreich.

Zwar ist das Alter, in dem die Schüler mit dem Erlernen einer Fremdsprache beginnen, im Allgemeinen gesunken, doch ist die Unterrichtszeit nicht signifikant angestiegen. Im Gegenteil, die Unterrichtszeit für Fremdsprachen ist im Vergleich zu anderen Fächern eher gering.

Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012 enthält umfassende Erkenntnisse zur Unterstützung der politischen Entscheidungen und zur Verbesserung von Qualität und Effizienz des Fremdsprachenerwerbs. Die Förderung des Sprachenlernens ist eines der Hauptziele der Kommissionsstrategie für die allgemeine und berufliche Bildung (ET 2020), und sie ist außerdem von entscheidender Bedeutung für die Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität der EU-Bürgerinnen und –Bürger, die eines der Ziele der Strategie Europa 2020 für Beschäftigung und Wachstum darstellt.

Der Bericht, der alle 3-4 Jahre erstellt wird, trägt Daten aus einer Reihe von Quellen zusammen und gibt einen umfassenden Überblick über den Sprachunterricht in den teilnehmenden 32 Ländern. Er misst 61 Indikatoren in fünf Kategorien: Kontext, Organisation, Teilnahme, Lehrkräfte und Unterrichtsprozesse. Die Daten stammen hauptsächlich aus vier Quellen: Eurydice, Eurostat, der Europäischen Erhebung zu Sprachkenntnissen und der internationalen Schulleistungsstudie (PISA) der OECD.

Er verbindet diese statistischen Daten mit einer Beschreibung des Kontexts und der Organisation des Fremdsprachenunterrichts, des Umfangs der Schülerbeteiligung sowie Einzelheiten der Aus- und Fortbildung von Fremdsprachenlehrkräften. Zudem stellt der Bericht Entwicklungstendenzen des Fremdsprachenunterrichts im Laufe der Jahre vor, und er analysiert die aktuelle Lage im Vergleich zur Vergangenheit.

Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012 ist eine gemeinsame Veröffentlichung von Eurydice/Eurostat und wird in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission erstellt.

Eurydice

Das Eurydice-Netz liefert Analysen und Informationen zu Bildungssystemen und Bildungspolitik in Europa. Es besteht aus 38 nationalen Einheiten in den 34 Ländern, die am EU-Programm für lebenslanges Lernen beteiligt sind (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Serbien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz und Türkei). Serbien und die Schweiz haben nicht am Bericht Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012 mitgewirkt. Koordiniert und verwaltet wird Eurydice von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur der EU.

Weitere Informationen

Der vollständige Bericht ist in englischer Sprache hier erhältlich: Schlüsselzahlen zum Sprachenlernen an den Schulen in Europa 2012

Wichtigste Punkte des Berichts

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung

Androulla Vassilious Website

Androulla Vassiliou auf Twitter @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)

Alter, in dem 2010/11 der Pflichtunterricht in der ersten und zweiten Fremdsprache für alle Schüler der Vorschule, Primarstufe und/oder allgemeinen Sekundarstufe beginnt

Obligatorische Fremdsprachen, wie von den zentralen Bildungsbehörden festgelegt
(während der Vollzeitschulpflicht), 1992/93, 2002/03, 2006/07, 2010/11

Prozentsatz aller Schüler der Primarstufe, die Englisch, Französisch und/oder Deutsch lernen.
Länder, in denen diese Sprachen am häufigsten gelernt werden, 2009/10

Andere Fremdsprachen als Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Russisch, die Schüler der Sekundarstufe lernen, als Prozentsatz aller in dieser Stufe gelernten Sprechen, 2009/10

Vorliegen von Empfehlungen zum Inhalt der Lehrerausbildung und der Auslandsaufenthalte in Ländern der Zielsprache, 2010/11


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