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Umweltpolitik: 20 Jahre EU-Naturschutz

European Commission - IP/12/488   21/05/2012

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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Umweltpolitik: 20 Jahre EU-Naturschutz

Brüssel, 21. Mai 2012 – Heute vor 20 Jahren wurden zwei wesentliche Instrumente der EU für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Natur ins Leben gerufen: die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) sowie LIFE, das Finanzierungsprogramm der EU für die Umwelt. Vor 20 Jahren verabschiedeten die EU-Mitgliedstaaten einstimmig die FFH-Richtlinie, um die am stärksten bedrohten Tiere und Lebensräume in ganz Europa zu schützen. Damit wurde auf den besorgniserregend raschen Schwund von wildlebenden Tieren und Pflanzen sowie von Lebensräumen aufgrund von Veränderungen der Landnutzung, Umweltverschmutzung und Zersiedelung der Landschaft reagiert. Um Arten und Lebensräumen die Möglichkeit zur Erholung zu geben, wurde mit der Richtlinie das Natura-2000-Netz von geschützten Gebieten errichtet und über das Finanzierungsinstrument LIFE der Ausbau des Netzes strategisch gefördert.

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik erklärte hierzu: „Wir können stolz auf die Naturschutzvorschriften der EU sein, deren 20jähriges Bestehen wir heute begehen, da sie uns bei der Wertschätzung und Pflege unseres reichen natürlichen Erbes helfen. Die biologische Vielfalt ist unsere Lebensversicherung, und Natura 2000, das die Gebiete mit dem höchsten Biodiversitätswert schützt, ist ihr Grundpfeiler. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte erzielt, und es besteht viel Grund zum Feiern. Die Natur ist aber weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen und wird uns unseren Einsatz mit den lebenswichtigen Ökosystemdienstleistungen, die sie erbringt, um ein Vielfaches lohnen.“

In den zwei Jahrzehnten seit ihrer Verabschiedung hat die Richtlinie wesentlich dazu beigetragen, die weiträumige Zerstörung unserer wertvollsten Biodiversitätsgüter zu stoppen, und einige Arten und Lebensräume lassen bereits Anzeichen einer Erholung erkennen. Das Natura-2000-Netz umfasst mehr als 26 000 geschützte Gebiete mit einer Fläche, die der von Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik zusammen entspricht. Fast 18 % des Territoriums der EU sowie 200 000 km2 an geschützten Meeresgebieten sind inzwischen in das Netz einbezogen. Slowenien beispielsweise hat über ein Drittel seines Territoriums als geschützte Gebiete ausgewiesen.

Die EU-Finanzierungsmittel für den Naturschutz wurden in den vergangenen 20 Jahren aufgestockt. LIFE, das gleichzeitig mit der FFH-Richtlinie verabschiedet wurde, hat über 1,2 Mrd. EUR für die Bewirtschaftung und Sanierung von mehr als 2000 Natura-2000-Gebieten in der EU beigesteuert.

Mithilfe von LIFE-finanzierten Projekten konnten Arten erhalten werden, die bereits kurz vor dem Aussterben standen, wie die Flussperlmuschel in Deutschland und der Tschechischen Republik, die Abruzzen-Gämse in Italien, die Ungarische Wiesenotter und der Spanische Kaiseradler. LIFE unterstützt auch die Erhaltung der Rotbauchunke in Deutschland, Dänemark, Schweden und Lettland.

Die großflächige Zerstörung von wertvollen Lebensräumen mit reicher Flora und Fauna konnte dank zahlreicher konkreter Sanierungsprojekte in der ganzen EU gestoppt werden. Die Projekte betrafen beispielweise den Schutz von Sanddünen in Litauen, die Säuberung von Posidonia-Wiesen von gebietsfremden Arten in Frankreich sowie die Sanierung der Donau in Österreich, des Laubwaldes in Schweden, von Feuchtgebieten in den Niederlanden und von Hochmooren in Polen und Dänemark. Viele dieser Initiativen wurden im Rahmen von LIFE gefördert.

Hintergrund

Natura 2000 ist kein System von Naturschutzgebieten im strikten Sinne, sondern basiert auf dem viel breiteren Prinzip des nachhaltigen Flächen- und Wasser­nutzungsmanagements. Wirtschaftliche Tätigkeiten in den Gebieten sind möglich, sofern sie deren Erhaltungsziele nicht gefährden. Natura 2000 hat zahlreiche Möglichkeiten für Freizeittätigkeiten und Fremdenverkehr eröffnet. Natur-2000-Gebiete ziehen jedes Jahr schätzungsweise 1,2 bis 2,2 Milliarden Besucher an, womit jährlich zwischen 5 und 9 Milliarden Euro erwirtschaftet werden.

Bei neuen Entwicklungsprojekten muss die Integrität von Natura-2000-Gebieten gewahrt bleiben, und Projekte mit potenziell schädlichen Auswirkungen dürfen  nach einer umfassenden Umweltprüfung – nur durchgeführt werden, wenn es keine alternative Lösung gibt, wenn das Projekt aus zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses gerechtfertigt ist und etwaige Verluste oder Schädigungen der Gebiete ausgeglichen werden. So wurde für die Straße Via Baltica in Polen eine alternative Streckenführung gewählt, und in Schottland wurde der Standort eines Windparks angepasst, um den Steinadler zu erhalten.

Die Einbeziehung lokaler Akteure in die Verwaltung von Natura 2000 ist ebenfalls von größter Bedeutung und bietet neue Möglichkeiten für ein nachhaltiges Flächennutzungsmanagement, was durch Initiativen wie die naturschutzfreundliche Landwirtschaft belegt wird, die mit einem LIFE-Projekt für die vergletscherte Karstlandschaft in Burren, Irland eingeführt wurde. Und in Frankreich beispielsweise arbeiten die Behörden eng mit örtlichen Grundbesitzern zusammen, um für jedes Gebiet einen Bewirtschaftungsplan zu erstellen.

Die wirksame Bewirtschaftung und Sanierung von Gebieten im Rahmen von Natura 2000 ist mit erheblichen Kosten verbunden, die zum Teil durch EU-Gelder etwa aus dem Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und dem Regionalentwicklungsfonds gedeckt werden können. Doch über den eigentlichen Naturschutz hinaus erbringt Natura 2000 auch lebenswichtige Ökosystemdienstleistungen und sozioökonomische Vorteile, deren geschätzter monetärer Wert diese Investitionskosten bei Weitem übersteigt.

Die Kommission gibt heute eine Festbroschüre über die FFH-Richtlinie heraus, die einige der vielen bisherigen Erfolge beleuchtet und den tatsächlichen EU-Mehrwert dieser Gesetzgebung in allen Mitgliedstaaten aufzeigt. In ganz Europa finden Festakte statt, in zahlreichen Natura-2000Gebieten in den EU-Mitgliedstaaten sind Sonderveranstaltungen vorgesehen, und über 300 LIFE-Veranstaltungen sind geplant. Im Oktober 2012 wird in Brüssel eine große Konferenz organisiert.

Weitere Informationen

Festbroschüre „Die FFH-Richtlinie“:

http://ec.europa.eu/environment/nature/info/pubs/directives_en.htm

EU-Website für Natur und Biodiversität:

http://ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm

EU-Website für das LIFE-Programm:

http://ec.europa.eu/environment/life/funding/lifeplus.htm

Audiovisuelles Material über LIFE-Projekte:

http://lifevideos.eu/videos/

Kontaktpersonen:

Joe Hennon (+32 229 53593)

Monica Westeren (+32 229-91830)


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