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Europäische Kommission – Pressemitteilung

Mehr Frauen in Chefetagen: Europäische Kommission prüft Optionen

Brüssel, 5. März 2012 – Ein Jahr nach dem Aufruf von EU-Justizkommissarin Viviane Reding, glaubwürdige Selbstregulierungsinitiativen zu ergreifen (siehe MEMO/11/124), sind laut einem heute veröffentlichten Bericht der Europäischen Kommission hinsichtlich der Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsgremien der Unternehmen nur kleine Fortschritte zu verzeichnen. Von sieben Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitgliedern führender europäischer Unternehmen ist nur eins weiblich (13,7 %). Das bedeutet eine leichte Verbesserung gegenüber 2010 (11,8 %). Bei dieser Geschwindigkeit würde es allerdings noch immer 40 Jahre dauern, bis ein signifikantes, ausgewogenes Geschlechterverhältnis (Mindestanteil von 40 % Frauen bzw. Männern) herrscht.

Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Spitzenpositionen trägt nachweislich zu besserer Unternehmensleistung, stärkerer Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichem Gewinn bei. So erzielen beispielsweise laut einem McKinsey-Bericht Unternehmen mit einer ausgewogenen Beteiligung von Männern und Frauen einen 56 % höheren Betriebsgewinn als rein männlich besetzte Unternehmen. Ernst & Young untersuchte die 290 größten börsennotierten Unternehmen und fand heraus, dass Unternehmen mit mindestens einer Frau im Führungsgremium einen bedeutend höheren Gewinn verzeichneten als Unternehmen ohne Frauen in der Chefetage.

Um festzustellen, welche Maßnahmen geeignet sind, um den andauernden Mangel an Geschlechterdiversität in den Chefetagen börsennotierter Unternehmen in Europa zu beheben, leitete die Kommission heute eine öffentliche Konsultation ein. Sie bittet um Stellungnahmen zu möglichen - auch gesetzlichen - Maßnahmen, mit denen auf EU-Ebene in den Führungsgremien der Unternehmen ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis hergestellt werden kann. Die öffentliche Konsultation dauert bis zum 28. Mai 2012. Anschließend wird die Kommission über die im weiteren Jahresverlauf erfolgenden Maßnahmen beschließen.

Der heutige Bericht über das Geschlechtergleichgewicht in den Führungsgremien der Unternehmen kommt ein Jahr nach der Aufforderung von EU-Justizkommissarin Viviane Reding an die börsennotierten Unternehmen in Europa, sich selbst zur Erhöhung des Frauenanteils in ihren Leitungsgremien zu verpflichten und dazu die Erklärung „Frauen in den Chefetagen - Selbstverpflichtung für Europa“ zu unterzeichnen. Mit ihrer Unterzeichnung verpflichten sich die Unternehmen, den Frauenanteil in ihren Führungsgremien bis 2015 auf 30 % und bis 2020 auf 40 % zu erhöhen. In den vergangenen zwölf Monaten haben aber europaweit nur 24 Unternehmen die Selbstverpflichtung unterschrieben.

