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Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Inoxum durch Outokumpu unter Auflagen

European Commission - IP/12/1185   07/11/2012

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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Brüssel, 7. November 2012

Fusionskontrolle: Kommission genehmigt Übernahme von Inoxum durch Outokumpu unter Auflagen

Die Europäische Kommission hat nach eingehender Prüfung den geplanten Erwerb der Edelstahlsparte Inoxum von ThyssenKrupp (Deutschland) durch das Edelstahlunternehmen Outokumpu (Finnland) nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Die Genehmigung ergeht unter der Bedingung, dass Inoxum sich von seiner Produktionsanlage für Edelstahl im italienischen Terni trennt. Die Kommission hatte Bedenken, dass das aus der Verschmelzung der beiden größten Anbieter von kaltgewalzten Stahlprodukten hervorgehende Unternehmen hinreichende Marktmacht erlangen würde, um Preiserhöhungen durchsetzen zu können. Durch die Verpflichtungszusagen werden diese Bedenken ausgeräumt.

„Edelstahl ist Grundstoff für eine Vielzahl von Produkten – von Haushaltswaren bis hin zu Industrieanlagen. Außerdem ist Edelstahl ein wesentlicher Grundstoff für viele europäische Branchen. Durch den Verkauf des Standorts Terni in Italien wird sichergestellt, dass sich das Aufkommen eines neuen europäischen Marktführers nicht negativ auf die Verbraucher und die Unternehmen in Europa auswirkt“, erklärte der EU-Kommissar für Wettbewerbspolitik Joaquín Almunia.

Die eingehende Untersuchung der Kommission konzentrierte sich auf die Produktion kaltgewalzter Stahlprodukte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Der Zusammenschluss führt zur Verschmelzung der beiden größten Anbieter auf diesem Produktmarkt. Das ursprünglich angemeldete Vorhaben hätte zur Gründung eines Unternehmens geführt, das dreimal so groß wie Aperam (Luxemburg) und fünfmal so groß wie Acerinox (Spanien) gewesen wäre. Die beiden Unternehmen sind derzeit die engsten Wettbewerber auf diesem Markt und die Nummer drei bzw. vier unter den Edelstahlanbietern.

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass Importe zwar einen nennenswerten Anteil des EWR-Marktes ausmachen, damit aber keine Preiserhöhungen erzwungen werden können, weil sie von den Kunden im Allgemeinen nicht als uneingeschränkt ersetzbar angesehen werden. Obwohl die beiden wichtigsten Wettbewerber (Aperam und Acerinox) der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen über gewisse Kapazitätsreserven verfügen, ist davon auszugehen, dass sie aus Rentabilitätsgründen eher den Preiserhöhungen des zusammengeschlossenen Unternehmens gefolgt wären, als den Wettbewerb drastisch zu verschärfen, um sie zu verhindern. Die Preiserhöhungen, die in der Folge eines Zusammenschlusses in der ursprünglich angemeldeten Form vorgenommen worden wären, wären wahrscheinlich höher ausgefallen als etwaige Synergien.

Um diese Bedenken auszuräumen, boten die beteiligten Unternehmen an, die Stahlproduktionsanlage von Inoxum am Standort Terni sowie mehrere Vertriebszentren in Europa zu veräußern. Der Käufer wird ein vollständig integriertes, eigenständiges Produktions- und Vertriebsgeschäft mit Zugang zu den wichtigsten EWR-Ländern erwerben. Optional kann außerdem das Eisenwerk am Standort Terni (Societa' delle Fucine) und die große Blankglühlinie LBA2 erworben werden. Die Kommission wird sicherstellen, dass dieses Geschäft, wie in der EU-Fusionskontrollverordnung vorgesehen, einem geeigneten Käufer übereignet wird. Sie wird sich ferner vergewissern, dass die Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit von Terni gewahrt bleiben.

