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Pressemitteilung der Europäischen Kommission

Fusionskontrolle: Kommission leitet eingehende Prüfungen zu zwei geplanten Übernahmen in der Festplattenbranche ein

Brüssel, 30. Mai 2011 – Die Europäische Kommission hat nach der EU‑Fusionskontrollverordnung getrennte Prüfverfahren zu zwei geplanten Übernahmen in der Festplattenbranche eingeleitet. Im ersten Fall geht es um die Übernahme der Festplattensparte des koreanischen Unternehmens Samsung durch das US-amerikanische Unternehmen Seagate Technology, im zweiten um die geplante Übernahme der Speichersparte von Hitachi (Japan) durch die Western Digital Corporation (USA). Festplatten (HDD) werden sowohl in der Unterhaltungselektronik wie auch in elektronischen Geräten für den professionellen Gebrauch benötigt, um digitale Daten zu speichern und auf diese zuzugreifen (z. B. Computer, digitale Videorekorder und Camcorders).

„Festplatten sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft“, so der für Wettbewerbspolitik zuständige Kommissionsvizepräsident, Joaquín Almunia. „In dieser Branche haben sich bereits erhebliche Konsolidierungen vollzogen, so dass der Wettbewerb durch die geplanten Übernahmen noch weiter verringert werden könnte. „Die Kommission wird die Übernahmen eingehend prüfen, ob weiterhin wirksamer Wettbewerb herrscht und ob Innovationen gefördert werden.“

Die Ergebnisse der ersten Marktuntersuchung der Kommission deuten darauf hin, dass beide Vorhaben wettbewerbsrechtlich bedenklich sind. Derzeit gibt es mit Seagate, Western Digital, Hitachi (vor Kurzem umfirmiert in Viviti Technologies), Toshiba und Samsung weltweit insgesamt fünf Festplattenhersteller.

Mit dem am 19. April 2011 bei der Kommission angemeldeten Zusammenschluss zwischen Seagate und Samsung würde Seagate seine führende Stellung auf dem Festplattenmarkt weiter konsolidieren, insbesondere als Hersteller von 3,5"-Festplatten für Desktop-Computer, der dann nur noch Western Digital und Hitachi als Konkurrenten hätte. Durch den Zusammenschluss von Western Digital und Hitachi, der vor dem Hintergrund der vorgenannten Übernahme geprüft wurde, würde der internationale Marktführer auf dem Festplattenmarkt entstehen. Bei 3,5“-Festplatten für Desktops wäre Seagate/Samsung der einzige Wettbewerber, bei mobilen 2,5“-Festplatten bestünde die Konkurrenz aus Seagate/Samsung und Toshiba.

Die Einleitung der eingehenden Prüfungen greift dem endgültigen Ergebnis der Untersuchungen nicht vor. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, d. h. bis zum 10. Oktober 2011, abschließend darüber befinden, ob die geplanten Übernahmen den wirksamen Wettbewerb zulasten der Abnehmer und Verbraucher im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)1 erheblich behindern würde.

Seagate/Samsung

Die vorläufige wettbewerbsrechtliche Würdigung des Zusammenschlusses von Seagate und Samsung erfolgte ohne Bezugnahme auf den Zusammenschluss von Western Digital und Hitachi, der am 20. April 2011, also einen Tag nach dem Seagate/Samsung-Vorhaben, angemeldet wurde.

Die Untersuchung ergab, dass das zusammengeschlossene Unternehmen einen beträchtlichen Anteil am gesamten Festplattenmarkt und insbesondere am Markt für 3,5“-Festplatten für Desktops haben würde, auf dem es ansonsten nur noch Western Digital und Hitachi als Konkurrenten gäbe. Für die Kunden könnte sich dies negativ auswirken, da weniger Preiswettbewerb herrschen würde. Der Zusammenschluss könnte außerdem dazu führen, dass für die Hersteller weniger Anreize bestehen, in Innovationen zu investieren. Im Rahmen der Marktuntersuchung wurden außerdem Bedenken laut, dass es möglicherweise zu einer Abstimmung zwischen den Festplattenherstellern kommen könnte.

Darüber hinaus würde der Zusammenschluss bedeuten, dass Samsung in ein Unternehmen eingebunden würde, das vertikal in die Herstellung von Magnetköpfen integriert ist, wobei es derzeit Magnetköpfe von TDK (Japan), dem einzigen unabhängigen Zulieferer von Magnetköpfen, bezieht. Dies könnte einen erheblichen Nachfragerückgang bei Magnetköpfen, einem wichtigen Bestandteil von Festplatten, verursachen, was wiederum zu einem geringeren Preiswettbewerb bei diesen Produkten führen und die Innovationskraft von TDK schwächen würde. Auch die Wettbewerbsfähigkeit von Toshiba auf dem Festplattenmarkt würde leiden, da Toshiba seine Magnetköpfe von TDK bezieht.