Vor einem Jahr habe ich die Unternehmen aufgerufen, freiwillig mehr Frauen in die Leitungsgremien zu holen. Mein Aufruf wurde vom Europäischen Parlament unterstützt und in vielen EU-Mitgliedstaaten von Ministern für Beschäftigung, Soziales und Gleichstellung von Männern und Frauen an Unternehmensverbände weitergeleitet. Ich bedauere aber, dass die Selbstverpflichtung bisher trotzdem keine zufriedenstellenden Ergebnisse gezeitigt hat, “ erklärte Viviane Reding, die Vizepräsidentin der Kommission und EU-Justizkommissarin. „Das Fehlen der Frauen in den Spitzenpositionen der Geschäftswelt schadet Europas Wettbewerbsfähigkeit und behindert das Wirtschaftswachstum. Deshalb haben einige EU-Mitgliedstaaten – Belgien, Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien – Rechtsvorschriften zur Einführung von Geschlechterquoten in Führungsgremien von Unternehmen erlassen. Einige Länder – Dänemark, Finnland, Griechenland, Österreich und Slowenien – haben Vorschriften für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Vorständen staatlicher Unternehmen angenommen. Ich bin persönlich kein großer Befürworter von Quoten. Aber ich schätze ihre Ergebnisse. Ich stelle ferner fest, dass Unternehmen, die auf dem Binnenmarkt über die Grenzen hinweg tätig sind, verschiedene nationale Quotengesetze erfüllen müssen, wenn sie an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen wollen. Aus diesem Grund umfasst das Legislativ- und Arbeitsprogramm der Kommission für 2012 eine Initiative, um dieses Problem anzugehen. Heute fordere ich die Öffentlichkeit – Einzelunternehmen, Sozialpartner, interessierte NRO und Bürger – auf, dazu Stellung zu nehmen, welche Maßnahmen die EU treffen sollte, um die mangelnde Geschlechterdiversität in den Chefetagen zu beheben. Meines Erachtens ist es höchste Zeit für Europa, die gläserne Decke zu durchbrechen, die weibliches Talent weiterhin von der Spitze der börsennotierten Unternehmen in Europa trennt. Um den Wandel zustande zu bringen, werde ich mit dem Europäischen Parlament und allen Mitgliedstaaten eng zusammenarbeiten.“

Verglichen mit dem langfristigen Durchschnitt von 0,6 % pro Jahr im letzten Jahrzehnt wurde im vergangenen Jahr der seit langem größte Fortschritt bei der Verbesserung des Geschlechterverhältnisses in den europäischen Chefetagen verzeichnet (Anstieg des Frauenanteils von Oktober 2010 bis Januar 2012: 1,9 %). Er lässt sich auf die Aufrufe der Kommission und des Europäischen Parlaments (MEMO/11/487) und einige nationale Legislativinitiativen zurückführen. Frankreich, das 2011 ein Gesetz über das Geschlechtergleichgewicht in Führungsgremien einführte, sorgte allein für fast die Hälfte des Anstiegs in Europa. Insgesamt aber verläuft der Wandel hartnäckig langsam. Die Zahl der Frauen, die in Führungsgremien großer Unternehmen den Vorsitz führen, ging sogar von 3,4 % im Jahr 2010 auf 3,2 % im Januar 2012 zurück.

Die europäische Bevölkerung spricht sich eindeutig für eine Änderung dieser Situation aus: Nach einer neuen, heute veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage (siehe Anlage) meinen 88 % der Europäer, dass Frauen bei gleicher Qualifikation in den Spitzenjobs der Unternehmen gleichermaßen vertreten sein sollten. 76 % der Europäer sind der Ansicht, dass Frauen über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen. 75 % der Befragten befürworten Rechtsvorschriften zum Geschlechtergleichgewicht in Führungsgremien von Unternehmen, wobei etwa die Mehrheit der Befragten (49 %) Geldbußen für das geeignetste Mittel zur Durchsetzung einer solchen Vorschrift halten (siehe Anlage).

Hintergrund

Es gibt immer mehr Belege für den immensen wirtschaftlichen Nutzen einer ausgewogeneren Präsenz von Frauen und Männern bei der Beschlussfassung im Wirtschaftsbereich (siehe heutiger Kommissionsbericht). Ein höherer Frauenanteil in Spitzenstellungen kann zu einem produktiveren und innovativeren Arbeitsumfeld und insgesamt zu besserer Unternehmensleistung beitragen und damit die Wettbewerbsfähigkeit fördern. Inzwischen sind 60 % der Hochschulabsolventen Frauen, aber nur wenige erreichen die Unternehmensspitzen. Die Öffnung zu höheren Positionen ist ein Anreiz für Frauen, ins Erwerbsleben einzutreten und darin zu verbleiben, trägt zu höheren weiblichen Beschäftigungsraten bei und führt zu einer besseren Nutzung des Potenzials der Frauen als Humanressource. „Wenn wir das Ziel der Strategie Europa 2020 – der EU-Wachstumsstrategie – erreichen wollen, die Beschäftigungsrate für Frauen und Männer im Alter von 20 bis 64 Jahren auf 75 % zu steigern, müssen wir die geschlechterspezifische Diversität zu einem Wachstumsfaktor machen“, erklärte die Vizepräsidentin der Kommission Viviane Reding.

