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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, den 16. November 2012

Fischerei: Kommission schlägt Aktionsplan zum Schutz von Seevögeln vor

Die Europäische Kommission hat heute einen Aktionsplan zur Reduzierung von Seevogel­beifängen in Fanggeräten verabschiedet. Wissenschaftliche Gutachten haben gezeigt, dass sich jedes Jahr zahlreiche Seevogelarten, darunter Albatrosse, Sturmvögel, Sturmtaucher, Alken, Seeenten und Seetaucher, in Fischfanggeräten verfangen. Die bislang ergriffenen Maßnahmen, um dies zu verhindern, waren nicht wirksam. Mit dem neuen Aktionsplan wird nun ein Bewirtschaftungsrahmen geschaffen, durch den die Beifänge von Seevögeln, soweit praktisch möglich, verringert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Langleinen- und der Stellnetzfischerei, in denen die Seevogelbeifänge bekanntermaßen am höchsten sind; der Plan betrifft aber auch andere Fanggeräte wie Schleppnetze und Ringwaden. Er umfasst ein breites Spektrum an Aktionen, die unter 30 empfohlenen – teils verbindlichen, teils nicht verbindlichen – Maßnahmen zusammengefasst sind. Die Regeln gelten für EU-Fischereifahrzeuge innerhalb und außerhalb von EU-Gewässern sowie für in EU-Gewässern tätige Nicht-EU-Fahrzeuge.

Der Plan wurde im Einklang mit den Zielen und Grundsätzen der laufenden Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) erstellt: Er fördert das Ökosystemmanagement, d. h. dass alle Komponenten des Ökosystems einbezogen werden. Darüber hinaus verfolgt er einen regional zugeschnittenen „Bottom-up“-Ansatz, bei dem den Mitgliedstaaten und den Interessengruppen mehr Verantwortung für die Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur Beilegung von Problemen im Bereich der Fischerei übertragen wird.

Maria Damanaki, EU-Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei, erklärte: „Wir betrachten den heute vorgelegten Aktionsplan als eine Plattform, durch die ein klares und umfassendes Bild der derzeitigen Situation sowie der für ein kohärentes und effektives Management zur Reduzierung der Seevogelbeifänge erforderlichen Verbesserungen gezeichnet wird.“

Die 30 in dem Plan empfohlenen Aktionen sind eine Kombination aus verbindlichen und nicht verbindlichen Maßnahmen. Zu den spezifischen kurzfristigen Maßnahmen gehören:

  • eine schnellere Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen in der Fischerei zum Schutz von Seevögeln in gemäß Vogelschutzrichtlinie ausgewiesenen besonderen Schutzgebieten (SPA);

  • eine umfangreichere Überwachung der Fischereien, für die die Informationen zu Seevögelbeifängen unvollständig oder unzuverlässig sind;

  • die Umsetzung bewährter Abhilfemaßnahmen (wie Scheuchvorrichtungen zur Vogel­abwehr, akustische Abschreckungsmittel oder die Verwendung von beschwerten Leinen) in den Langleinenfischereien in EU- und Nicht-EU-Gewässern, in denen die Beifangraten am höchsten sind;

  • die Anregung von Forschungen zur Entwicklung praktischer und wirksamer Abhilfemaßnahmen, insbesondere in der Stellnetzfischerei.

Auf längere Sicht sollen die Abhilfe- und Überwachungsmaßnahmen in die neuen Konzepte für technische Maßnahmen und die Datenerhebung aufgenommen werden, die im Rahmen der GFP-Reform erarbeitet werden. Zudem gilt es, die hierfür erforderlichen Finanzmittel aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) bereitzustellen.

Einige dieser Maßnahmen werden auf EU-Ebene umgesetzt, bei anderen müssen die Mitgliedstaaten tätig werden, oder sie müssen für Fischereien außerhalb der EU-Gewässer von regionalen Fischereiorganisationen (RFO) genehmigt werden. Der Aktionsplan beinhal­tet sowohl direkt umsetzbare Maßnahmen als auch Maßnahmen, für die ein auf verfüg­baren Daten und wissenschaftlichen Gutachten basierendes längerfristiges Engagement erforderlich ist. Der Erfolg des Plans hängt von den gemeinsamen Anstrengungen der Mitgliedstaaten, der Fischer und verschiedener NRO ab.

Hintergrund

Durch die zahlreichen und weit verbreiteten Interaktionen zwischen Fischfang und Seevögeln erreicht die unbeabsichtigte Sterblichkeit von Seevögeln ein Ausmaß, das viele Seevogelpopulationen ernsthaft in ihrem Bestand gefährdet und sich nachteilig auf die Produktivität und Rentabilität der Fischerei auswirkt.

Nach konservativen Schätzungen des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) sterben jedes Jahr mehr als 200 000 Seevögel infolge ihres „Kontakts“ mit der Fischerei­flotte der EU innerhalb und außerhalb von EU-Gewässern. Mindestens 49 Seevogelarten, die als Beifang gefangen werden, sind als ernsthaft bestandsgefährdet eingestuft. Hierzu gehören der Balearen-Sturmtaucher, der Dunkle Sturmtaucher, der Mittelmeer-Sturmtaucher und die Korallenmöwe, die Opfer der Langleinenfischerei in EU-Gewässern werden, sowie die Scheckente, der Sterntaucher, der Prachttaucher, der Ohrentaucher und der Zwergsäger, die sich in Stellnetzen, insbesondere in der Ostsee, verfangen.

Die derzeitigen Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Schutz von Seevögeln sind in einer Vielzahl von Fischerei- und Umweltvorschriften sowie in zahlreichen internationalen Konventionen und Abkommen geregelt. Allerdings erwiesen sich diese Maßnahmen – mit Ausnahme weniger Einzelfälle in entlegenen Gewässern wie vor der Antarktis und den Falklandinseln – bei der Reduzierung der Beifänge von Seevögeln als weitgehend unwirksam. Deshalb ist die Kommission der Ansicht, dass mehr getan werden muss, um dieses Problem zu beheben.

Die vollständige Liste der vorgeschlagenen Maßnahmen und weitere Informationen finden Sie unter:

http://ec.europa.eu/fisheries/cfp/fishing_rules/seabirds/seabirds_communication_en.pdf

Kontaktpersonen:

Oliver Drewes (+32 229-92421)

Lone Mikkelsen (+32 229-60567)


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