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Europäische Kommission

Pressemitteilung

Frankfurt/Brüssel, 9. Oktober 2012

Literaturpreis der Europäischen Union 2012: Preisträger auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben

Auf der Frankfurter Buchmesse sind heute die Gewinner des Literaturpreises der Europäischen Union 2012 bekanntgegeben worden. Der Preis, der an besonders erfolgreiche Nachwuchsautoren in der EU vergeben wird, geht dieses Jahr an: Anna Kim (Österreich), Lada Žigo (Kroatien), Laurence Plazenet (Frankreich), Viktor Horváth (Ungarn), Kevin Barry (Irland), Emanuele Trevi (Italien), Giedra Radvilavičiūtė (Litauen), Gunstein Bakke (Norwegen), Piotr Paziński (Polen), Afonso Cruz (Portugal), Jana Beňová (Slowakei) und Sara Mannheimer (Schweden). Alle Gewinner (Details siehe unten) erhalten ein Preisgeld von 5 000 EUR und ‑ noch wichtiger ‑ Vorrang bei der Unterstützung aus dem EU-Kulturprogramm für die Übersetzung ihrer Werke in andere Sprachen.

Ich gratuliere allen Preisträgern dieses Jahres ganz herzlich. Wir hoffen, dass der Preis ihnen zu mehr Bekanntheit und Ansehen sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Herkunftsländer verhelfen wird. Wenn Literatur über Grenzen hinausgeht, ist dies nicht nur gut für Autoren und Verleger, die neue Märkte erschließen wollen, sondern auch für die Leserschaft, die mehr Auswahl und Zugang zu Werken bekommt, auf die sie sonst vermutlich nie gestoßen wäre. Unser neues Programm ‚Kreatives Europa’ wird es uns ermöglichen, in Zukunft noch mehr Unterstützung für Autoren und kulturelle Vielfalt anzubieten“, erklärte die für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou.

Am Literaturpreis der Europäischen Union können sich die 37 Länder beteiligen, die am EU-Kulturprogramm teilnehmen (die 27-EU-Mitgliedstaaten sowie Albanien, Bosnien-Herzegowina, Island, Liechtenstein, Kroatien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Norwegen, Serbien, Türkei). Jedes Jahr nominieren nationale Jurys in einem Drittel der teilnehmenden Ländern ihre Preisträger, so dass alle am Kulturprogramm beteiligten Länder im Laufe von drei Jahren einmal zum Zuge kommen.

Seit der erstmaligen Vergabe des Preises im Jahr 2009 konnten über das EU-Kulturprogramm 32 Preisträger Fördermittel für die Übersetzung ihrer Werke in verschiedene Sprachen in Anspruch nehmen. Bis heute wurden insgesamt mehr als 100 Übersetzungen in 19 Sprachen mit EU-Mitteln gefördert. Außerdem bekommen die Preisträger erhöhte Aufmerksamkeit im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, der Londoner Buchmesse und des Passa-Porta-Festivals in Brüssel.

Die diesjährigen Preisträger sollen am 22. November bei einem Festakt in Brüssel in Anwesenheit von EU-Kommissarin Vassiliou und führenden Persönlichkeiten aus Literatur, Kultur und Politik geehrt werden. Verantwortlich für den Preis sind die Europäische Kommission, der Europäische Buchhändlerverband, der Europäische Schriftstellerverband und der Europäische Verlegerverband.

Hintergrund

Die Europäische Kommission investiert 3 Mio. EUR jährlich in literarische Übersetzungen und mehr als 2,4 Mio. EUR in Kooperationsprojekte mit dem Buchsektor. Die Buchbranche trägt 23 Mrd. EUR zum BIP der EU bei und beschäftigt 135 000 Personen in Vollzeit. Bücher sind nach Kunstwerken und Antiquitäten das am zweithäufigsten exportierte Kulturgut der EU.