Ferner ergab die Marktuntersuchung der Kommission, dass nicht integrierte Hersteller von externen Speichern (External Storage Devices – ESD) vor allem von Samsung Magnetköpfe beziehen, da Samsung interessante Preise und innovative Produkte anbietet. Die Ergebnisse der ersten Untersuchung deuteten darauf hin, dass das neue Unternehmen nach dem Zusammenschluss gegebenenfalls die Möglichkeit und einen Anreiz hätte, die Marktpräsenz seiner eigenen externen Speicher zu stärken, indem es die Festplattenpreise erhöht oder die Belieferung von Anbietern externer Speicher einschränkt. Dies wäre dem Wettbewerb wie auch der Innovation auf dem Markt für externe Speicher sehr abträglich.

Western Digital/Hitachi

Die vorläufige wettbewerbsrechtliche Würdigung des Zusammenschlusses von Western Digital und Hitachi erfolgte unter Berücksichtigung des zuerst angemeldeten Zusammenschlusses von Seagate und Samsung.

Das neue Unternehmen aus Digital und Hitachi Transaktion wäre Weltmarktführer für Festplatten. Der einzige verbleibende Wettbewerber für 3,5"-Festplatten für Desktops wäre dann das zusammengeschlossene Unternehmen Seagate/Samsung. Bei mobilen 2,5"-Festplatten, die in Notebooks und anderen tragbaren elektronischen Geräten zum Einsatz kommen, wären Seagate/Samsung und Toshiba die einzigen Wettbewerber. Dies birgt die Gefahr, dass die Kunden preislich weniger Auswahl und die Anbieter einen geringeren Anreiz hätten, über innovative Produkte zu konkurrieren. Des Weiteren besteht ein größeres Risiko, dass sich die Hersteller von Festplatten absprechen.

Die Marktuntersuchung ergab außerdem, dass das zusammengeschlossene Unternehmen möglicherweise weniger Magnetköpfe auf dem Handelsmarkt beziehen würde. Sollte es zu einem Zusammenschluss von Western Digital und Hitachi kommen, und in Anbetracht des möglichen Zusammenschlusses von Seagate und Samsung könnte sich TDK in seinen Möglichkeiten beschränkt sehen, in die Entwicklung innovativer Magnetköpfe zu investieren, und Toshiba aufgrund seiner Abhängigkeit von den TDK-Magnetköpfen in seiner Wettbewerbsposition auf dem Festplattenmarkt geschwächt werden. Dies könnte letztlich dazu führen, dass die Preise für Festplatten nach dem Zusammenschluss steigen.

Ferner gibt die Marktuntersuchung Anlass zu der Befürchtung, dass nach dem geplanten Zusammenschluss weniger Bezugsquellen für Festplatten bestehen, was ein Nachteil für die Hersteller von externen Speichern wäre, die führende Rolle des zusammengeschlossenen Unternehmens auf dem Markt für externe Speicher allerdings stärken würde. Dies wäre dem Wettbewerb wie auch der Innovation auf dem Markt für externe Speicher sehr abträglich.

Die Unternehmen und ihre Produkte

Seagate produziert und vertreibt weltweit Festplattenlaufwerke, Solid-State Drives (Festkörperlaufwerke – SDD), externe Speicher der eigenen Marke sowie Media Player. Die Geschäftsbereiche von Seagate sind in der vorgelagerten Herstellung zentraler Bauteile (z. B. Magnetköpfe und Medien) vertikal integriert. Die von der Übernahme betroffene Festplattensparte von Samsung produziert und vertreibt Festplatten und externe Speicher der eigenen Marke. Im Gegensatz zu Seagate ist diese Sparte nicht in der vorgelagerten Herstellung von Bauteilen, sondern in der nachgelagerten Herstellung von Computern und Unterhaltungselektronik vertikal integriert. Obwohl Samsung auch auf dem SDD-Markt tätig ist, wird diese Sparte Seagate nicht übertragen.

Western Digital und Viviti Technologien Ltd (früher bekannt als Hitachi Global Storage Technologies Holdings Ltd., eine 100%ige Tochter der Hitachi Ltd) sind beide weltweit als Hersteller und Anbieter von Festplatten, SDD und externen Speichern der eigenen Marke tätig. Ihre Geschäftsbereiche sind in der vorgelagerten Herstellung zentraler Bauteile (z. B. Magnetköpfe und Medien) vertikal integriert.