Die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern an Entscheidungsprozessen ist eines der Ziele der europäischen „Charta für Frauen“ (siehe IP/10/237), die von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Vizepräsidentin Reding im März 2010 initiiert wurde. Im September 2010 nahm die Kommission zur Bekräftigung ihres Engagements eine Strategie zur Chancengleichheit für die nächsten fünf Jahre an (siehe IP/10/1149 und MEMO/10/430), die gezielte Initiativen für mehr Frauen in Entscheidungspositionen in der Wirtschaft umfasst. Das Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission 2012 kündigt eine Legislativmaßnahme für ein ausgewogeneres Verhältnis von Männern und Frauen in Vorständen von börsennotierten Unternehmen an.

Der heute vorgelegte Kommissionsbericht stellt heraus, dass zwar in jüngster Zeit vor allem in Ländern, die Geschlechterquoten eingeführt haben, einige Fortschritte erzielt wurden, diese aber begrenzt bleiben. Zudem bestehen große Unterschiede zwischen den Ländern. In den größten finnischen Unternehmen beträgt der Frauenanteil in den Führungsgremien 27 %, in Lettland 26 %, aber nur 3 % in Malta und 4 % in Zypern.

Weitere Informationen:

Anhang

Figure 1: Women and men on the boards of the largest listed companies, January 2012

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Source: European Commission, Database on women and men in decision-making and Eurostat, Labour Force Survey. Note: Data on share of employment not available for RS; data on tertiary education not available for LU, EL and RS.

Figure 2: Share of women on the boards of the largest publicly listed companies, 2010-2012

(% total board members)

 

2010 (Oct)

2011 (Oct)

2012 (Jan)

EU-27

11.8

13.6

13.7

BE

10.5

10.9

10.7

BG

11.2

15.2

15.6

CZ

12.2

15.9

15.4

DK

17.7

16.3

16.1

DE

12.6

15.2

15.6

EE

7.0

6.7

6.7

IE

8.4

8.8

8.7

EL

6.2

6.5

7.4

ES

9.5

11.1

11.5

FR

12.3

21.6

22.3

IT

4.5

5.9

6.1

CY

4.0

4.6

4.4

LV

23.5

26.6

25.9

LT

13.1

14.0

14.5

LU

3.5

5.6

5.7

HU

13.6

5.3

5.3

MT

2.4

2.3

3.0

NL

14.9

17.8

18.5

AT

8.7

11.1

11.2

PL

11.6

11.8

11.8

PT

5.4

5.9

6.0

RO

21.3

10.4

10.3

SI

9.8

14.2

15.3

SK

21.6

14.6

13.5

FI

25.9

26.5

27.1

SE

26.4

24.7

25.2

UK

13.3

16.3

15.6

Source: European Commission database on women and men in decision-making: http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/gender-decision-making/database/index_en.htm

Figure 3: Men and Women presidents/chairpersons of large companies,
EU-27

Figures and graphics available in PDF and WORD PROCESSED

Figure 4: Nearly nine Europeans out of ten agree that, given equal competence, women should be equally represented in positions of leadership in companies.

Figure 5: Three-quarters of Europeans are in favour of legislation on gender balance on company boards

Figure 6: Almost half of the Europeans mention monetary sanctions as the most effective sanction in case of non-compliance

Contacts:

Matthew Newman (+32 2 296 24 06)

Mina Andreeva (+32 2 299 13 82)


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