Das Verlagswesen ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur- und Kreativwirtschaft, die einen Anteil bis zu 4,5 % am BIP der EU hat und 8,5 Millionen Arbeitsplätze bietet. Obwohl sich diese Branchen als relativ krisenfest erwiesen haben, stehen sie vor großen Herausforderungen im Zusammenhang mit Digitalisierung, Globalisierung und Marktfragmentierung entlang kultureller und sprachlicher Grenzen.

Die Kommission hat ein neues Programm mit dem Titel „Kreatives Europa“ vorgeschlagen, das die Wettbewerbsfähigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft stärken und die kulturelle Vielfalt fördern soll. Die Kommission sieht für „Kreatives Europa“ ein Gesamtbudget von 1,8 Mrd. EUR für den Zeitraum 2014-2020 vor, was eine Aufstockung der Mittel um 37 % gegenüber dem derzeitigen Stand bedeutet. Aus dem Programm werden Mittel für die Übersetzung von mehr als 5000 Büchern bereitgestellt. Außerdem werden 8000 Kulturorganisationen gefördert und 300 000 Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende in die Lage versetzt, bei ihren Arbeiten über Grenzen hinaus tätig zu sein und internationale Erfahrung zu sammeln (IP/11/1399).

Am 26. September hat die Kommission ihre Strategie „Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen“ vorgestellt. Die neue Strategie ist darauf ausgerichtet, die Wettbewerbsfähigkeit und das Exportpotenzial des Sektors zu steigern und zugleich seine Ausstrahlung auf andere Bereiche, etwa Innovation, IKT und Stadterneuerung, zu optimieren. Die geforderten Maßnahmen zielen auf Kompetenzentwicklung, Zugang zu Kapital, Förderung neuer Geschäftsmodelle, Publikumsentwicklung, Zugang zu internationalen Märkten und Ausbau der Verbindungen zu anderen Branchen (IP/12/1012) ab.

Die Preisträger und ihre Bücher

Anna Kim (Österreich)

Anna Kim wurde 1977 in Daejeon, Südkorea, geboren. 1979 zog die Familie nach Deutschland. Kim studierte Philosophie und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Sie hat mehrere Kurzgeschichten, Essays und Gedichte sowie drei Romane veröffentlicht, darunter den Roman Die gefrorene Zeit, der ins Englische und Albanische übersetzt wurde. Anna Kim lebt in Wien.

  • Die gefrorene Zeit

Die Erzählerin in Anna Kims Roman ist eine relativ unerfahrene Wissenschaftlerin, die für das Rote Kreuz Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen unterstützt. Als sie einem Kosovaren hilft, dessen Frau während des Krieges verschwand, wird sie mit den schockierenden Ergebnissen der Arbeit forensischer Archäologen, Mediziner und Anthropologen konfrontiert. Allmählich wird sie auch persönlich in das Leben des Mannes verwickelt, und sie begleitet ihn ins Kosovo, wo sie die Folgen des Krieges mit eigenen Augen sieht.

Lada Žigo (Kroatien)

Lada Žigo wurde 1970 in Zagreb geboren. Sie erwarb einen Abschluss in Vergleichender Literatur und Philosophie der Universität Zagreb. Žigo hat Literaturbesprechungen und Essays für zahlreiche Zeitungen und Kultur- und Literaturzeitschriften geschrieben und leitet eine Literatenrunde für den kroatischen Schriftstellerverband. Ihr erstes Buch, Ljudi i novinari (Menschen und Journalisten), erschien 2007 und stand auf der Shortlist zweier Literaturpreise. Rulet (Roulette) ist ihr dritter Roman. Lada Žigo ist Mitglied des kroatischen Schriftstellerverbands und der kroatischen Vereinigung freischaffender Künstler. Sie lebt und arbeitet in Zagreb.

