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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft nun in allen europäischen Ländern auf den Lehrplänen – Mängel bei der gezielten Vorbereitung der Lehrkräfte

Brüssel, 31. Mai 2012 – Alle EU-Mitgliedstaaten haben das Fach „Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft“ in ihre Lehrpläne für Grund- und Sekundarschulen aufgenommen – allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen, wie aus einem heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten Bericht hervorgeht. Die Verbesserung von Kenntnissen und Kompetenzen für das Unterrichten dieses Fachs stellt jedoch eine Herausforderung dar, da nur zwei Länder (England und die Slowakei) eine gezielte Ausbildung für angehende Fachlehrer im Rahmen ihrer Lehrergrundausbildung anbieten. Laut dem Bericht besteht allgemein Konsens darüber, dass Staatsbürgerkunde darauf ausgerichtet sein sollte, kritisches Denken, analytische Fähigkeiten und Sichtweisen und damit die aktive Teilhabe in Schule und Gesellschaft zu fördern.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, kommentierte: „Die Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft vermittelt Schülerinnen und Schülern die notwendigen Kenntnisse, Kompetenzen und Werte für eine aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft. Dies müssen wir fördern, weil die aktive Teilhabe die Basis unserer demokratischen Werte in Europa ist. Auch die Ausbildung der Lehrkräfte in diesem Bereich verdient mehr Aufmerksamkeit, damit junge Menschen inspiriert werden, sich als aktive Staatsbürger zu verhalten.“

Laut dem Bericht haben Schulen in allen europäischen Ländern Regeln und Empfehlungen formuliert, die demokratisches Verhalten und Mitwirkung fördern sollen, beispielsweise durch die Wahl von Klassensprechern, Schülerräten und Schülervertretern in schulischen Gremien. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich junge Menschen auch später aktiv in das gesellschaftliche und politische Leben einbringen werden.

Inzwischen haben alle Länder Leitlinien aufgestellt, um die Schülerschaft in die Verwaltung ihrer jeweiligen Schulen einzubeziehen, und seit 2007 haben mehr als die Hälfte der Länder1 wenigstens ein öffentlich finanziertes Programm oder Projekt durchgeführt, um staatsbürgerliche Werte und Verhaltensweisen außerhalb der Schule zu fördern. So gibt es Initiativen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichem ethnischen und sozioökonomischen Hintergrund zu gemeinsamen Tätigkeiten angeregt werden sollen (Lettland beispielsweise hat ein Projekt in dieser Richtung eingeleitet). In anderen Projekten werden Grundschulkinder mit in Altersheimen lebenden älteren Menschen zusammengebracht (Frankreich zählt zu den Ländern, die derartige generationenübergreifende Projekte fördern).

Auch bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern spielt die aktive Mitwirkung eine immer größere Rolle. Mehr als ein Drittel der europäischen Länder2 berücksichtigen die aktive Teilnahme an schulischen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern.

Hintergrund

Der vom Eurydice-Netzwerk für die Kommission zusammengestellte Bericht über die Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft in Europa (Citizenship Education in Europe) erfasst 31 europäische Länder – die EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen, Kroatien und die Türkei.

Der Bericht soll darüber Auskunft geben, wie Strategien und Maßnahmen im Zusammenhang mit der Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft sich in den letzten Jahren entwickelt haben. Der Bericht gibt einen Überblick über fünf Hauptthemen: 1) Lehrpläne und Organisation; 2) Mitwirkung von Schüler- und Elternschaft in Schulen; 3) Schulkultur und Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern in der Gesellschaft; 4) Analyse und Bewertung; 5) Unterstützung für Lehrkräfte und Schulleitung. Der Bericht beleuchtet auch die Fortschritte, die seit der früheren Eurydice-Studie von 2005 zu diesem Thema gemacht wurden. Bezugsjahr ist 2010/11.

Die Verbesserung von Wissen und Fähigkeiten der Lehrkräfte für die Vermittlung staatsbürgerlichen Verhaltens stellt eine Herausforderung dar. Zwar ist die Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft generell in der Grundausbildung für Fachlehrkräfte an Sekundarschulen in Fächern wie Geschichte und Geographie vorgesehen, doch nur zwei von 31 Ländern (England und Slowakei) bilden angehende Lehrkräfte speziell für die Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft aus. Außerdem haben zwar mehrere Länder ihre Lehrpläne im Bereich der Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft in den letzten Jahren reformiert, doch wurden diese Reformen kaum in die Grundausbildung für Lehrkräfte oder in Programme zur beruflichen Weiterbildung aufgenommen.

Standardisierte Methoden, nach denen sich Lehrkräfte bei der Bewertung ihrer Schülerinnen und Schüler richten können, fehlen nach Aussage des Berichts ebenfalls weitgehend.

Eurydice

Der Bericht wurde vom Eurydice-Netzwerk erstellt, das Analysen und Informationen zu europäischen Bildungssystemen und -strategien bereitstellt. Es besteht aus 37 nationalen Stellen in allen 33 Ländern, die am EU-Programm für lebenslanges Lernen teilnehmen (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz und Türkei). Es wird von der EU-Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur koordiniert und verwaltet.

Weitere Informationen:

Der vollständige Bericht in englischer Sprache: Citizenship Education in Europe

Die wichtigsten Aspekte des Berichts

Europäische Kommission: Allgemeine und berufliche Bildung

Website von Androulla Vassiliou

EU-Kommissarin Androulla Vassiliou auf Twitter: @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott +32 229-59258)

Dina Avraam (+32 229-59667)

ANHANG

    1. Regeln und offizielle Empfehlungen für die Vertretung der Schülerschaft in schulischen Gremien (Grund- und Sekundarschulen), 2010/11

2. Zentrale Leitlinien für die Bewertung der aktiven Beteiligung der Schülerschaft in der Schule oder in der Gemeinschaft (Sekundarstufe), 2010/11

3. Zielsetzung der Erziehung in aktiver Staatsbürgerschaft gemäß nationalen Lehrplänen, 2010/11

1 :

Belgien (Französischsprachige Gemeinschaft), Bulgarien, Tschechische Republik, Dänemark, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Ungarn, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Norwegen, Island und Kroatien.

2 :

Bulgarien, Deutschland, Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Niederlande, Polen, Slowenien, Slowakei und Türkei.


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