
Europäische Kommission
Pressemitteilung
Brüssel, den 19. Juni 2012
Frauen in die Aufsichtsräte: Vizepräsidentin Viviane Reding trifft Leiter europäischer Wirtschaftshochschulen und Industrielle
Die EU-Kommissarin für Justiz, Viviane Reding, traf heute mit europäischen Wirtschaftsverbänden, Wirtschaftshochschulen und Frauen in leitender Position zusammen, um über die Fortschritte bei der Chancengleichheit in den Unternehmensaufsichtsräten zu sprechen.
Obgleich rund 60 % der Hochschulabsolventen Frauen sind, sind sie viel zu wenig in den Aufsichtsräten der größten börsennotierten Unternehmen in Europa (Anteil von nur 14 %) und unter den Vorstandsvorsitzenden (nur 3 %) vertreten. Den Wirtschaftshochschulen kommt eine wichtige Aufgabe zu, denn sie bereiten junge Frauen auf eine Karriere in der Wirtschaft vor und können ihnen helfen, an die Unternehmensspitze zu gelangen. Dazu bieten sie den Frauen spezielle Seminare, Ausbildungsprogramme und Netzwerkinitiativen an.
„Das Argument, es gebe nicht genug qualifizierte Frauen, um alle Aufsichtsorgane zu besetzen, kann ich keinesfalls akzeptieren - Sie müssen sich nur die Liste der 7 000 ‚aufsichtsratsfähigen' Frauen anschauen, die die europäischen Wirtschaftshochschulen vor einigen Monaten veröffentlicht haben“, sagte die Vizepräsidentin und EU-Kommissarin Viviane Reding. „Das Qualifikationsreservoir ist da – die Unternehmen müssen es nur ausschöpfen.“
Im September 2011 erging ein Aufruf zum Handeln der europäischen Wirtschaftshochschulen und Frauen in leitender Position, um die „gläsernen Decken“ zum Einsturz zu bringen, die Frauen in führender Position daran hindern, überall in Europa in die leitenden Gremien der Unternehmen vorzudringen. Ihre immer länger werdende Liste der „aufsichtsratsfähigen Frauen“ – im März 2012 noch 3 500, heute schon bis zu 7.000 - zeigt unzweideutig, dass mehr als genug herausragend qualifizierte Frauen zur Verfügung stehen, um europäische oder Weltunternehmen in das 21. Jahrhundert zu führen, und dass es endlich Zeit ist, die Hindernisse zu beseitigen, die diese Frauen daran hindern, entscheidende Positionen zu erreichen.
Warum eine ausgewogene Besetzung der Aufsichtsräte durch Männer und Frauen?
In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen wir zusätzlich zur Finanzkrise die Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und des Fachkräftemangels bewältigen müssen, ist es wichtiger denn je, die Qualifikationen aller Menschen zu nutzen - die der Frauen ebenso wie die der Männer.
Hauptsächlich vier Gründe sprechen für eine Durchbrechung der gläsernen Decke:
Die wirtschaftliche Notwendigkeit: Mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist ein wichtiger Faktor für die Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Auch das Ziel der EU, die Beschäftigungsquote auf 75 % zu erhöhen, lässt sich nur erreichen, wenn mehr Frauen am Berufsleben teilnehmen.
Das Unternehmensinteresse: Immer mehr Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Anteil der Frauen in leitender Position und den Geschäftsergebnissen der Unternehmen.
Die Notwendigkeit gleicher Voraussetzungen für alle: Mehrere EU-Staaten sind bereits aktiv geworden und haben rechtsverbindliche Quoten für die Führungsgremien von Unternehmen eingeführt. Diese verschiedenen Quotenregelungen sind neu und für Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern tätig sind, möglicherweise nicht leicht einzuhalten.
Die Forderung der Öffentlichkeit: Die Europäer befürworten eindeutig ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Frauen und Männern. In einer kürzlich durchgeführten europaweiten Umfrage erklärten 88 % der Befragten, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Eignung in Führungspositionen gleich vertreten sein sollten; 75 % befürworteten gesetzliche Maßnahmen, um dies durchzusetzen.
Hintergrund
Am 1. März 2011 traf EU-Justizkommissarin Reding mit Vorständen und Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen zusammen, um über die Unterrepräsentation von Frauen in den Vorständen zu sprechen. Sie forderte alle börsennotierten Unternehmen in Europa auf, die Erklärung „Frauen in die Aufsichtsräte – Verpflichtung für Europa“ zu unterschreiben und sich dadurch freiwillig zu verpflichten, den Frauenanteil in den Entscheidungsgremien bis 2015 auf 30 % und bis 2020 auf 40 % zu erhöhen (siehe IP/11/242 und MEMO/11/124).
Ein Jahr später hatten lediglich 24 Unternehmen die Erklärung unterzeichnet. Dies hat die Europäische Kommission dazu veranlasst, die Meinung von Bürgern und Interessengruppen einzuholen und eine dreimonatige öffentliche Konsultation einzuleiten, die Ende Mai zu Ende ging (IP/12/213). An der großen Zahl von Stellungnahmen lässt sich ablesen, welches Interesse dieses Thema findet: Die Kommission erhielt fast 500 Antworten von Bürgern, Unternehmen, Organisationen und Regierungsstellen aus ganz Europa.
Sie wertet jetzt die Antworten aus und bereitet eine wirtschaftliche Analyse vor. Im Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission von 2012 ist eine Legislativmaßnahme zur Herstellung eines ausgewogeneren Verhältnisses von Männern und Frauen in den Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen vorgesehen.
Weitere Informationen
Europäische Kommission – Ausgewogene Mitwirkung von Frauen und Männern in Positionen mit Entscheidungskompetenzen:
http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-decision-making/index_de.htm
Generaldirektion Justiz – Neuigkeiten:
http://ec.europa.eu/justice/newsroom/index_de.htm
Homepage von Vizepräsidentin und Justizkommissarin Viviane Reding:
http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/reding/index_de.htm
Contacts : Mina Andreeva (+32 2 299 13 82) Natasha Bertaud (+32 2 296 74 56) |
ANHANG:
Mitglieder europäischer Wirtschaftshochschulen / Initiative „Frauen in die Vorstände“
Wirtschaftshochschulen
Bocconi
Boston University Management Institute Europe
Cambridge Judge Business School
EADA
EDHEC Business School
EFMD – European Federation of Management Development
ESMT
ESSEC business school
HR College of Commerce and Economics
IAUW – International Association of University Women
IESE
IFPM Female Board Pool at the University of St.Gallen
IMD
INSEAD
Kellogg School of Management
London Business School
Oxford
RSM
University of Mumbai
Berufsverbände
American Chamber of Commerce France and Spain
Bellisario Foundation
BoardEx
Business and Industry Advisory Council
IFA Institut Francais des Administrateurs
Deutscher Juristinnenbund e.V.
EPWN (European Professional Women’s Network)
Forte Foundation – Major Corporations and Business Schools
The Financial Times Non-Executive Directors' Club
TIAW - The International Alliance for Women
GTWN - The Global Telecom Women’s Network
WiTT - Women in Telecoms and Technology
WCD - Women Corporate Directors
Women’s Forum of New York
Frauen in Unternehmen
Lady Barbara Judge
Bridget Cosgrave
Lori Gonnu
Cristina Vicini
Lesley Stephenson
Brigitte Boone
Audrey Mandela
Indu Shahani
Susan Ness
Candace Johnson
Ingrid Silver