  • Rulet (Roulette)

Der Roman Rulet beschreibt eine Gesellschaft ohne Zukunftsaussichten, in der das Glücksspiel zur letzten Hoffnung eines Menschen werden kann. Die Hauptfigur ist ein Soldat, der mit dem Spielen anfängt, als er jegliche Illusion über die serbische und die kroatische Führung verloren hat, die in seinen Augen nur aus Verbrechern besteht. Gleichzeitig macht er die Amerikanisierung der Kultur und der Sprache dafür verantwortlich, dass sein Land seine Souveränität verliert und die Arbeitsplätze der Menschen dem liberalen Kapitalismus geopfert werden. Er flüchtet sich ins Roulettespiel, das bald zu einem Schicksalsspiel wird, in dem er alles gewinnen oder alles verlieren kann.

Laurence Plazenet (Frankreich)

Laurence Plazenet wurde 1968 in Paris geboren. Sie studierte an der Ecole Normale Supérieure, hat eine „Agrégation in Klassischer Literatur und einen Doktortitel in Literatur. Sie begann ihre Laufbahn als Dozentin an der Sorbonne und ging 1994 für einen Studienaufenthalt nach Princeton. Im Anschluss arbeitete sie zehn Jahre lang als Dozentin an der Universität, bevor sie ihren ersten Roman mit dem Titel L’amour seul veröffentlichte. Seither hat sie zwei weitere Bücher verfasst: La blessure et la soif und Disproportion de l’homme. Plazenet ist Dozentin für Französische Literatur an der Sorbonne, Mitglied des französischen Centre national de recherche scientifique (CNRS) und des Institut universitaire de France sowie Vizevorsitzende der Société des Amis de Port-Royal. Sie arbeitet derzeit an ihrem vierten Roman.

  • L’amour seul (Die Liebe allein)

Louise Catherine d’Albrecht ist fünfzehn Jahre alt, als sie ihren Hauslehrer, Monsieur de Ramon, zum ersten Mal trifft. Die beiden entwickeln eine heimliche Liebesbeziehung, bis der Vater seine Tochter zwingt, die Stadt zu verlassen und sich aufs Land zurückzuziehen. Wieder in Paris hofft sie, ihr Geliebter werde zu ihr zurückfinden – sie wartet jedoch vergeblich. Zutiefst verunsichert sucht sie im Glauben Zuflucht, widmet sich ihren Studien und verfasst ihr erstes Buch. De Ramon kehrt zurück, und sie lassen ihre Liebesgeschichte wiederaufleben; aber de Ramon fühlt sich zu alt und seiner Geliebten nicht würdig und beschließt, sie zu verlassen. Sie beginnt eine einseitige Korrespondenz mit ihm und lebt fortan in Askese, den Geist geschärft durch die Erinnerung an das Verlangen.

Viktor Horváth (Ungarn)

Viktor Horváth wurde 1962 in Pécs geboren. Von 2003 bis 2006 absolvierte er ein Promotionsstudium an der Universität Miskolc. Seit 2003 lehrt er die Theorie der Poesie und die Geschichte der Form im Mittelalter und Spätmittelalter an der Universität Pécs. Er übersetzt Texte aus dem Englischen, Deutschen und Spanischen.

  • Török tükör (Türkischer Spiegel)

Török tükör entführt den Leser auf eine abenteuerliche Reise ins Ungarn des 16. Jahrhunderts, kurz nachdem das Land unter die Herrschaft Süleyman des Prächtigen geraten war. Der Roman beschreibt dieses instabile Grenzland zwischen zwei Reichen als farbenprächtige Kavalkade von unterschiedlichen Kalendern und Sprachen, heiligen Schriften, Königen und Kaisern, mächtigen Sultanen, ungarischen Adeligen und osmanischen Beys, Kaufleuten, Dorfmagistraten und manchmal sogar Engeln, Dschinns und seltsamen fliegenden Maschinen.

