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Libyen-Krise: EU-Kommission schlägt angesichts regionaler Ausmaße Alarm und fordert humanitären Einsatz in Tschad

European Commission - IP/11/657   30/05/2011

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Pressemitteilung der Europäischen Kommission

Libyen-Krise: EU-Kommission schlägt angesichts regionaler Ausmaße Alarm und fordert humanitären Einsatz in Tschad

Brüssel, 30. Mai 2011 - Die Europäische Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion, Kristalina Georgieva, fordert von der internationalen Gemeinschaft mehr Interesse für die unmittelbaren Auswirkungen und die Langzeitfolgen des anhaltenden Libyen-Konfliktes auf empfindliche Nachbarstaaten, insbesondere Tschad und Niger. Die Experten für humanitäre Hilfe der Kommission haben in den vergangenen Tagen mehrere Einsätze zur Lagebeurteilung an der Grenze zu Tschad durchgeführt, wo die Konsequenzen der Libyen-Krise besonders besorgniserregend sind. Zusätzlich zum Einsatz humanitärer Organisationen hat die Kommission am heutigen Tag 10 Mio. EUR für humanitäre Hilfe für Menschen aus Tschad bereitgestellt, die von der Libyen-Krise betroffen sind.

Kommissarin Georgieva erklärte: „Die internationalen Medien konzentrieren sich auf die Zwangslage innerhalb Libyens und an den Grenzen zu Tunesien und Ägypten. Doch wir dürfen die Not der Tschader nicht vergessen, denen sowohl das Regime als auch die Rebellen feindlich gesinnt sind und die versuchen, aus Libyen zu fliehen. Ohne Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkunft und Versorgung sitzen sie an der Grenze fest. Unsere Experten haben das Gebiet besucht und berichten von einer besorgniserregenden Situation. Wir haben unverzüglich mit dem Einsatz von humanitären Partnerorganisationen reagiert und 10 Mio. EUR für Soforthilfe bereitgestellt. Außerdem verfolgen wir die Entwicklungen an den anderen libyschen Grenzen weiterhin genau.“

Sie fügte hinzu: „Dieser Konflikt dauert nun schon drei Monate an und ich bin aufgrund der Verschlechterung der humanitären Bedingungen zunehmend besorgt. Daher wiederhole ich unseren dringenden Aufruf an alle Parteien in Libyen: Den humanitären Organisationen muss der Zugang erleichtert und die Arbeit im ganzen Land ermöglicht werden, damit sie neutral und unparteiisch allen betroffenen Menschen, egal welcher Staatsangehörigkeit, beistehen können.“

Rund 40 000 Arbeiter aus Tschad haben nach dem Gewaltausbruch versucht, aus Libyen zu fliehen und sitzen nun an der Grenze zu ihrem Heimatland fest. Unter extremen Bedingungen warten sie auf ihre Evakuierung und benötigen humanitäre Hilfe. Ebenso dringend ist der Bedarf jenseits der Grenze im Norden Tschads. Anfang Mai besuchten Experten des Dienstes für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission (ECHO) das Gebiet und stellten eine rasant voranschreitende humanitäre Notlage fest: Örtliche Gemeinschaften werden mit Rückkehrern überflutet und sind unfähig, dem zunehmenden Bedarf an Nahrung, Wasser und anderen Ressourcen beizukommen.

Zur Bewältigung der Notlage entsendet die Kommission eine neue Expertengruppe in die Region, um die Bedarfsentwicklung zu ermitteln, sich mit anderen internationalen Akteuren abzustimmen und sicherzustellen, dass angemessene Unterstützung geleistet werden kann. Außerdem hat die Kommission gerade 10 Mio. EUR bereitgestellt, mit denen der dringende Bedarf der Rückkehrer an Nahrung, Wasser, ärztlicher Betreuung und Schutz gedeckt und die Bedingungen für den Verkehr und Transit zu ihren Herkunftsorten verbessert werden sollen.

Hintergrund

Ein Beispiel für die humanitären Auswirkungen der Libyen-Krise auf den Norden von Tschad liefert die Kleinstadt Faya-Largeau, die an einer Hauptachse liegt, über die der Fluss der tschadischen Rückkehrer aus Libyen verläuft. Faya zählt etwa 14 000 Einwohner und musste in den letzten drei Monaten die Ankunft von mindestens 19 000 Rückkehrern bewältigen. Das örtliche Krankenhaus quillt vor kranken und erschöpften Rückkehrern über.

Die meisten tschadischen Rückkehrer aus Libyen sind arm und geschwächt und kehren in arme und geschwächte Region zurück. Hier ist insbesondere der Sahel zu nennen, wo schätzungsweise 1,6 Mio. Menschen Hunger leiden.

Die Libyen-Krise hat langfristige Auswirkungen auf Tschad, wo Armut und Nahrungsmittelknappheit herrschen. Das Land belegt Platz 163 von 169 auf dem Index der menschlichen Entwicklung des UNDP. Geldüberweisungen von Wanderarbeitnehmern in Libyen sind stark zurückgegangen, der Handel liegt Brach und das Überleben der einzelnen Haushalte ist stark gefährdet.

Die EU-Kommission ergreift unaufhörlich Maßnahmen zur Bewältigung aller humanitären Aspekte der Libyen-Krise. Am 23. Mai erhöhte die Kommission ihre humanitäre Hilfe auf 70 Mio. EUR, wodurch die gesamte humanitäre Hilfe der Europäischen Union für die Bedürfnisse der von dem Konflikt betroffenen Zivilisten auf 125 Mio. EUR ansteigt.

Weitere Informationen:

IP/11/621

Website von EU-Kommissarin Georgieva:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/georgieva/index_en.htm

Humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission:

http://ec.europa.eu/echo/index_en.htm

Kontaktpersonen:

Raphaël Brigandi (+32 229-80847)

Irina Novakova (+32 229-57517)


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