Navigation path

Left navigation

Additional tools

IP/11/640

Brüssel, 25. Mai 2011

Nach Fukushima: EU-Stresstests beginnen am 1. Juni

Ab dem 1. Juni 2011 werden alle 143 Kernkraftwerke in der EU anhand EU-weiter Kriterien neu bewertet. Dazu werden – wie von der Kommission gefordert – umfassende Tests durchgeführt, in die sowohl natürliche als auch von Menschen verursachte Gefahren (d.h. Folgen von Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen) einbezogen werden. Die Europäische Kommission und die Europäische Gruppe der Regulierungsbehörden für nukleare Sicherheit (ENSREG) haben sich heute auf die entsprechenden Kriterien und die Modalitäten für die Kontrollen geeinigt.

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, erklärte dazu: „Ich freue mich, dass es der Kommission und den Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten gelungen ist, umfassende, ehrgeizige Risiko- und Sicherheitsbewertungen der Kernkraftwerke in der EU zu vereinbaren. Wir werden all unsere Anstrengungen bündeln, um für Kernkraftwerke in und in unmittelbarer Umgebung der Europäischen Union die höchsten Sicherheitsstandards zu verwirklichen. Jetzt kommt der schwierigste Teil der Arbeit: die Kriterien mit der erforderlichen Strenge durchzusetzen.“

Die Europäische Kommission und die Europäische Gruppe der Regulierungsbehörden für nukleare Sicherheit (ENSREG), die die 27 nationalen unabhängigen Atomaufsichtsbehörden vertritt, haben sich heute auf den Gegenstand und die Modalitäten umfassender Risiko- und Sicherheitsbewertungen der Kernkraftwerke in der EU geeinigt. Bei den Stresstests werden die Sicherheitsmargen der Kernkraftwerke in der EU neu bewertet. Um die höchsten Sicherheitsstandards in der Welt zu gewährleisten, zieht die EU Lehren aus Fukushima und konzentriert sich bei ihren Tests auf sämtliche Arten von Naturkatastrophen; gleichzeitig bezieht sie auch die Folgen von Unfällen ein, die von Menschen verursacht wurden – wie Flugzeugabstürze oder terroristische bzw. böswillige Anschläge.

Sämtliche Aspekte, die den Themenbereich der Gefahrenabwehr betreffen, wie Maßnahmen zur Verhinderung terroristischer Angriffe, werden separat behandelt: Hierzu werden unter Beachtung u. a. des Geheimhaltungsbedarfs Gespräche mit den Mitgliedstaaten geführt.

Ab dem 1. Juni werden Kernkraftwerke in einem dreistufigen Verfahren überprüft:

  • Vorbewertung durch die Kernkraftwerksbetreiber, die den Fragebogen zu den Stresstests beantworten und dazu Belegunterlagen, Studien und Pläne vorlegen.

  • Länderbericht, der von der nationalen Aufsichtsbehörde abgefasst und in dem überprüft wird, ob die Antworten der Kernkraftwerksbetreiber verlässlich sind.

  • „Peer Reviews“. Multinationale Teams überprüfen die Berichte der Länder. Diesen Teams werden jeweils sieben Personen angehören – ein Vertreter der Europäischen Kommission und sechs Mitglieder der 27 nationalen Aufsichtsbehörden. Über die genaue Zusammensetzung der einzelnen Teams wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Die Teams können beschließen, Kernkraftwerke vor Ort zu inspizieren.

Die Kommission steht auch mit Ländern außerhalb der EU in engem Kontakt und arbeitet mit ihnen an einer Neubewertung ihrer Kernkraftwerke. Insbesondere handelt es sich dabei um die Schweiz, die Russische Föderation, die Ukraine und Armenien.

Hintergrund:

Nach dem Nuklearunfall in Fukushima am 11. März hat die EU-Kommission mit Nachdruck auf eine Neubewertung aller Kernkraftwerke in der EU gedrängt. Ziel dabei ist, Lehren aus dem Vorfall zu ziehen und gänzlich auszuschließen, dass eine ähnliche Katastrophe in der EU passieren kann.

Auf seiner Tagung am 24./25. März 2011 betonte der Europäische Rat, dass in jeder Hinsicht die Konsequenzen aus den jüngsten Ereignissen im Zusammenhang mit dem Nuklearunfall in Japan gezogen werden müssen und die Öffentlichkeit alle erforderlichen Informationen erhalten muss. Der Rat wies zwar darauf hin, dass der Energiemix in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fällt, rief aber dazu auf, dass vorrangig die Arbeit zu den folgenden Aspekten vorangebracht wird:

  • „Die Sicherheit aller kerntechnischen Anlagen der EU sollte mittels einer umfassenden und transparenten Risiko- und Sicherheitsbewertung („Stresstest“) überprüft werden; die Europäische Gruppe der Regulierungsbehörden für nukleare Sicherheit (ENSREG) und die Kommission werden ersucht, so rasch wie möglich in einem koordinierten Rahmen unter Berücksichtigung der Lehren aus dem Nuklearunfall in Japan und unter umfassender Einbeziehung der Mitgliedstaaten den Umfang dieser Tests festzulegen und die Durchführungsmodalitäten auszuarbeiten, wobei das vorhandene Fachwissen (insbesondere des Verbands der westeuropäischen Atomaufsichtsbehörden WENRA) umfassend zu nutzen ist; die Bewertungen werden von unabhängigen nationalen Behörden und im Wege der gegenseitigen Begutachtung durchgeführt; ihre Ergebnisse und alle erforderlichen Folgemaßnahmen, die ergriffen werden, sollten mit der Kommission und innerhalb der ENSREG ausgetauscht und veröffentlicht werden; der Europäische Rat wird die ersten Erkenntnisse bis Ende 2011 auf der Grundlage eines Berichts der Kommission beurteilen.“

Weitere Informationen:

Nähere Informationen über die Stresstests erhalten Sie unter folgender Internetadresse:

http://ec.europa.eu/energy/nuclear/safety/stress_tests_en.htm


Side Bar

My account

Manage your searches and email notifications


Help us improve our website