Kevin Barry (Irland)

Kevin Barry wurde 1969 in Limerick geboren. Einen großen Teil seiner Jugend verbrachte er auf Reisen – bis zu seinem 36. Lebensjahr hatte er es bereits auf siebzehn Adressen gebracht. Nach verschiedenen Aufenthalten in Cork, Santa Barbara, Barcelona oder Liverpool ließ er sich schließlich in Sligo nieder. Er schrieb für zahlreiche Zeitungen, unter anderem für den Sunday Herald, den Irish Examiner, The Guardian, The Irish Times und The Sydney Morning Herald. Seine Kurzgeschichten wurden auf beiden Seiten des Atlantiks vielfach veröffentlicht. 2007 erhielt er den Rooney Prize for Irish Literature für seine erste Kurzgeschichten-Sammlung There Are Little Kingdoms, erschienen bei Stinging Fly Press, Dublin. 2012 gewann er den Sunday Times EFG Private Bank Short Story Award.

  • City of Bohane

Vierzig Jahre in der Zukunft ist die einstmals bedeutende Stadt Bohane an der Westküste Irlands heruntergekommen, wird vom Laster regiert und ist unter den Banden aufgeteilt. Zwar hat Bohane auch ein paar vornehme Viertel, aber das wahre Leben der Stadt spielt sich in den Hinterhöfen der Slums von Smoketown, den Hochhäusern der Northside Rises und den unheimlichen Sümpfen des Big Nothin’ ab. Jahrelang wurde Bohane von Logan Hartnett kontrolliert, dem eleganten Paten der Hartnett-Fancy-Bande. Aber seine getreuen Handlanger entwickeln ihren eigenen Ehrgeiz, und seine bessere Hälfte verlangt von ihm, alles aufzugeben und anständig zu werden. Und dann ist da noch seine Mutter ...

Emanuele Trevi (Italien)

Emanuele Trevi wurde 1964 in Rom geboren. Er ist Schriftsteller und Literaturkritiker, war Kreativdirektor beim Verlag Fazi und brachte gemeinsam mit Marco Lodoli eine Anthologie heraus. Er hat zahlreiche Essays über Dichter und Schriftsteller verfasst, darunter eine Arbeit über den Dichter Pietro Tripodo, für die er den Sandro-Onofri-Preis gewann. Derzeit arbeitet er für die Sendung Lucifero bei Radio Rai 3. Er hat für Zeitschriften geschrieben, u. a. Il Caffè Illustrato und Nuovi Argomenti, und für landesweite Zeitungen, darunter La Repubblica, La Stampa und Il Manifesto.

  • Qualcosa di scritto (Etwas Geschriebenes)

Rom, Anfang der neunziger Jahre. Ein Schriftsteller in den Dreißigern, zynisch und naiv, findet Arbeit im Archiv des Fonds Pier Paolo Pasolini, wo er eine zänkische Alte namens Laura Betti trifft. Die Begegnung mit der verrückten Heldin des Buchs ist in gewisser Hinsicht eine Begegnung mit Pasolini selbst. Gleichzeitig zeigt eine verborgene Geschichte in Petrolio, dem unvollendeten Romans Pasolinis, wie die Entzauberung unserer Zeit und die Geheimnisse des Lebens zu meistern sind.

Giedra Radvilavičiūtė (Litauen)

Radvilavičiūtė ist das Pseudonym von Giedra Subačienė, geboren 1960 im litauischen Panevėžys. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Vilnius und erwarb einen Abschluss in litauischer Sprache und Literatur. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin in ihrer Heimatregion, bevor sie als Journalistin nach Vilnius zurückkehrte. Von 1994 bis 1998 lebte sie in Chicago, wo ihr Ehemann Giedrius Subačius an der Universität lehrte. Heute lebt sie in Vilnius und arbeitet als Korrektorin bei einer Regierungsbehörde.

