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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 26. Juli 2012

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme des Flugzeugausrüsters Goodrich durch den Konkurrenten United Technologies unter Auflagen

Im Einklang mit der EU-Fusionskontrollverordnung hat die Europäische Kommission nach eingehender Prüfung die geplante Übernahme der Goodrich Corporation durch die United Technologies Corporation (UTC) (vgl. IP/12/308) genehmigt. Die beiden weltweit tätigen US-Unternehmen produzieren und verkaufen Luftfahrtausrüstung. Die Genehmigung ist an die Auflage geknüpft, dass Goodrich die Sparten AC-Generatoren und Steuerungssysteme für Kleinmotoren aufgibt. Eine weitere Bedingung ist, dass Rolls Royce eine Option auf die Übernahme des Goodrich-FuE-Projekts zu Treibstoffdüsen für Magerverbrennungssysteme erhält.

Die Kommission befürchtete, die Transaktion – in der ursprünglich angemeldeten Form – könne dazu führen, dass das fusionierte Unternehmen auf dem Generatorenmarkt ohne ausreichenden Wettbewerbsdruck agieren könne. Auch hatte sie Bedenken, dass einigen konkurrierenden Motorenlieferanten, die in Bezug auf bestimmte Komponenten wie Treibstoffdüsen und Steuerungssysteme von Goodrich abhängen, infolge des Zusammenschlusses der Zugang zu diesen Bauteilen versperrt werde. Durch die verbindlichen Zusagen der beteiligten Unternehmen wurden diese Bedenken ausgeräumt.

Joaquín Almunia, der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, erklärte: „Die beschlossenen Maßnahmen gewährleisten, dass auf diesen Hochtechnologiemärkten ein starker Wettbewerb und hohe Innovationsanreize erhalten bleiben – zum Nutzen der Kunden der Luft- und Raumfahrtindustrie. Wir haben in diesem Fall, bei dem es um eine größere Transaktion geht, die Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks betrifft, eng und äußerst effektiv mit den US-amerikanischen und den kanadischen Wettbewerbsbehörden zusammengearbeitet.“

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass die geplante Transaktion den Wettbewerb auf den Luftfahrtmärkten für AC-Generatoren eingeschränkt und zudem – bedingt durch die damit verbundenen Auswirkungen auf die Märkte für Steuerungssysteme für Kleinmotoren und Treibstoffdüsen für Motoren – negative Konsequenzen für Motorenhersteller gehabt hätte.

Angesichts der hohen Markteintrittsbarrieren im Bereich AC-Generatoren und der Tatsache, dass es sich bei den beiden Parteien um die stärksten Konkurrenten auf diesem Markt handelt, hätte die geplante Transaktion dazu geführt, dass das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen auf dem Markt keinem ausreichenden Wettbewerbsdruck mehr ausgesetzt gewesen wäre.

Goodrich beliefert derzeit Motorenhersteller – wie Williams und Honeywell – mit Steuersystemen, auf die diese angewiesen sind, um sich im Wettbewerb gegen den für UTC produzierenden Motorenhersteller Pratt & Whitney zu behaupten. Die Kommission hatte Bedenken, dass das fusionierte Unternehmen die Möglichkeit gehabt und sich wahrscheinlich auch dazu veranlasst gesehen hätte, diese Lieferbeziehungen zum Vorteil von Pratt & Whitney zu nutzen.

Mit Blick auf die Entwicklung einer neuen Treibstoffdüse für Magerverbrennungssysteme, die in künftigen umweltfreundlichen Gasturbinenmotoren für Flugzeuge zum Einsatz kommen soll, ist Rolls Royce in ähnlicher Weise von Goodrich abhängig, wobei auch hier der Konkurrent Pratt & Whitney ist. Die Kommission hatte Sorge, durch die Transaktion könnten die Anreize für Goodrich verloren gehen, die Entwicklung dieses neuen Produkts zum Erfolg zu führen.

Verbindliche Zusagen

Um diese Bedenken auszuräumen, schlug UTC vor, i) die Goodrich-Sparte Stromerzeugungs- und Verteilungssysteme für Luftfahrzeuge aufzugeben, ii) die Goodrich-Sparte Steuerungssysteme für kleine Flugzeugmotoren aufzugeben und iii) Rolls Royce eine Option auf die Übernahme des Goodrich-FuE-Projekts zu Treibstoffdüsen für Magerverbrennungssysteme anzubieten. Mit den vorgeschlagenen verbindlichen Zusagen wird den Bedenken der Kommission voll und ganz Rechnung getragen.