Durch die Verpflichtungszusagen ist sichergestellt, dass das zusammengeschlossene Unternehmen auf dem EWR‑Markt für kaltgewalzte Edelstahlprodukte weiterhin einem ausreichendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sein wird. Die Kommission gelangte daher zu dem Schluss, dass der geplante Zusammenschluss in der durch die Verpflichtungen geänderten Form keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken gibt. Der Genehmigungsbeschluss ergeht unter der Auflage, dass die Zusagen strikt eingehalten werden.

Hintergrund

Edelstahl ist eine Stahllegierung mit einem Chromgehalt an von mindestens 10,5 % und einem Kohlenstoffgehalt von höchstens 1,2 %. Im Vergleich zu Kohlenstoffstahl handelt es sich bei Edelstahl um ein hochwertiges Produkt, das mengenmäßig 2 % und wertmäßig 10 % des Stahlweltmarktes ausmacht. Das für Edelstahl charakteristische Hauptmerkmal ist seine Korrosionsbeständigkeit, die durch den Zusatz von Chrom erzielt wird.

Edelstahl wird von zahlreichen Bereichen der Konsumgüterindustrie bei einer Vielzahl von Produkten eingesetzt, bei denen die Beständigkeit gegen atmosphärische und chemische Korrosion von Bedeutung ist oder bei denen Hygiene eine große Rolle spielt (z. B. in der Haushaltswaren- und Haushaltsgeräteindustrie, Automobilindustrie, Bauindustrie, Gastronomie, chemischen Industrie, Lebensmittelindustrie und in der Verkehrsindustrie).

Der geplante Zusammenschluss wurde am 10. April 2012 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Am 21. Mai 2011 eröffnete die Kommission diesbezüglich ein eingehendes Prüfverfahren (siehe IP/12/495). Die beteiligten Unternehmen wurden in der am 9. August 2012 von der Kommission angenommenen Mitteilung der Beschwerdepunkte darauf hingewiesen, dass der Zusammenschluss in der ursprünglich angenommenen Form ernsthafte wettbewerbsrechtliche Bedenken auf den Märkten für kaltgewalzte Edelstahlerzeugnisse aufwarf.

Die Untersuchung der Kommission ergab, dass das Zusammenschlussvorhaben keine Wettbewerbsprobleme im Bereich der Produktion von Brammen, warmgewalzten Edelstahlprodukten, Präzisionsband und Ferrochrom aufwirft. Die Kommission kam ferner zu dem Schluss, dass der Zusammenschluss auch im Hinblick auf die Distribution von Edelstahlerzeugnissen wettbewerbsrechtlich unbedenklich ist.

Unternehmen und Produkte

Outokumpu ist ein an der Börse Helsinki notiertes finnisches Unternehmen und Muttergesellschaft eines Konzerns, der weltweit Edelstahlprodukte herstellt und vertreibt. Outokumpu produziert außerdem Ferrochrom.

Inoxum ist die Edelstahlsparte der deutschen Thyssen Krupp AG. Das Unternehmen produziert und vertreibt Edelstahlprodukte und Produkte aus hochlegiertem Stahl.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie den Zusammenschluss im Vorprüfverfahren genehmigt (Phase I) oder ein eingehendes Prüfverfahren einleitet (Phase II).

Derzeit laufen drei weitere eingehende Prüfverfahren: Gegenstand des ersten Falles ist die geplante Übernahme von Orange Austria durch Hutchinson auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt (siehe IP/12/726). Die Frist für einen endgültigen Beschluss endet am 21. Dezember 2012. In der zweiten Sache, die von der Kommission in einem eingehenden Prüfverfahren untersucht wird, geht es um die geplante Übernahme des Kurierdienstes für Kleinpakete TNT Express durch seinen Konkurrenten UPS (siehe IP/12/816); die Frist endet am 15. Januar 2013. Gegenstand des dritten Phase-II-Falles sind die Pläne der Billigfluglinie Ryanair, die irische Fluggesellschaft Aer Lingus zu übernehmen (siehe IP/12/921); Frist: 6. Februar 2013.

Eine nichtvertrauliche Fassung des heutigen Beschlusses wird veröffentlicht unter:

http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6471

Kontakt:

Antoine Colombani (+32 2 29-74513)

Marisa Gonzalez Iglesias (+32 229-51925)


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