  • Šiąnakt aš miegosiu prie sienos (Heute Nacht schlafe ich an der Wand)

In diesen Kurzgeschichten geht es hauptsächlich um alltägliche Ereignisse, scheinbar belanglose Erfahrungen und Erlebnisse. Einige der Geschichten handeln von einer Frau mittleren Alters, die mit ihrer Tochter in einer kleinen Wohnung in der Altstadt von Vilnius lebt. In einem Kapitel (Der Reiz des Texts) werden fünf Kriterien für ein gutes literarisches Werk aufgelistet, die die Autorin anschließend in ihren Geschichten illustriert. In einer weiteren Erzählung (Wen ich gerne wiedersehen würde: eine Einführung) betrachtet sie eine Reihe höchst unterschiedlicher Figuren.

Gunstein Bakke (Norwegen)

Gunstein Bakke wurde 1968 im südnorwegischen Setesdal geboren. Sein Debütroman mit dem Titel Kontoret erschien im Jahr 2000. Alle seine Romane waren erfolgreich, aber mit Maud og Aud erlangte Bakke schließlich die Anerkennung als einer der authentischsten norwegischen Autoren. In seinem nachdenklich stimmenden Buch kombiniert er poetische Sprache, eine vielstimmige Erzählweise und scharfsinnige Analysen. Bakke lebt heute in Oslo und auf Gotland.

  • Maud og Aud: ein roman om trafikk (Maud und Aud: ein Roman über Verkehr)

Der Roman Maud og Aud wechselt ab zwischen erzählerischen Einschüben und poetischen Beschreibungen und stellt Überlegungen an zum Verkehr und zur Rolle des menschlichen Körpers in einer Gesellschaft, in der die Technologie einen immer wichtigeren Platz einnimmt. Im Zentrum der Handlung steht eine Familie, die durch einen Autounfall zerstört wird: Die Mutter stirbt, und der Vater kann nur dank künstlicher Organe weiterleben; die Zwillinge Maud und Aud überleben, schwer verletzt an Körper und Seele.

Piotr Paziński (Polen)

Piotr Paziński, geboren 1973, hat drei Bücher verfasst: eine Monographie über James Joyces Ulysses, einen subjektiven Reiseführer auf Joyces Spuren in Dublin und den Roman Pensjonat, erschienen 2010 beim Nisza-Verlag. Für diesen Roman erhielt Paziński den Paszport Polityki, den Kulturpreis der polnischen Zeitschrift Polityka. Paziński lebt in Warschau, ist Chefredakteur der jüdischen Zeitschrift Midrasz und arbeitet derzeit an einer Sammlung von Kurzgeschichten.

  • Pensjonat (Die Pension)

Auf den ersten Blick erzählt Pensjonat eine relativ einfache Geschichte: Der Roman beschreibt den Besuch eines jungen Mannes in einer Pension in der Nähe von Warschau. Als kleiner Junge kam er oft mit seiner Großmutter her, und nun trifft er Menschen, die sich an ihn als Kind erinnern. Aber es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Pension: Die Bewohner sind jüdische Holocaust-Überlebende; alles, was geschieht, ähnelt daher einem Traum von der Vergangenheit, einem Heraufbeschwören von Geistern, einem Erinnern an Menschen, Ereignisse, Diskussionen und ideologische Auseinandersetzungen aus einer längst vergangenen Zeit.

Afonso Cruz (Portugal)

Afonso Cruz wurde 1971 in Figueira da Foz geboren. Er arbeitet als Regisseur von Animationsfilmen, als Illustrator, Musiker und Schriftsteller. Cruz studierte an der António-Arroio-Kunstschule in Lissabon und am Instituto Superior de Artes Plásticas da Madeira. Zu seinem Werk gehören mehrere Animationsfilme und -serien. 2007 nahm er mit seiner Blues- und Rootsband The Soaked Lamb ein Album auf, für das er die Musik und die Texte schrieb und auf dem er Gitarre, Banjo und Ukulele spielt. Sein Debüt als Schriftsteller gab er im Jahr 2008 mit dem Roman A Carne de Deus (Der Leib Gottes).