Die Kommission gelangte zu dem Schluss, dass das aus der Fusion hervorgehende Unternehmen weiterhin dem Wettbewerb mit mehreren starken Mitbewerbern ausgesetzt wäre und dass die Kunden nach wie vor zwischen einer ausreichenden Zahl von Lieferanten wählen könnten. Der Genehmigungsbeschluss ergeht unter der Auflage, dass die gemachten Zusagen strikt eingehalten werden.

Andere betroffene Märkte

Die Kommission hat die Wettbewerbsauswirkungen der geplanten Übernahme auf verschiedene betroffene Märkte untersucht. Ihrer Auffassung nach ist die Transaktion auf keinem dieser Märkte unter Wettbewerbsaspekten bedenklich.

Insbesondere hat die Kommission die Auswirkungen im Bereich Motorsteuerungssysteme geprüft. Rolls Royce kündigte im Verlauf des Prüfverfahrens seine Absicht an, von seiner Option Gebrauch zu machen, die Beteiligung von Goodrich am Gemeinschaftsunternehmen Aero Engine Controls (AEG) zu erwerben, in dessen Rahmen sämtliche Geschäftstätigkeiten von Goodrich im Bereich Steuerungssysteme für Großmotoren stattfinden. Da Goodrich gleichzeitig die Sparte Steuerungssysteme für Kleinmotoren aufgibt, bestehen im Bereich Motorsteuerungssysteme keinerlei Überschneidungen mehr zwischen den Märkten von UTC und Goodrich.

Die beteiligten Unternehmen und ihre Produkte

UTC produziert eine breite Palette von Hochtechnologieprodukten und erbringt weltweit Dienstleistungen für Gebäudesysteme sowie für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Zur UTC-Gruppe gehören große Unternehmen wie Carrier (Heizungs- und Klimaanlagen), Otis (Aufzüge), UTC Fire & Security (Brandmeldeanlagen und Feuerlöscher) sowie UTC Power und UTC Fuel Cells (Stromgeneratoren und Brennstoffzellen). Im Zusammenhang mit der Übernahme von Goodrich sind die Tochtergesellschaften Hamilton Sundstrand (Luft- und Raumfahrtsysteme), Pratt & Whitney (Flugzeugturbinen) und Sikorsky (Hubschrauber) besonders relevant.

Goodrich ist weltweit in der Herstellung und im Verkauf von Systemen und Dienstleistungen für die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungs- und die Sicherheitsindustrie tätig. Seine drei wichtigsten Sparten sind Steuerungs- und Landesysteme, Triebwerksgondeln und Innenausstattung sowie elektronische Systeme.

Fusionskontrollvorschriften und ‑verfahren

Die Kommission ist verpflichtet, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Zurzeit laufen noch fünf weitere eingehende Prüfverfahren. Das erste betrifft den geplanten Erwerb des Musikgeschäfts der EMI-Gruppe durch Universal und muss bis zum 6. September 2012 zum Abschluss gebracht werden (vgl. IP/12/311). In einem zweiten Verfahren wird die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens der britischen Mobilfunkanbieter Telefónica, Vodafone and Everything Everywhere (vgl. IP/12/367) untersucht. Dieses Verfahren wurde im April 2012 eingeleitet und muss bis zum 19. September beendet sein. Das dritte Prüfverfahren betrifft den geplanten Erwerb der Edelstahlsparte Inoxum des deutschen Unternehmens ThyssenKrupp durch das finnische Edelstahlunternehmen Outokumpu (vgl. IP/12/495) und ist bis zum 24. Oktober 2012 abzuschließen. Das vierte laufende Prüfverfahren schließlich wurde im Juni 2012 eröffnet und hat den geplanten Erwerb von Orange Austria durch Hutchinson zum Gegenstand (vgl. IP/12/726). Die Frist für diese Untersuchung endet am 6. November 2012. Das fünftel hat den geplanten Erwerb von TNT Express durch UPS zum Gegenstand (vgl.IP/12/816 - die Frist für diese Untersuchung endet am 28. November 2012).

Weitere Informationen unter:

http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6410

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 2 297 45 13)

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 2 295 19 25)


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