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Fusionskontrolle: Kommission prüft geplante Übernahme von Mach durch Syniverse

European Commission - IP/12/1439   20/12/2012

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 20. Dezember 2012

Fusionskontrolle: Kommission prüft geplante Übernahme von Mach durch Syniverse

Die Europäische Kommission hat nach der EU-Fusionskontrollverordnung eine eingehende Untersuchung der geplanten Übernahme des luxemburgischen Unternehmens Mach durch die US-amerikanische Gesellschaft Syniverse eingeleitet. Mit Hilfe von Roamingdiensten können Mobilfunkteilnehmer bei Auslandsreisen Anrufe, SMS und Daten senden und empfangen. Bei den beteiligten Unternehmen handelt es sich um Datenclearing-Unternehmen, die die aufgezeichneten Daten über die Nutzung der Netze anderer Mobilfunkbetreiber verarbeiten. Mobilfunkbetreiber ermitteln anhand dieser Dienste die Vorleistungszahlungen, die sie einander für das Roaming der Teilnehmer berechnen. Diese Zahlungen gehen letztlich in die Telefonrechnungen der Verbraucher ein. Die vorläufige Prüfung der Kommission ergab, dass der Zusammenschluss in Bezug auf mehrere Märkte für Roamingtechnologien wettbewerbsrechtliche Bedenken aufwerfen könnte. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen (d. h. bis zum 15. Mai 2013) abschließend feststellen, ob der geplante Zusammenschluss den wirksamen Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich beeinträchtigen würde. Die Einleitung einer eingehenden Prüfung greift ihrem Ergebnis jedoch nicht vor.

Der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission Joaquín Almunia erklärte: „Die sich den Verbrauchern bietende Möglichkeit, bei Reisen in andere Mitgliedstaaten erschwingliche Roamingdienste in Anspruch zu nehmen, zählt zu den wichtigen Erfolgen des Binnenmarkts. Wir müssen sicherstellen, dass dieser Erfolg durch Zusammenschlüsse im Bereich der Schlüsseltechnologien, die den Verbrauchern diese Möglichkeit eröffnen, nicht gefährdet wird.“

Die vorläufige Prüfung der Kommission ergab, dass durch den Zusammenschluss sowohl auf EWR-Ebene als auch weltweit das mit Abstand größte Datenclearing-Unternehmen entstehen würde. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen Zweifel, dass Kunden und Wettbewerber einen ausreichenden Wettbewerbsdruck auf das neuaufgestellte Unternehmen werden ausüben können. Sollten Mobilfunkbetreiber keine ausreichenden Alternativen zu dem zusammengeschlossenen Unternehmen haben, hätte dieses verstärkt die Möglichkeit, die Preise für seine Datenclearingdienste anzuheben und deren Qualität zu verringern. Dies würde den Betreibern erheblichen Schaden zufügen.

Ferner wäre die Marktmacht des zusammengeschlossenen Unternehmens bei der Abwicklung von Rechnungen, die Mobilfunkbetreiber einander für das Roaming ihrer Teilnehmer ausstellen („Finanzclearing“) beträchtlich. Schließlich würde das zusammengeschlossene Unternehmen umfangreiche Daten kontrollieren, die Mobilfunkbetreiber zur Aufdeckung von Roamingbetrug verwenden. Die Eindämmung dieser Art von Betrug ist für die Mobilfunkbetreiber sehr wichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen Zweifel, dass die Wettbewerber der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen für die Mobilfunkbetreiber in Bezug auf diese Dienste eine ernstzunehmende Alternative darstellen können. Sollten sich diese Zweifel bestätigen, könnte der Zusammenschluss auch eine Erhöhung der Preise und eine Verringerung der Qualität dieser Dienste bewirken.

Die Kommission wird nun im Rahmen einer eingehenden Prüfung des Vorhabens feststellen, ob diese Bedenken gerechtfertigt sind.

Das Vorhaben wurde am 16. November 2012 bei der Kommission angemeldet.

Hintergrund

Die Kommission hat sich bereits im Jahr 2007 mit Unternehmen befasst, die Clearingdienste für Roamingdaten anbieten. Damals prüfte sie den Zusammenschluss zwischen Syniverse und BSG, dem damals drittgrößten Datenclearing-Unternehmen in Europa. Die Kommission konnte das Vorhaben genehmigen, weil Mach als starker Wettbewerber des zusammengeschlossenen Unternehmens auf dem Markt verblieb (vgl. IP/07/1852). Nun plant Syniverse die Übernahme von Mach. Nach dem Zusammenschluss wäre es sowohl weltweit als auch auf EWR-Ebene das mit Abstand größte Datenclearing-Unternehmen.

Unternehmen und Produkte

Syniverse ist ein globaler Anbieter von Technologiediensten für Telekommunikationsunternehmen. Zu seinen Schwerpunkten zählen Datenclearing und finanzielle Abwicklung für Roamingdienste, SMS- und Nummernübertragungslösungen und verschiedene andere technologische Lösungen für Telekommunikationsgesellschaften. Syniverse hat seinen Sitz im US-amerikanischen Tampa und wird von der Investmentgruppe Carlyle kontrolliert.

Auch Mach erbringt weltweit Technologiedienste für Telekommunikationsunternehmen. Dabei handelt es sich insbesondere um Datenclearing und die finanzielle Abwicklung für Roamingdienste, SMS-Lösungen, Dienstleistungen für Betrugserkennung und Einnahmenschutz, Lösungen für die systematische Analyse von Daten (Business Intelligence) und die Abrechnung von Informationsinhalten (Content Billing). Mach hat seinen Hauptsitz in Luxemburg und wird zurzeit von der Privat-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus kontrolliert.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission ist verpflichtet, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Derzeit laufen drei weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Das erste betrifft die geplante Übernahme von TNT Express durch UPS in der Paketdienstbranche (IP/12/816). Die Kommission muss dieses Prüfverfahren bis zum 5. Februar zum Abschluss bringen. Im zweiten eingehenden Prüfverfahren, in dem spätestens am 27. Februar 2013 ein abschließender Beschluss ergehen muss, wird der geplante Zusammenschluss von Ryanair mit seinem Konkurrenten Aer Lingus untersucht (IP/12/921). Gegenstand der dritten eingehenden Prüfung ist die geplante Zusammenführung von Munksjö und dem europäischen „Label and Processing“-Geschäft von Ahlstrom in der Papierbranche (IP/12/1338). Dieses Verfahren muss spätestens am 16. Mai 2013 abgeschlossen werden.

Weitere Informationen unter:

http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6690

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 229-74513)

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 229-51925)


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