  • A Boneca de Kokoschka (Kokoschkas Puppe)

Dieser Roman ist eine Metapher über Freundschaft und über die entscheidende Bedeutung des Anderen für unsere Identität. Zu den Hauptfiguren gehört der Jude Isaac Dresner, der – traumatisiert von der Erinnerung an seinen besten Freund, der im Zweiten Weltkrieg vor seinen Augen getötet wurde – beginnt, auf dem linken Bein zu hinken. Außerdem begegnet der Leser Bonifaz Vogel, einem Mann mit Bewusstseinslücken, Tsilia Kacev, einer orthodoxen Jüdin, die religiöse Erscheinungen hat, und dem Millionär Zsigmond Varga, der das Gewicht der menschlichen Seele ermitteln will, indem er das Böse und die Sünde mit einer hydraulischen Waage wiegt.

Jana Beňová (Slowakei)

Jana Beňová, geboren 1974, ist Dichterin und Schriftstellerin. Sie hat einen Abschluss in Theaterdramaturgie an der Hochschule für Musik und Schauspiel in Bratislava. Beňová hat für die Veröffentlichungen Dotyky, Fragment und Slovenské Pohľady geschrieben, später war sie als Journalistin unter dem Pseudonym Jana Parkrová für die Tageszeitung SME tätig. Derzeit ist sie Redakteurin am Theaterinstitut in Bratislava. Ihr Debüt war eine Gedichtsammlung mit dem Titel Svetloplachý. Sie ist außerdem Verfasserin zweier weiterer Gedichtbände, Lonochod und Nehota, eines Romans mit dem Titel Parker und einer Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel Dvanásť poviedok a Ján Med.

  • Café Hyena

Ein traditionelles Kaffeehaus im Zentrum Bratislavas, wo Touristen sich unter Stammkunden und Liebespaare mischen. Ein Buch darüber, wie wichtig es ist, unsere Lieben zu begleiten und zu schützen, besonders auf ihrem Weg durch das Petržalka-Labyrinth (und vor allem dann, wenn der Minotaurus sich leise davongestohlen hat).

Sara Mannheimer (Schweden)

Sara Mannheimer wuchs im schwedischen Göteborg auf und erhielt ihre Ausbildung in den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und der Tschechischen Republik. Sie lebt heute in Stockholm. Neben der Schriftstellerei betreibt sie einen Glasherstellungsbetrieb, Stockholm Heta Glas. 2011 und 2012 wurde Komma rusande, ein von der Kritik hoch gelobtes Tanztheaterstück, an dem sie mit der Choreografin Birgitta Egerbladh zusammenarbeitete, am Stockholmer Stadsteater aufgeführt. Reglerna, ihr Roman aus dem Jahr 2008, war für den August-Preis nominiert und gewann den Preis der Zeitung Borås Tidning für den besten Debütroman. Der Roman Handlingen wurde für den schwedischen Radiopreis für Romane nominiert.

  • Handlingen (Die Handlung)

Handlingen ist die Geschichte einer Frau, die von dem Wunsch getrieben wird, Die Bibliothek zu erobern, in der sich sämtliche Literatur weltweit befindet. Hinter ihrem zwanghaften Wunsch, die Welt um sich herum zu kontrollieren und die komplexen Theorien Roland Barthes’ und Julia Kristevas zu beherrschen, verbirgt sich der überwältigende Schmerz einer Fehlgeburt. Mannheimers poetische Schreibweise verwebt Magie und Realität, und die Autorin schafft es, die oft unsichtbare Zerbrechlichkeit des Alltags darzustellen, indem sie die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verwischt.

Mehr zum Thema

Literaturpreis-Website: http://www.euprizeliterature.eu/

Kulturportal der Europäischen Union http://ec.europa.eu/culture/index_de.htm

Website von Androulla Vassiliou

Androulla Vassiliou auf Twitter @VassiliouEU

Kontakt:

Dennis Abbott (+32 229-59258); Twitter: @DennisAbbott

Dina Avraam (+32 229-59667)


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