Bei einem Festplattenlaufwerk (HDD) handelt es sich um ein magnetisches Speichermedium, auf dem mittels eines oder mehrerer rotierender Magnetplatten digitale Daten gespeichert und gelesen werden. Die vielseitig einsetzbaren Festplatten werden unter anderem für Desktops, Laptops und zahlreiche Anwendungen der Unterhaltungselektronik benötigt (z. B. digitale Videorekorder und Camcorders). Bei Festplatten wird nach ihrer Endverwendung unterschieden: 1) HDD für Unternehmen oder Server (Server und Speichersysteme für Unternehmen); 2) Festplatten für Desktops (z. B. für PCs und Unterhaltungselektronikgeräte); 3) mobile Festplatten (z. B. Notebooks und andere tragbare Elektronikgeräte) und 4) Verbraucherelektronik.

SDD dienen ebenfalls der Datenspeicherung, verwenden allerdings eine andere Technologie (z. B. Flash-Speicher). Sie zeichnen sich durch technisch verbesserte Merkmale wie schnellerer Zugriff und größere Zuverlässigkeit aus. Sie sind allerdings wesentlich teurer.

Externe Speicher ermöglichen es dem Verbraucher, die Speicherkapazität seiner Computer, seiner Netze zu Hause oder in kleineren Büros und ihrer Verbraucherelektronik zu ergänzen. Im Gegensatz zu Festplatten, die als Bauteile hauptsächlich an Erstausrüster („OEM“) und Händler verkauft werden, handelt es sich bei externen Speichern um ein gebrauchsfertiges Produkt, das direkt an den Verbraucher verkauft wird.

Derzeit gibt es weltweit fünf Unternehmen, die Festplatten herstellen: Seagate, Western Digital, Hitachi, Toshiba und Samsung. Sie sind alle auch auf dem nachgelagerten Markt für externe Speicher vertreten. Ferner gibt es mehrere nicht integrierte Hersteller von externen Speichern (z. B. LaCie, Freecom, Buffalo und Iomega), die von den vorgenannten Herstellern ihre Festplatten beziehen.

Den Ergebnissen der Kommissionsuntersuchung zufolge handelt es sich bei Festplatten, Solid-State Drives und externen Speichern aufgrund der unterschiedlichen Produktmerkmale, Preise und Anbieter um getrennte Märkte. Darüber hinaus deutet die Marktuntersuchung darauf hin, dass es für Festplatten je nach Endverwendung und Größe und aufgrund der geringen Substituierbarkeit auf der Nachfrageseite getrennte Teilmärkte gibt.

In Anbetracht ihrer wettbewerbsrechtlichen Bedenken wird die Kommission die geplanten Zusammenschlüsse einer eingehenden Prüfung unterziehen.

Weitere Informationen unter:

http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6203

http://ec.europa.eu/competition/elojade/isef/case_details.cfm?proc_code=2_M_6214

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

1989 wurde die Kommission damit betraut, Fusionen und Übernahmen zwischen Unternehmen zu prüfen, sofern deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Art. 1 der Fusionskontrollverordnung). Die Kommission genehmigt die überwiegende Mehrzahl der Zusammenschlüsse nach einer einmonatigen Prüfung (Phase I). Wenn jedoch wettbewerbsrechtliche Bedenken bestehen, muss ein eingehendes Prüfverfahren eingeleitet werden (Phase II). Die Einleitung eines solchen umfassenden Prüfverfahrens greift jedoch dem Ergebnis in keiner Weise vor.

Zurzeit ist die Kommission außerdem mit zwei weiteren eingehenden Prüfverfahren befasst. Die erste Untersuchung betrifft die geplante Übernahme von der MWM Holding GmbH durch Caterpillar Inc. Beide Unternehmen vermarkten Aggregate mit Hubkolbenantrieb, die für die Energieerzeugung genutzt werden (siehe IP/11/543; Frist für den Abschluss der Untersuchung ist der 16. September 2011). Bei der zweiten Untersuchung geht es um die geplante Übernahme von Myllykoski und Rhein Papier durch UPM; bei beiden Unternehmen handelt es sich um Papierhersteller (siehe IP/11/258 vom 4. März 2011; die Untersuchung muss bis zum 19. Juli 2011 abgeschlossen sein).

Kontaktpersonen:

Amelia Torres +32 2295-4629

Marisa Gonzalez Iglesias +32 229-5925

1 :

EU plus Norwegen, Island und Liechtenstein.


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